Nachrichtenmagazin in Aufruhr: Die wahren Probleme beim Spiegel

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Nachrichtenmagazin in Aufruhr: Die wahren Probleme beim Spiegel

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Der neue Spiegel-Chefredakteur Wolfgang Büchner macht Bild-Mann Nikolaus Blome lediglich zum Mitglied der Chefredaktion

von Peter Steinkirchner

Die Diskussion über die Redaktionsspitze lenkt ab von den wirtschaftlichen Problemen des Blatts. Die härtesten Konflikte kommen noch.

Ein Hauch von Papst-Wahl lag Mitte vergangener Woche über dem protestantischen Hamburg: Steigt weißer Rauch auf über dem Glaspalast auf der Ericus-Spitze im Hafen oder nicht? Stimmt die mächtige Mitarbeiter KG des „Spiegels“, der mehr als die Hälfte des deutschen Nachrichtenmagazins gehört, der Top-Personalie zu? Oder brüskiert sie ihren Chefredakteur, bevor der überhaupt angefangen hat? Es wurde eher grauer Qualm: Nikolaus Blome darf zwar von der „Bild“-Zeitung als Berliner Bürochef zum „Spiegel“ wechseln, aber nicht als Stellvertretender Chefredakteur, sondern nur als Mitglied der Chefredaktion – ein fauler Kompromiss also statt des nötigen Neuanfangs.

Die Gesellschafter des Medienhauses Quelle: Unternehmen

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Denn der angebliche Kampf um die politische Linie des „Spiegels“ vernebelt den Blick auf das eigentliche Problem des Magazins: die schlechten Zahlen. Jetzt müssen Chefredakteur Wolfgang Bücher und Geschäftsführer Ove Saffe neue Zahlen mit alten Köpfen produzieren. Die Fakten:

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  • Die Auflage des „Spiegels“ sinkt seit Jahren. Im Zehn-Jahres-Vergleich büßte der „Spiegel“ 17,7 Prozent der Auflage ein; im Einzelverkauf sogar 42,3 Prozent. Im zweiten Quartal 2013 war sie so niedrig wie zuletzt vor knapp 30 Jahren. Die früher politischen Kernthemen ziehen kaum mehr: Die erfolgreichsten Ausgaben im laufenden Jahr waren „Die Psycho-Falle“, „Dick durch Stress“ und „Der heilende Geist“ – das kannte man bisher nur vom „Focus“, weswegen manche schon über „Spocus“ lästern. Der Titel über den NSA-Abhörskandal wird zwar als bester Einzelverkauf des Jahres gefeiert, erreicht mit 321.498 Exemplaren aber nicht frühere Rekordmarken: Im Herbst 2005 fiel der „Spiegel“ von oben erst mal durch die 400.000er-Marke – heute unerreichbar. „Der ,Spiegel‘ hat in den vergangenen Jahren viel von seiner einstigen Relevanz eingebüßt“, sagt der Europa-Chef der Mediaagentur Mindshare, Christof Baron.

  • In sechs Jahren büßte das Magazin brutto, also vor Abzug von Rabatten, mehr als ein Drittel seiner Werbeerlöse ein. Waren es 2006 noch knapp 220 Millionen Euro, sank der Wert auf etwas mehr als 130 Millionen im Jahr 2012. Im ersten Halbjahr 2013 waren es nur noch 58,2 Millionen, bei weiter schnell fallender Tendenz.

  • Der Umsatz der Gruppe, die 1200 Mitarbeiter beschäftigt, sinkt, zuletzt um sechs Prozent auf 307 Millionen Euro. Und auch wenn die Umsatzrendite mit geschätzten 15 Prozent mehr als ordentlich sein soll – sie schmilzt dahin.

  • Neue Produkte und Projekte, die die gefährliche Abhängigkeit vom Flaggschiff lindern könnten, floppen: Die Fernsehtochter Spiegel TV ist nur noch ein Schatten ihrer selbst; der wichtige Standort Berlin wurde aufgelöst. Das Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ wurde Ende Mai nach einem knappen halben Jahr wieder eingestellt. Dem Verlag fehlt der Atem für Neues.

  • Gleichzeitig mangelt es der Redaktion an einem Konzept für die Zusammenarbeit von Print und Online. Im Streit darüber musste im Frühjahr die Doppelspitze der Chefredakteure aus Georg Mascolo (Print) und Mathias Müller von Blumencron (Online) gehen.

Hauptmanko aber sind die mangelhafte Corporate Governance und innerer Zwist. Der erst 2011 neu bezogene Edelverlagssitz in der schicken Hafen-City ist durchzogen von tiefen Gräben – sie klaffen etwa zwischen der fünfköpfigen KG-Spitze und vielen Mitgliedern der Mitarbeiter KG.

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