Neue Reiseklasse: Luxus light bei Lufthansa

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Neue Reiseklasse: Luxus light bei Lufthansa

von Rüdiger Kiani-Kreß

Mit ihrer neuen Premium Economy schließt Europas größte Fluglinie eine Lücke beim Service. Doch wie bei allen Neuerungen tut die Kranichlinie auch bei ihrer Nobel-Holzklasse kaum mehr als sie muss.

Eigentlich hätte Jens Bischof heute einen richtig aufregenden Termin haben können. Schließlich stellt für den Verkauf und den Service zuständige Vorstand der Lufthansa auf der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin eine ganz neue Serviceklasse vor: die neue Premium Economy Class. Das neue Abteil ist eine Zwischenklasse zwischen der eher spartanischen Touristenklasse am Ende des Flugzeugs und der besseren Business Class, wo die Lufthansa ihre bisher üblichen leicht schrägen Rutschen auf komplett flache Liegen umrüstet. Dazu kommt auf zwei Dritteln der Flotte noch eine First Class.

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In der – neben Economy, Business und First Class - neuen vierte Klasse dürfen Lufthansa-Kunden ab November in den ersten Langstrecken-Maschinen gegen einen Aufpreis von im Schnitt 600 Euro für einen Hin- und Rückflug zum normalen Economy-Ticket Platz nehmen. Dafür bietet es mehr Platz und besseren Service mit Extrafreigepäck und Porzellangeschirr statt den Plastikwannen der Economy. Zielgruppe sind anspruchsvolle Touristen und Geschäftsreisenden, deren Arbeitgeber angesichts von Sparprogrammen im mittleren Management besonders auf Tagflügen die Extrakosten der Business-Class mit ihren Betten scheuen. Hier hofft die Lufthansa, dass die neue Klasse in den Reiserichtlinien trotz der Mehrkosten noch als Economy durchgeht. Gut als 1,5 Millionen Premium-Economy-Passagiere will Lufthansa pro Jahr befördern, wenn die Sitze im nächsten Sommer in all ihren 106 Langstreckenfliegern verbaut sind.

Luftverkehr Fliegen sicherer denn je

Das vergangene Jahr war für Flugpassagiere das sicherste aller Zeiten. Doch nicht in allen Teilen der Welt ist der Fortschritt durch strengere Regulierung und bessere Technik so groß wie er sein könnte.

Immer bessere Flugzeuge und strengere Aufsicht durch die Behörden haben das Fliegen in den vergangenen Jahren noch sicherer gemacht. Quelle: AP

Mit dem Schritt gehört die Lufthansa zu den Nachzüglern in Branche. Als erste schraubte die auf Spaßlinie getrimmte Virgin Atlantic des britischen Milliardärs Richard Branson und Eva Air aus Taiwan in den neunziger Jahren eine solche Zwischenklasse in ihre Flieger. Später folgten vor allem US-Linien, die freilich keinen besseren Sitze anboten, sondern lediglich ihre Standard-Economy-Sitze ein weniger weiter auseinander rückten und dort vor allem ihre besten Vielflieger über ein kostenloses Mini-Upgrade Platz nehmen ließen. Inzwischen bieten rund 30 Linien ein ähnliches Konzept.

Denn für die finanziell meist angespannten Linien ist die neue Klasse der wohl beste Weg Geld zu verdienen. „Es wird ein sehr profitables Produkt“, sagt Bischof. Zwar braucht der Sitzplatz mehr Platz als ein Stuhl der gewöhnlichen Holzklasse und auch die Service-Extras wie Zusatzgepäck kosten Geld. Doch am Ende ist die wichtigste Größe einer Airline - der Umsatz pro Quadratzentimeter Platz an Bord - im Schnitt bis zu 20 Prozent höher als in der normale Economy und auch in der Business Class, die zwar im Schnitt etwa 2000 Euro pro Hin- und Rückflug mehr kostet, aber den dreifachen Platz eines Holzklasse-Sitzes braucht. Dazu kostet die Umrüstung die Lufthansa mit 160 Millionen Euro deutlich weniger als die gut eine Milliarde für die neuen Betten in der Business Class. Kein Wunder, dass inzwischen bereits fast ein Drittel aller weltweit neu ausgelieferten Flugzeuge eine solche Premium Economy hat.

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