Nichts inklusive: Airlines brauchen Extragebühren zum Überleben

ThemaLuftfahrt

Nichts inklusive: Airlines brauchen Extragebühren zum Überleben

von Rüdiger Kiani-Kreß

Eine neue Studie zeigt: Die Fluglinien kassieren von ihren Kunden immer mehr Geld für Extras wie Koffer, Mahlzeiten oder wie neuerdings die Lufthansa für Sitzplatzreservierungen. Das Geld ist bitter nötig, denn ohne diese Nebeneinkünfte würden wohl jede Airline Verluste schreiben.

Das Verhältnis von Ralph Rettig zur Deutschen Lufthansa ist mal wieder auf einem neuen Tiefpunkt. In der vorigen Woche hat die Linie angekündigt, dass Kunden mit günstigen Tickets künftig bis zu 40 Euro zahlen müssen, wenn sie sich mehr als einen Tag vor Abflug ihren Wunschsitzplatz an Bord sichern wollen. Damit hat sie für den Vize-Chef des Geschäftsreiseverbands VDR, der immerhin die Interessen von 530 Unternehmen mit einem Reiseumsatz von mehr als zehn Milliarden Euro pro Jahr vertritt, eine Grenze überschritten. "Es kann nicht sein, dass jetzt auch die Lufthansa anfängt, ihre Leistungen aufzusplitten", schimpft Rettig, im Hauptberuf oberster Reisemanager des Autozulieferers ZF Friedrichshafen.

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So verständlich der Ärger des Lobbyisten auch ist, weil das Extra preisbewussten Passagieren erhebliche Mehrausgaben beschert, wenn sie nicht auf einem ungeliebten Mittelsitz reisen wollen: Die Lufthansa hat am Ende keine Wahl. Zum einen kassiert nun auch British Airways auf immer mehr Flügen für aufgegebenes Gepäck umgerechnet rund zwölf Euro extra pro Strecke. Denn eine eben erschienene Studie der auf die Flugbranche spezialisierten Marketingberatung IdeaWorks zeigt: ohne solche Nebeneinnahmen wie die Reservierungsgebühr kommt heute keine Fluglinie mehr aus. "Die Airlines brauchen das Geld zum Überleben", sagt IdeaWorks-Chef Jay Sorensen.

Die Fluglinien leiden wie kaum eine Branche unter der schwachen Weltkonjunktur und müssen von den Flughafengebühren bis zum Sprit steigende Kosten schultern. Sie fressen im Schnitt bereits bis zu 40 Prozent der Einnahmen auf. Doch angesichts des scharfen Wettbewerbs und der leichten Preisvergleichsmöglichkeiten durch Internetportale, können die Airlines die normalen Ticketeinnahmen kaum noch steigern. Also versuchen sie, über höhere Gebühren an Geld zu kommen.

Gesamte Nebeneinnahmen der Airlines abseits des Ticketverkaufs in 2012

RangAirlineLandEinnahmen gesamt (in Mrd. €)
1United Airlines USA4,1
2DeltaUSA2
3American AirlinesUSA1,5
4SouthwestUSA1,3
5QantasAustralien1,2
6RyanairIrland1,1
7Air France-KLMFrankreich0,9
8EasyjetGroßbritannien0,9
9US AirwaysUSA0,8
10Korean AirKorea0,6

Dabei gelang ihnen auf den ersten Blick ein eindrucksvoller Erfolg. Laut der Studie von IdeaWorks haben die 53 Fluglinien, die derzeit Extra-Einnahmen für aufgegebene Koffer, Mahlzeiten oder Sitzplatzreservierungen verbuchen, im vergangenen Jahr 27,1 Milliarden Dollar eingenommen. Das ist immerhin das Elffache der in 2007 erzielten Einnahmen von 2,5 Milliarden Dollar.

Tatsächlich handelt es sich um eine Art finanzielle Notwehr. "Ohne die vielen Extras würde zumindest in den USA oder Europa wohl jede große Airline Verluste schreiben", sagt Alexander Tamdjidi, Luftfahrtspezialist der internationalen Unternehmensberatung PA Consulting Group. Denn die mehr als 300 Unternehmen der Flugbranche haben im vergangenen Jahr nach Angaben des Weltluftfahrtverbandes Iata lediglich sieben Milliarden Dollar verdient. Nach einer Studie der Beratung A.T. Kearney und der WirtschaftsWoche vom vergangenen Herbst würde sogar Europas profitabelste Airline Ryanair ohne das Zubrot in den roten Zahlen landen.

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