NGOs: Unternehmen kontern Ökoaktivisten aus

NGOs: Unternehmen kontern Ökoaktivisten aus

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Die dunkle Seite der Macht: Im Outfit des Filmbösewichts Darth Vader prangert ein Greenpeace-Aktivist die Klimapolitik von Volkswagen an.

von Henning Krumrey, Mario Brück, Jürgen Salz, Christian Schlesiger, Martin Seiwert, Peter Steinkirchner

Unternehmen haben gelernt, den Attacken von Umwelt- und Verbraucherschützern mit wechselnden Strategien zu begegnen. Nur wenn die Angreifer foul spielen, hilft gegen deren Sympathievorsprung wenig.

Wenn es ihrem Ziel dient, begnügen sich die PR-Profis von Greenpeace mit der zweiten Reihe. Bei der VW-Hauptversammlung im April 2012 hatte sich ein Dutzend Umweltschützer unbemerkt direkt hinter Ursula Piëch verschanzt. Als Gatte Ferdinand, der Aufsichtsratschef, auf dem Podium sprach, legten die Regenbogenkrieger los. Über dem Kopf der Piëch-Gemahlin entfalteten sie Transparente mit der Aufschrift "Ehrlicher Klimaschutz jetzt" und "VW. Das Problem" – analog zum Werbeslogan "VW. Das Auto". Doch flugs spielte die Hauptversammlungs-Regie einen Film über das Umweltengagement von Volkswagen ab, um die Botschaft der Protestler zu konterkarieren. Der Porsche-Enkel mahnte die Störer: "Entfernen Sie Ihr Transparent, oder ich lasse Sie entfernen." Und schon verschwanden die Plakate.

Die öffentlichen Aktionen von Umwelt- und Verbraucherschützern gegen die Industrie sind schon lange keine emotional aufgeladenen Schlachten mehr, eher ein wohl einstudiertes Duell mit festen Ritualen. Das brachial aus- und brav eingerollte Transparent, der als Konter vorbereitete Imagefilm – Protestaktionen sind Routine geworden, für beide Seiten.

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Ob die Vorwürfe zutreffen ist unwichtig

Standen sie früher den Attacken von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) hilflos gegenüber, haben sich Unternehmen inzwischen Gegenstrategien zurechtgelegt, um Angriffe abzuwehren, von vornherein zu vermeiden und den Erfolg der selbst ernannten ökosozialen Tugendwächter einzudämmen. Fein abgestimmt auf Art des Vorstoßes und Eigenart des Provokateurs, heißen die wichtigsten Waffen: kontern, kuscheln, kaufen.

Ob die Vorwürfe der NGOs zutreffen, übertrieben oder frei erfunden sind, spielt aus Sicht der Unternehmen eine untergeordnete Rolle. Denn bei jeder Attacke bleibt ein Imageschaden in der Öffentlichkeit hängen. Spätere Richtigstellungen finden kaum Aufmerksamkeit.

Die wichtigsten NGOs und wie sie sich mit wem anlegen

  • Greenpeace

    Weltweites hoch professionelles Umweltschützer-Netzwerk, das vor allem mit spektakulären Aktionen vor Konzernzentralen oder an Fabrikationsanlagen Kampagnen startet.

    Vorgehen: Aggressiv.

    Aktuelle Gegner: Shell, Automobilindustrie, Energiewirtschaft, Bundesregierung

  • Foodwatch

    Die "Essens-retter" schießen gegen Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Lebensmitteleinzelhandel.

    Vorgehen: Aggressiv.

    Aktuelle Gegner: Hipp, Teekanne, Radeberger, Netto, Unilever

  • Deutsche Umwelthilfe

    Führt medienwirksame Kampagnen gegen den CO2-Ausstoß.

    Vorgehen: Hartnäckig, aber offen.

    Aktuelle Gegner: Automobilindustrie, ADAC, Energiewirtschaft, Verpackungsbranche

  • NABU

    Die Tier- und Naturschützer (Schwerpunkt Vögel) gelten als friedliche NGO, die nicht auf Krawall setzt.

    Vorgehen: Lösungsorientiert.

    Aktuelle Gegner: Automobilindustrie, Landwirtschaft

  • BUND

    Klima- und Naturschutz sind die Kernthemen des politisch engagierten Lobbyvereins.

    Vorgehen: Gesprächsbereit.

    Aktuelle Gegner: Energiewirtschaft, Chemieindustrie, Landwirtschaft, BASF, KWS

  • WWF

    Tierschutz steht bei der weltweiten Organisation mit dem Panda-Logo im Vordergrund, gilt als NGO mit der größten Nähe zur Wirtschaft.

    Vorgehen: Kompromissbereit.

    Aktuelle Gegner: Energiewirtschaft

Korrekturbedarf gibt es immer wieder. Der Tiefkühlfirma Frosta in Bremerhaven warf Greenpeace Anfang 2012 öffentlich vor, Shrimps aus unökologischer Zucht in Thailand zu beziehen – zu Unrecht. Später bedauerte Greenpeace lapidar, es sei "zu einem Fehler zulasten der Firma Frosta gekommen. Wir bitten Frosta, dies zu entschuldigen." Schadensersatz oder Richtigstellung auf Transparenten? Fehlanzeige.

Ähnlich radikal ging Greenpeace auf deutsche Obsterzeuger und Supermärkte los. "Johannisbeeren mit Pestizid-Cocktails" warnten die Alarmisten im Sommer 2010, zur besten Erntezeit. Dabei, das listeten die Ankläger selbst auf, wurde an den Früchten kein einziger Grenzwert überschritten, die Mengen lagen teilweise bei einem Hundertstel des Zulässigen. Trotzdem: Die Vielzahl der Wirkstoffe mache die Sache gefährlich. Manche stünden sogar auf der "Schwarzen Liste" – kein offizielles Dokument, sondern eine Greenpeace-eigene Zusammenstellung. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und das Bundesinstitut für Risikobewertung stellten fest: keine Gefahr.

Keine Belege für Erkrankungen durch Genfood

Besonders gebeutelt sieht sich die Chemie- und Saatgutbranche. Ihre Forschungen in Deutschland an genveränderten Pflanzen hat die BASF eingestellt; die KWS AG aus Einbeck in Niedersachsen führt keine Freilandversuche mehr durch. NGOs hatten jahrelang die Gefahren der grünen Gentechnik angeprangert und vor möglichen Langzeitschäden für die Gesundheit gewarnt. Dass sich die BASF nun aus dem europäischen Markt für Genkartoffeln zurückgezogen hat, "würde ich total als Sieg verbuchen", sagt Heike Moldenhauer, Gentechnikexpertin des BUND. "Ich denke, dass wir vielleicht den Markt für Genprodukte kaputt gemacht haben."

Für die behaupteten Gefahren "gibt es keinen einzigen Beleg", sagt KWS-Chef Philip von dem Bussche. Vor gut zwei Jahren wertete die EU 500 Studien zur grünen Gentechnik aus und kam zu dem Schluss, dass gentechnisch veränderte Pflanzen nicht risikoreicher sind als konventionell gezüchtete. Theoretische Risiken, so von dem Bussche, lassen sich natürlich nie ganz ausschließen: "Aber Sie wissen ja auch nicht, welche Langzeitfolgen die Nutzung Ihres Handys für Sie hat."

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3 Kommentare zu NGOs: Unternehmen kontern Ökoaktivisten aus

  • Verzerrter Lobby-Dreck

  • diese selbst ernannten Wächter der guten Sache sind Ökoterroristen. Sie handeln im Prinzip wie jeder Terroist auch und verleugnet oder verdreht die Tatsachen und Fakten. Eigentlich sollte dies strafbar sein und verfolgt werden können. Nur so wird man diesen Unsinn und die grüne Diktatur in Deutschland verhindern. Es ist nur gut das in anderen Ländern die Menschen realistischer denken und handeln. Deutschland erweist sich immer wieder als anfällig für extreme Übertreibungen

  • Schutzgelderpresser
    Es scheint meistens so, dass diese "Umweltschützer" Schutzgelderpresser sind: sie drohen nicht damit, die Pizzeria anzuzünden, sondern damit, ein Unternehmen "medial" zu zerstören - egal, ob die Vorwürfe ganz oder teilweise stimmen. Davon können sich die Unternehmen dann freikaufen - eben mit Schutzgeld - oder indem sie jemanden wie Joschka Fischer zum "Öko"-Beauftragten ernennen. Und die Gutmenschen spenden fleißig, weil "jemand etwas tut".

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