Nobelunternehmen: Wenn das Beste gerade gut genug ist

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Nobelunternehmen: Wenn das Beste gerade gut genug ist

von Lothar Schnitzler, Manfred Engeser und Rüdiger Kiani-Kreß

Längst hat sich der Luxus klassischer Prägung demokratisiert. Louis Vuitton, Rolex und Company verdienen ihr Geld auch im Massengeschäft. Doch es gibt sie noch, die feinen Unternehmen, die nur von den sehr Wohlhabenden leben.

Schwarz glänzende Designmöbel, an der Wand gerahmte Reliefs des Beuys-Schülers Ulli Beyer, der Blick aus dem Fenster fällt auf Düsseldorfs Vorzeigemeile Königsallee: Lage und Interieur signalisieren dem Besucher, dass in diesen Räumen der Unternehmerberatung Beyen Entscheidungen gefällt werden, bei denen es um viel Geld geht. Dirk Schildwächter, Partner bei Beyen: „Familienunternehmer verstehen viel von ihrem Geschäft, aber sie wirken oft hilflos, wenn es um Vermögensfragen, die Trennung von Gesellschaftern oder den Ehevertrag geht.“ Dann kommen sie zunehmend häufiger zu dem grauhaarigen, gertenschlanken Mittvierziger oder den anderen Partnern des Büros, um Hilfe und Vermittlung zu suchen.

Der typische Beyen-Mandant nennt einen Betrieb mit einem Jahresumsatz von 100 bis 150 Millionen Euro sein Eigen. Namen nennt Schildwächter nicht: „Diskretion ist die Basis unserer Tätigkeit.“

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Reichenflüsterer, die ähnlich wie Beyen Unternehmerfamilien beraten, gibt es inzwischen einige in Deutschland. Family Offices nennen sie sich; die meisten fungieren vor allem als Vermögensberater. Rund 50 sogenannte Multi-Family-Offices beraten mehrere Familien gleichzeitig. Hinzu kommen mehr als 400 Büros, die nur einer Familie zur Seite stehen. Der Markt wächst nach Einschätzung der Finanzprofessorin Yvonne Brückner von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg seit der Finanzkrise jährlich um etwa zehn Prozent.

Family Offices gehören zu den wenigen Unternehmen, deren Geschäftsmodell ausschließlich auf Reiche abzielt. Denn die klassischen Luxusfirmen setzen schon länger auf Masse. Der Schweizer Uhrenhersteller Rolex, der in der Öffentlichkeit als Nobelproduzent gilt, produziert Jahr für Jahr geschätzte 750 000 Uhren. Und die Koffer, Gürtel oder Halstücher des französischen Luxuskonzerns Louis Vuitton finden sich bei 85 Prozent aller japanischen Frauen im Alter von 25 bis 50 Jahren. Exklusivität geht anders.

Einzigartig sind dagegen die Objekte, die Christoph Freiherr Schenck zu Schweinsberg betreut. Er ist Herr über die Vermarktung von Schlössern und Herrenhäusern beim Hamburger Edelimmobilienmakler Engel & Völkers. Auch die Luxusschlitten der Volkswagen-Töchter Bugatti und Lamborghini oder des BMW-Ablegers Rolls-Royce sind nur für einen kleinen Kreis erschwinglich, ebenso wie die Kunstwerke, die die Galerie Ropac im Angebot hat.

Die Geschäfte mit den Reichen laufen gut. Die Zahl der Millionäre stieg laut „World Wealth Report 2012“ trotz Schuldenkrise 2012 um 0,8 Prozent auf weltweit elf Millionen Menschen. Und die Angst vor Geldentwertung oder Enteignung treibt die Reichen in die Galerien, zu Immobilienmaklern oder Edel-Ausstattern von Privatflugzeugen.

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