Neue Luftfahrtstrategie: EU will sich gegen Airlines aus Golfstaaten wappnen

Neue Luftfahrtstrategie: EU will sich gegen Airlines aus Golfstaaten wappnen

Mit einem Aktionsplan will die EU-Kommission versuchen, die europäische Luftfahrtindustrie wettbewerbsfähiger zu machen. Dazu sollen unter anderem Luftverkehrsabkommen mit Drittstaaten gehören.

Die EU-Kommission will die europäischen Fluglinien besser für den Konkurrenzkampf mit Anbietern aus der Golfregion wappnen. Die Brüsseler Behörde kündigte am Montag im Rahmen einer neuen Luftfahrtstrategie an, bei den EU-Staaten die Aufnahme von Verhandlungen über Luftverkehrsabkommen mit Drittstaaten zu beantragen. Dazu sollten auch neue Maßnahmen zur Bekämpfung unlauterer Praktiken von Drittländern und Betreibern aus diesen Staaten geprüft werden, hieß es in einer Mitteilung der EU-Kommission. Konkrete Gesetzesvorschläge sollen indes erst im kommenden Jahr vorgelegt werden.

Die EU-Behörde will mit dem Aktionsplan die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Luftfahrtindustrie stärken und deren Fragmentierung eindämmen. Die Verhandlungen mit den ölreichen Vereinigten Arabischen Emiraten, mit Kuwait und Katar dürften sich als schwierig gestalten, da EU-Airlines wie Lufthansa und Air France fordern, in den Abkommen das Thema Staatsbeihilfen zu integrieren. Die Fluglinien Emirates und der Air-Berlin -Anteilseigner Etihad weisen indes den Vorwurf zurück, sich unfaire Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

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Die fünf Erfolgsgeheimnisse der arabischen Airlines

  • Gute Preise

    Kern des Erfolgs sind die guten Preise. Möglich werden sie durch die im Vergleich zu europäischen Linien bis zu 30 Prozent niedrigeren Ausgaben. Dafür sorgt die Flotte, die dank Großbesteller-Rabatten und moderner Technik im Schnitt gut ein Zehntel günstiger fliegt als die Maschinen der Konkurrenz aus Übersee. Zweites Plus sind die Flughäfen der Golfstaaten. Großzügig gebaut und ohne Einschränkungen beim Nachtflug erlauben sie eine optimale Flugplanung ohne die überflüssigen Ruhezeiten für die teuren Maschinen. Und weil die Airports meist die gleichen Aufsichtsratschefs haben wie die Fluglinien, fördern sie die durch niedrige Gebühren, die nur rund ein Zehntel der in Europa fälligen Abgaben betragen.

  • Unternehmensfreundliche Gesetzgebung

    Die unternehmensfreundliche Gesetzgebung sorgt für weitere Einsparungen. Dinge wie Steuern und Sozialabgaben sind ebenso unbekannt wie Sozialstandard oder Kündigungsschutz. Das spiegelt sich auch in der Unternehmenskultur wieder. Weil die Gehälter ohne die Abgaben relativ hoch sind und der Job viele Freiräume bietet, ziehen die Golflinien überdurchschnittlich viele hochmotivierte Mitarbeiter an. „Wir haben das Gefühl, die Vorgaben zu erreichen und wahrscheinlich sogar übertreffen können", so ein hochrangiger Mitarbeiter bei Emirates.

  • Verkehrsgünstige Flughäfen

    Die Flughäfen am Golf liegen verkehrsgünstig. Mit Ausnahme von Chile und Süd-Argentinien sind mit modernen Flugzeugen fast alle Orte der Welt erreichbar und bei den besonders stark beflogenen Routen von Europa nach Südostasien liegen die Golfstaaten quasi auf dem Weg.

  • Kundendienst

    Die Golflinien setzen auf Kundendienst. Während die Linien aus Europa und den USA bei Neuerungen wie modernen Flugzeugen, bequemen Sitzen, Betten in der Business Class oder einem persönlichen Unterhaltungsbildschirm in der Economy lange zu teuer waren und sie ihre Kunden bei jeder Gelegenheit mit Zuschlägen belasteten, setzen die Golfinien auf „alles inklusive.“

  • Marketing

    Fast ebenso viel wie in neue Technik stecken die Linien ins Marketing. Lufthansa etwa investiert eher zurückhaltend in Sportförderung oder aber in ungewöhnliche Dinge wie Events klassischer Musik. Besonders letztere sorgen – bei allem künstlerischen Wert – besonders bei jüngeren Reisenden außerhalb Europas für weniger Bekanntheit als die von den Golflinien bevorzugten Massensportarten wie Fußball oder Formel 1.

  • Woher das erfolgreiche Modell stammt

    Die Grundidee für das Modell borgte sich das Emirates-Gründungsteam um Clark am Ende von Singapore Airlines. Die Linie des südostasiatischen Inselstaats zeigte als erste, wie ein Verbund aus einem Langstreckendrehkreuz, einem kundenfreundlichen Flughafen und der Rückendeckung der lokalen Regierung eine Weltmacht im Fliegen schafft – und daraus dann ein weltweit wichtiges Wirtschaftszentrum erwächst. Ein System, das nach den Golflinien im übrigen auch Island aufgenommen hat, mit Reykjavik als Minidrehkreuz zwischen Europa und Nordamerika.

Im kommenden Jahr will die EU-Kommission zudem neue Regeln zum Eigentumsrecht vorschlagen. Bisher dürfen Firmen aus dem Ausland nur bis zu 49 Prozent an EU-Fluglinien halten. Etihad besitzt beispielsweise 29 Prozent an Air Berlin und 49 Prozent an Alitalia. Die EU-Luftfahrtkonzerne, die pro Jahr 110 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung der EU beitragen, stehen unter schwerem Druck durch den Aufstieg der Anbieter aus der Golfregion und Ländern wie der Türkei sowie China.

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