Neue Routen bei Norwegian: Jetzt kommen die Billigflüge auch für Langstrecken

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Neue Routen bei Norwegian: Jetzt kommen die Billigflüge auch für Langstrecken

, aktualisiert 14. Mai 2013, 12:03 Uhr
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Letzter Revolutionär - Norwegian hat die Kosten seit 2002 um 70 Prozent gedrückt.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Edelbilligflieger und sein Chef Björn Kjos wollen nach Skandinavien nun ganz Europa und die Langstrecke erobern. Helfen sollen besserer Service und ungewöhnliche Sparideen. Mit elf neuen Routen nach Spanien, wo Norwegian dank seiner vielen Flüge aus ihrer skandinavischen Heimat schon sehr stark ist, soll der Erfolgskurs fortgesetzt werden. Ab Ende Oktober fliegt Norwegian aus Hamburg und Köln nach Malaga, Alicante, Gran Canaria and Tenerifa sowie ab München nach Malaga, Alicante und Teneriffa.

Beim ersten Treffen ist es oft nicht ganz leicht, in Björn Kjos einen ernsthaften Geschäftsmann zu sehen. Sein Sakko ist schon mal ein wenig ausgeleiert, der Hemdkragen etwas fadenscheinig, das Muster der Krawatte passt weder zum Hemd noch zum Sakko. Dazu kommentiert der 66-Jährige jeden dritten Satz mit einem durchdringenden Lachen.

In Europas Flugbranche unterschätzt den Chef und größten Aktionär des skandinavischen Billigfliegers Norwegian allerdings keiner mehr. Kjos hat die Linie aus Oslo in elf Jahren vom kleinen Regionalflieger zum drittgrößten Flugdiscounter in Europa gemacht, mit 1,8 Milliarden Euro Jahresumsatz und gut 2500 Mitarbeitern. Dabei hat er in Skandinavien Marktführer SAS niedergerungen, die britische Billiglinie Easyjet weitgehend vertrieben und den irischen Geizflieger Ryanair klein gehalten.

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Trotz beachtlicher Wachstumsraten von jährlich gut 20 Prozent schaffte Norwegian auch 2012 eine Rendite vor Steuern von fast fünf Prozent und schrieb in diesem Jahr sogar im bei Fluglinien traditionell schwächsten ersten Quartal erstmals einen operativen Gewinn. "Das ist angesichts der hohen Spritpreise und der schwachen Konjunktur ein kleines Wunder", urteilen die Analysten des britischen Branchendienstes Anna.aero.

Damit hat sich Kjos erst warmgelaufen. Vor einem Jahr hat er den mit gut 250 Airbus- und Boeing-Flugzeugen plus 150 Kaufoptionen größten Auftrag einer europäischen Fluglinie unterschrieben. Damit will Kjos das europäische Festland erobern. Nach einer Basis auf den Kanaren plant er für 2013 zusätzliche Drehkreuze in Spanien und im von Easyjet und Ryanair beherrschten Billigmekka London.

Billig nach Bangkok

Im Mai folgt dann der große Knall: Als erste europäische Airline startet Norwegian Billigflüge auf der Langstrecke. Zwar kann Kjos die ersten Routen von Oslo und Stockholm nach New York und Bangkok nicht mit dem komfortablen Boeing-Sparjet 787 bedienen: Den bekommt er nach den Batterieproblemen frühestens im Juli. Doch die laut Insidern später geplanten Routen nach Fort Lauderdale in Florida, China, Malaysia oder zu Inseln im Indischen Ozean fliegt die 787.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

  • Platz 10

    Air France (Frankreich) - 47 Millionen Passagiere

    Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa und können ihren Platz in der Top 10 nur knapp behaupten. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Nun erwägen sie sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad einzugehen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

  • Platz 9

    China Eastern Airlines (China) - 50,3 Millionen Passagiere

    Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

  • Platz 8

    US Airways (USA) - 51,8 Millionen Passagiere

    Einst als reine Logistik-Fluggesellschaft gegründet, transportieren die Amerikaner mittlerweile so viele Passagiere wie Südafrika Einwohner hat. Weltweite Bekanntheit erlangte die Airline im Jahr 2011 durch eine spektakuläre Notlandung im Hudson River.

  • Platz 7

    United Airlines (USA) - 54 Millionen Passagiere

    Mit 3500 Flügen am Tag gehört die Airline seit ihrer Fusion mit Continental zu den größten Fluggesellschaften in Nordamerika. Die Amerikaner fliegen ca. 700 Ziele in 127 Ländern weltweit an.

  • Platz 6

    Lufthansa (Deutschland) - 56,7 Millionen Passagiere

    Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Das Geschäft im Heimatmarkt wird derzeit getrübt durch die Schuldenkrise. Zuletzt musste die Airline sogar einen Verlust ausweisen. Nun soll gespart werden.

  • Platz 5

    Ryanair (Irland) - 71,2 Millionen Passagiere

    Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Nun soll die 286 Flugzeuge starke Flotte um 23 Maschinen erweitert werden.

  • Platz 4

    China Southern (China) - 76,1 Millionen Passagiere

    Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, in den kommenden Jahren soll die Flotte um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

  • Platz 3

    American Airlines (USA) - 86,1 Millionen Passagiere

    Bronze geht an die Silberpfeile am Himmel. Dabei musste die Fluggesellschaft Ende 2011 Insolvenz anmelden. Der Flugbetrieb geht vorerst weiter - es werden aber weiterhin Verluste in Millionenhöhe eingeflogen.

  • Platz 2

    Southwest Airlines (USA) - 106,2 Millionen Passagiere

    Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2010 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke. Nur eine einzige Airline transportierte mehr Passagiere.

  • Platz 1

    Delta Airlines (USA) - 111,1 Millionen Passagiere

    Die Amerikaner sind immer noch unangefochten die größte Fluggesellschaft der Welt - doch in einem Jahr ist die Passagierzahl um satte 50 Millionen geschrumpft. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Der Kurs ist riskant, weil Norwegian Emirates aus Dubai oder Easyjet angreift, die dank solider Finanzen länger gegenhalten können als bisherige Hauptgegner wie SAS oder Finnair. "Doch Björn und sein Team sind gut vorbereitet", urteilt Peter Harbison, Chef des Marktforschers Centre for Aviation mit Hauptsitz in Sydney.

Wichtigste Stütze für die Expansion ist Norwegians starke Stellung in Nordeuropa. Hier fliegen die Menschen viel wegen der langen Strecken und weil sie im Winter der Düsternis entfliehen wollen. Weil besonders in Norwegen dank des Rohstoffbooms die Einkommen hoch sind, geben die Kunden für höheren Komfort auch mehr aus.

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