Nach Tarifabschluss: Lage bei Lufthansa bleibt angespannt

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Nach Tarifabschluss: Lage bei Lufthansa bleibt angespannt

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Der aktuelle Tarifabschluss der Lufthansa ist besser als erwartet. Dennoch bleibt die Lage angespannt.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der aktuelle Tarifabschluss der Lufthansa ist besser als erwartet. Doch die heutige Bilanz der ersten drei Monate im aktuellen Geschäftsjahr zeigt: die Tariferhöhung ist keine Hilfe bei der aktuellen Sanierung der angeschlagenen Fluglinie.

Fast fünf Prozent Gehaltsplus und keine Entlassungen: auf den ersten Blick ist der gestrige Tarifabschluss mit den 33.000 Mitarbeitern des Bodenpersonals in Deutschland eine deutliche Belastung der Lufthansa. Denn Kostensteigerungen und weniger Flexibilität sind das letzte was die Lufthansa jetzt braucht.

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Doch auf den zweiten Blick ist die Belastung deutlich milder als erwartet. Denn der Abschluss streckt sich über gut zwei Jahre. Und die Gehaltserhöhung gibt es nicht sofort, sondern erst in einem halben Jahr. Dazu fällt das Plus mit drei Prozent besonders gering im Flugbereich aus - genau der leidet am meisten unter der Konkurrenz durch Billigflieger und die Airlines vom persischen Golf.

Die Kollegen vom Logistikgeschäft und den Wartungsbetrieben bekommen zwar rund die Hälfte mehr als Plus, doch diese Felder verdienen auch mehr Geld. Denn das Frachtgeschäft hat bereits einen größeren Teil des aktuellen Konzern-Sparprogramms Score abgearbeitet und das Wartungsgeschäft beschäftigt mehr Personal in Niedriglohnländern.

Es bleibt die Frage, ob dieser Abschluss wirklich das ganze Getöse im Vorfeld wert war. Diese Frage stellt sich sicherlich nach vielen Abschlüssen, doch in diesem mehr denn je. Denn in wenigen Fällen ist die zuständige Gewerkschaft Verdi so laut aufgetreten, um dann in Rekordzeit so klein beizugeben.

Die zentralen Schwachpunkte der Lufthansa

  • zu hohe Kosten

    Die Lufthansa arbeitet mit zu hohen Kosten. Trotz aller Sparmaßnahmen wendet die Kranichlinie immer noch sechs Cent auf, um einen Passagier einen Kilometer weit zu fliegen; Easyjet kommt mit knapp vier Cent, Emirates mit gut drei und Ryanair nicht mal zwei Cent aus.

  • zu umständlich

    Deutschlands Marktführer arbeitet zu umständlich. Die Lufthansa macht bis zu Wartung und Flugküchen fast alles selbst und gibt ein Viertel der Kosten für das Personal aus. Emirates und Billigfliegern reicht die Hälfte.

  • zu wenig Komfort

    Die Lufthansa bleibt bei der Flotte und beim Komfort zurück: Weil die Deutschen weniger neue Flugzeuge anschaffen als Emirates, können die Araber deutlich schneller wachsen und ihren Kunden an Bord modernsten Komfort anbieten.

Es ist zu bezweifeln, dass sie sich und ihrer Glaubwürdigkeit mit ihrem lauten Auftreten einen Gefallen getan hat. Die Forderung von mehr als sechs Prozent Plus war angesichts der guten Entwicklung der Wirtschaft und den hohen Abschlüssen in anderen Brachen verständlich. Zum Teil war sie wohl auch dem Wettbewerb mit der Kabinengewerkschaft UFO geschuldet. Sie hatte mit einem spektakulären Ausstand ein höheres Plus erreicht. Doch in der Lufthansa waren sechs Prozent von vorneherein nicht erfüllbar.

Die Baustellen bei der Lufthansa

  • Die Probleme der Lufthansa
    • Stückkosten Sie sind bei Lufthansa rund 50 Prozent höher als bei Wettbewerbern
    • Einkauf Jede Tochtergesellschaft beschafft weitgehend selbstständig
    • Angebot Töchter organisieren Service in der Luft und am Boden nach eigenen Regeln
    • Verwaltung Abteilungen wie IT oder Catering existieren mehrfach
    • Unternehmenskultur Zu viele Egoismen und alte Privilegien
    • Marke Es wird immer schwieriger, Premiumpreise durchzusetzen
  • Einkauf

    Jede Tochtergesellschaft beschafft weitgehend selbstständig

  • Angebot

    Töchter organisieren Service in der Luft und am Boden nach eigenen Regeln

  • Verwaltung

    Abteilungen wie IT oder Catering existieren mehrfach

  • Unternehmensskultur

    Zu viele Egoismen und alte Privilegien

  • Marke

    Es wird immer schwieriger, Premiumpreise durchzusetzen

Auch wenn die Abschlüsse von UFO und Verdi am Ende keine große Belastung sind, eine Hilfe für die Lufthansa sind sie trotzdem nicht. Das zeigt die heutige Unternehmensbilanz für die ersten drei Monate des laufenden Jahres. Der fiel eher mäßig aus. Trotz der ersten Erfolge des Sparprogramms Score und des wieder relativ niedrigen Ölpreises blieb der Verlust so hoch wie im Vorjahr. Grund dafür waren vor allem die schlechten Ergebnisse des Fluggeschäfts, das mehr als 360 Millionen Euro verloren hat. Lediglich der strikte Schrumpfkurs und die vielen Streichungen unrentabler Strecken haben verhindert, dass das Ergebnis noch schlechter wurde.

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