Neuer Internettrend: Heftig.co - Die neue Internetrakete, die nur auf Facebook setzt

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Neuer Internettrend: Heftig.co - Die neue Internetrakete, die nur auf Facebook setzt

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Herz- und Schmerz-Duo: Heftig.co-Gründer Glöß (links) und Schilling sehen sich als Teil einer Medienrevolution, die an der Macht von Google nagen könnte.

Deutschlands jüngster Interneterfolg gibt der Debatte über Strafmaßnahmen gegen Google eine neue Richtung: Das Boulevard-Portal Heftig.co findet sein Publikum über Facebook.

Unter dem Foto der frisch Vermählten steht: „Der Hochzeitstanz dieser Braut ist unglaublich berührend.“ Und über einer Story heißt es: „Als ich den Grund erfuhr, kamen mir die Tränen.“ Würden Sie im Internet einen Text und ein Foto anklicken, das so überschrieben ist? Na, ganz ehrlich? Okay, lassen wir das, ist sowieso egal. Denn mehr als 750.000 Deutsche tun es bereits: Sie sind Facebook-Fan der fünf Monate alten Internet-Seite Heftig.co. In dem weltgrößten sozialen Netzwerk posten, liken und teilen sie die Mischung aus Tiervideos und Herz-Schmerz-Geschichten mit ihren virtuellen Freunden.

Der Zuspruch ist gigantisch. Mit Heftig.co stechen die beiden Gründer Michael Glöß und Peter Schilling aus Potsdam auf Facebook inzwischen alle Online-Ausgaben renommierter deutscher Verlage aus, von Spiegel.de bis Bild.de. Selbst die ebenfalls seichte, im vergangenen Dezember vom Münchner Burda-Verlag gestartete deutsche Lizenzausgabe der kostenlosen Internet-Zeitung „Huffington Post“ liegt mit weniger als 33.000 „Gefällt mir“-Klicks weit abgeschlagen hinter Heftig.co.

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Die Rezepte von Buzzfeed und Co

  • Neue Portale im Netz

    Ob Buzzfeed, Upworthy oder heftig.co: Mehrere neue Portale zielen darauf, ihre Texte vor allem über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter zu verbreiten. Mit klassischem Journalismus haben die Angebote wenig zu tun – sie locker aber viele Leser an. Mit diesen Tricks arbeiten die Macher.

  • Emotionen
  • Kuriositäten

    Auch Kuriositäten ziehen, etwa „24 Tiere, die Yoga machen“ oder „Er wog 560 Kilogramm: Der schwerste Mann der Welt ist tot“.

  • Themen aus dem Alltag

    Was nicht emotional oder skurril ist, berührt häufig den Alltag der Leser. Kostprobe: „Diese Bilder zeigen eindrucksvoll, wie unterschiedlich 200 Kalorien aussehen können“, nach einem Klick ist eine Galerie mit Lebensmitteln von Äpfeln bis Gummibärchen zu sehen.

  • Schlagzeilen als Köder

    Alle Portale setzen extrem auf klickoptimierte Überschriften. Dahinter verbergen sich indes meist dürre Artikel, in die eine Bildergalerie oder ein Youtube-Video eingebunden ist. Oft sind die Themen nicht aktuell, sondern geistern schon länger durchs Netz.

  • Reichweite mit Facebook und Co

    Die Portale locken viele Leser über soziale Netzwerke auf ihre Artikel – je häufiger ein Link geteilt wird, desto besser. Dementsprechend sind die Überschriften darauf getrimmt, dass die Nutzer sie gerne weiterverbreiten.

Der eigentliche Erfolg von Heftig.co, weshalb seine Macher sich als Teil der „Medienrevolution“ sehen, ist jedoch ein anderer. Glöß und Schilling zeigen, dass Gründer im Internet auch ohne Google reüssieren können. Denn sie setzen auf die Kraft der viralen Verbreitung in den sozialen Netzwerken – allen voran Facebook. Jeder einzelne Beitrag wird 100.000-fach von den Heftig-Fans geteilt und angeklickt. Dadurch ist die Seite praktisch überhaupt nicht auf Google angewiesen. So straft das Duo das wachsende Lamento über die Web-Krake Lügen, die in Deutschland bei Suchanfragen einen Marktanteil von 90 Prozent hält und damit das Geschäft im Internet zu beherrschen versucht.

Die wichtigsten Kennzahlen der Internet-Rivalen Google und Facebook im Überblick

Die wichtigsten Kennzahlen der Internet-Rivalen Google und Facebook im Überblick. Zum Vergrößern bitte klicken.

So hatte Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die deutschen Verlage mit Blick auf Google vor dem „fatalen Fehler“ gewarnt, „sich blind“ auf ein Spiel einzulassen, „dessen Regeln andere bestimmen“. Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner drohte Google-Chairman Eric Schmidt im April sogar mit der Mobilisierung der Bundesregierung gegen den US-Konzern: „Ist es wirklich klug, zu warten, bis der erste ernst zu nehmende Politiker die Zerschlagung Googles fordert?“

Und prompt war Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf den Kurs der Google-Kritiker eingeschwenkt. „Wirtschaftsministerium und Bundeskartellamt prüfen, ob ein Unternehmen wie Google seine marktbeherrschende Stellung missbraucht“, schrieb der Sozialdemokrat Mitte des Monats in einem Zeitungsbeitrag. „Eine Entflechtung, wie sie bei Strom- und Gasnetzen durchgesetzt wurde, muss dabei ernsthaft erwogen werden.“

Aber vermutlich kommt die Bedrohung für Google-Chef Larry Page nicht durch Regulierung der neuen deutschen Staats-Wirtschaftler – sondern von anderen Angeboten und Anbietern. So generieren die Heftig.co-Gründer ihr Wachstum fast ausschließlich über Facebook. Vorbilder sind dabei amerikanische Herz- und Schmerz-Portale wie BuzzFeed.com, Upworthy.com oder Viralnova.com, die ebenfalls beweisen, wie sich Publikumsverkehr im Internet (Fachwort: Traffic) jenseits von Google erzeugen lässt.

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