Noch Linde-Chef: Wolfgang Reitzle - der Posten-Sammler

Noch Linde-Chef: Wolfgang Reitzle - der Posten-Sammler

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Wolfgang Reitzle wird in den Aufsichtsrat von Axel Springer berufen. Auch als Siemens-Aufsichtsratschef wird er als heißer Kandidat gehandelt.

von Andreas Wildhagen

Der scheidende Linde-Chef sammelt nach seiner Linde-Ära Aufsichtsratsposten wie andere Leute Briefmarken. Nun soll er bei Axel Springer ins Kontrollgremium einziehen.

Wolfgang Reitzle kommt auf Touren. Der Liebhaber schneller Schlitten und Fast-BMW-Chef hat demnächst mehr Zeit. Die Ära als Linde-Vorstandschef ist im Mai vorbei, vor einer Woche wurde er 65 Jahre alt, und nun verlässt er die Kommandobrücke beim weltgrößten Anbieter von technischen Gasen. Die Zeit bei diesem Traditionsunternehmen mit dem etwas langweiligen, aber lukrativen Basisgeschäft ohne Gloria, Glanz und Nimbus war äußerst erfolgreich, die Aktionäre verdienten kräftig. Er hat den Aktionären eine Verzehnfachung ihrer Anteilswerte beschert. Aber Reitzle spielte keine öffentliche Rolle mehr, Auftritte beim Oktoberfest blieben rar. Der Dr.-Ing in Reitzle bekam in den vergangenen elf Jahren die Oberhand und der Marken- und Luxusexperte blieb im Hintergrund.

Linde-Chef vor dritter Karriere Die deutsche Wirtschaft will Wolfgang Reitzle

Nach erst steilem, dann gebremstem Aufstieg in der Autoindustrie baute der Ingenieur den Traditionskonzern Linde radikal um. Bald wird er die nächste Karrierestufe zünden.

Wolfgang Reitzle Quelle: imago/Stephan Görlich

Den Job bei Linde hat Reitzle exzellent ausgeübt, sein Nachfolger Wolfgang Büchele, 54, ein altgedienter BASF-Topmanager und bis dato noch Chef des finnischen Chemiekonzerns Kemira wird nun ab 20. Mai, dem Datum der Hauptversammlung und seines Amtsbeginns gewahr, ob Reitzles Einkaufstour in der Vergangenheit für Linde zu teuer ausfiel. Zum Beispiel ist der Medizingase-Anbieter Lincare aus USA ein Unternehmen, dessen Integration in die Linde-Welt noch keineswegs als abgeschlossen gilt. Möglicherweise wird der knochentrockene Chemiker Büchele bei Linde noch einige Baustellen antreffen, die bisher nicht sichtbar waren.

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An Reitzles Image als Wunderkünstler im Management wird das nicht kratzen. Seine eigentlichen Meriten für die deutsche Wirtschaft hat er als Continental-Aufsichtsratschef erworben. Dort agierte er geräuschlos und effektiv. Sein Netzwerk kam dort voll zur Wirkung. Reitzle versteht etwas von Automobilen und von ihren Komponenten soviel wie ein Martin Winterkorn von VW, und deshalb war die Conti-Welt Reitzles Heimspiel. Da er auch gute Beziehungen zur Familie Schaeffler (Ina Radlager) pflegte, die sich mit der versuchten Übernahme von Continental verzockte, konnte Reitzle vermitteln und war geschickt in der Anwerbung eines neuen Continental-Vorstandschefs. Er hat damit einen der wichtigsten deutschen Automobilzulieferer quasi gerettet. Das ist Reitzles heimliche Glanzleistung.

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Wird er nun Siemens-Aufsichtsratschef, als Nachfolger von Gerhard Cromme? Niemand weiß, alle vermuten es. Der Chefposten im Siemens-Kontrollgremium wäre der Gipfelpunkt seiner Karriere. Aber zunächst erklimmt er einen anderen Hain, den Cromme gerade verlassen hat. Reitzle wird in den Aufsichtsrat von Axel Springer berufen, die Verlegerwitwe Friede Springer legt Wert auf sein Urteil. Bei Springer könnte Reitzle sogar noch mehr werden. Der jetzige Kontrollchef Giuseppe Vita ist 78 Jahre alt und damit ablösungswürdig. Reitzle könnte ihm nachfolgen.

Muss noch nachgetragen werden, dass Reitzle auch Verwaltungsratspräsident des Schweizer Zementherstellers Holcim ist? Nicht nur Reifen und Radlager gehören zu seinem Metier, auch die Bild-Zeitung und nun auch noch Zement. Wolfgang Reitzle ist multifunktional wertvoll.

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