Nach Ausfall gegen Journalisten: Uber distanziert sich von Emil Michael

Nach Ausfall gegen Journalisten: Uber distanziert sich von Emil Michael

, aktualisiert 19. November 2014, 13:12 Uhr
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Travis Kalanick, Gründer und CEO von Uber, distanzierte sich von den Äußerungen eines Managers.

Der Uber-Chef Travis Kalanick hat sich von Top-Manager Emil Michael distanziert. Michael hatte sich dafür ausgesprochen, kritische Journalisten unter Druck zu setzen.

Der Chef des umstrittenen Fahrdienst-Vermittlers Uber hat sich von einem seiner wichtigsten Top-Manager distanziert, der Schmutzkampagnen gegen Journalisten ins Gespräch gebracht hatte.

Die Äußerungen des Vizepräsidenten Emil Michael seien „schrecklich“ gewesen, schrieb Firmenchef und Mitgründer Travis Kalanick am späten Dienstag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Michael habe damit nicht die Position des Unternehmens vertreten. Zugleich sei er sicher, dass Michael aus Fehlern lernen könne, schrieb Kalanick.

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Der Uber-Manager hatte in einer vermeintlich privaten Unterhaltung davon gesprochen, das Privatleben kritischer Journalisten auszuforschen, um sie unter Druck zu setzen. Michael brachte die Idee ins Gespräch, dass Uber für eine Million Dollar Spezialisten anheuern könnte, um unliebsame Fakten über Reporter herauszufinden.

Nachdem das am Dienstag von der US-Website „BuzzFeed“ öffentlich gemacht wurde, forderten einige Kommentatoren, Michael müsse gefeuert werden. Sein Chef Kalanick äußerte sich dazu nicht.

Warum Uber so umstritten ist

  • Was ist Uber überhaupt?

    Uber startete vor rund vier Jahren in San Francisco als Alternative zu Taxis, die in der kalifornischen Metropole notorisch schwer zu kriegen sind. Anfangs ging es nur darum, für etwas mehr Geld einen Chauffeur-Service mit Oberklasse-Wagen anzubieten. Inzwischen nutzt Uber seine Vermittlungsplattform auch für Dienste, bei denen Privatleute Fahrgäste mit ihren eigenen Autos mitnehmen können. Vor allem um solche Angebote entzünden sich die Streitigkeiten mit Taxi-Gewerbe und Behörden in verschiedenen Ländern.

  • Wie funktioniert Uber?

    Es ist eine Smartphone-App, wie man sie auch von den Taxi-Anwendungen kennt. Der Abholort wird automatisch ermittelt, der Kunde sieht die Uber-Fahzeuge in der Nähe. Der Fahrweg wird mit Hilfe von GPS berechnet, die Wagen kommen daher ohne Taxameter aus. Der Bezahlvorgang entfällt: Es wird einfach die bei Uber hinterlegte Kreditkarte belastet.

  • Was stört die Taxifahrer?

    Das Taxi-Geschäft überall ist vielen Regeln unterworfen. Es gibt Vorschriften für die technische Kontrolle der Fahrzeuge, die Überprüfung des Gesundheitszustands der Fahrer, spezielle Versicherungen und die Beförderungspflicht. Außerdem wird die Größe des Marktes über die Vergabe von Konzessionen eingeschränkt. So kann eine Taxi-Lizenz in New York mehr als eine Million Dollar kosten. Uber platzt mit seinen Dienstes in dieses über Jahrzehnte gewachsene Geflecht von Regeln und wirtschaftlichen Interessen.

  • Wie will Uber den Taxis Kunden abjagen?

    Beim ursprünglichen Chaufferdienst UberBLACK waren die Argumente vor allem der Komfort einer Smartphone-App, ein schickes Auto und die automatische Abrechnung. Bei den Mitfahrdiensten in Privatautos ist Uber aber auch günstiger als herkömmliche Taxis. So kostet der Service UberPOP in Hamburg einen Euro pro Kilometer bzw. 25 Cent pro Minute. Laut Hamburger Taxentarif zahlt man dagegen jeweils 2,20 Euro für die ersten vier Kilometer, je 1,90 für die nächsten fünf Kilometer und 1,40 ab dem 10. Kilometer.

  • Wie stehen deutsche Behörden zu Uber?

    Behörden und auch Landesregierungen sehen den Dienst skeptisch. In Berlin und Hamburg erließen die Behörden Unterlassungsverfügung gegen Uber. Gerichte erlaubtem dem Fahrdienst aber vorläufig die Weiterfahrt. In NRW erklärte ein Sprecher des Verkehrsministeriums zu Uber: "Nach den vorliegenden Informationen handelt es sich bei den Fahrten um genehmigungspflichtige Personenbeförderungen." Über eine solche Genehmigung verfügen die Uber-Fahrer aber offenbar nicht. Das Verkehrsministerium warnt deshalb vor hohen Bußgeldern.

Datenskandal bei Uber

Gleichzeitig zieht eine weitere Kontroverse herauf. Es wurden mehrere Fälle bekannt, in denen Uber-Mitarbeiter nach Belieben auf Kundendaten zugegriffen haben sollen. Eine „BuzzFeed“-Journalistin beschrieb, wie der New Yorker Uber-Manager ihr bei einem Besuch der Firma erzählte, er habe ihre Fahrt mit einem Wagen des Dienstes nachverfolgt. Zuvor habe er ihr bereits eine Tabelle mit Daten zu einiger ihrer Uber-Fahrten geschickt. Sie habe zu keinem Zeitpunkt den Zugriff auf ihre Daten erlaubt, betonte die „Buzzfeed“-Reporterin Johana Bhuiyan.

Das Startup-Unternehmen aus San Francisco versicherte in einem Blogeintrag, dass Nutzerdaten nur für „legitime Geschäftszwecke“ eingesehen würden. Dabei gehe es unter anderem darum, die Fahrten abzurechnen, Streitfälle zu lösen, Betrugsversuche zu verhindern und technische Probleme zu beheben. Eine vollständige Liste der Ausnahmen veröffentlichte Uber nicht. Die Einhaltung dieser Regel werde überwacht. Der Fall des New Yorker Uber-Managers werde untersucht, berichtete „Buzzfeed“.

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Uber könne über eine Karten-Ansicht mit dem internen Namen „God View“ (etwa: Gottes-Auge) sehr einfach auf alle laufenden Fahrten-Daten zugreifen, erklärten zwei frühere Mitarbeiter „BuzzFeed“. Ein Unternehmer hatte bereits zuvor berichtet, eine seiner Uber-Fahrten sei ohne sein Wissen bei einer öffentlichen Präsentation in Echtzeit abgebildet worden.

Uber liegt weltweit im Clinch mit der Taxi-Branche, die dem Dienst unfairen Wettbewerb vorwirft. Dem Unternehmen, das in diesem Jahr rund 1,2 Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt hat, wurden bereits wiederholt rabiate Geschäftspraktiken vorgeworfen.

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