Nürburgring: Beck wird die Geister nicht mehr los

Nürburgring: Beck wird die Geister nicht mehr los

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Was Klarheit verschaffen sollte, bringt nun großes Chaos: Ministerpräsident Kurt Beck versuchte die Pachtverträge der privaten Ring-Betreiber zu kündigen. Die wollen aber noch weitermachen.

von Harald Schumacher und Franz W. Rother

Erst 2010 präsentierte Rheinland-Pfalz die privaten Ring-Betreiber als Hoffnungsträger. Dann kündigte das Land ihnen den Pachtvertrag für Rennstrecke und Gebäudekomplex. Die Folge ist ein rechtliches Chaos.

Es sollte ein Befreiungsschlag werden.

Nach jahrelangen Skandalen rund um die laut Eigenwerbung „bekannteste Rennstrecke der Welt“ kündigte die rot-grüne Landesregierung in Mainz am vergangenen Dienstag den privaten Ring-Betreibern ihren im Mai 2010 in Kraft getretenen Pachtvertrag. Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) will zwei Düsseldorfer Unternehmer, die er der staunenden Öffentlichkeit vor 20 Monaten als Hoffnungsträger präsentierte, nun wieder loswerden.

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Doch statt Klarheit herrscht nun Chaos. Die Ring-Pächter räumen nicht das Feld, sondern wollen bis 2040 weitermachen. Ob das Land sie wirklich vor die Tür setzen kann, ist offen. Zwischen den Stühlen sitzen nun Mitarbeiter und Nürburgring-Geschäftspartner, die nicht mehr wissen, wer jetzt am Ring das Sagen hat.

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Auslöser des Trennungsversuchs ist ein Disput um die Mindestpacht von 11,5 Millionen Euro für 2012 und 15 Millionen Euro ab 2013. Die sollten die bisherigen Pächter zahlen: der Düsseldorfer Projektentwickler Kai Richter und der Hoteliers-Sohn Jörg Lindner mit ihrer Nürburgring Automotive GmbH (NAG). Sie wollen die Pacht aber mit einer umstrittenen Forderung gegen das Land verrechnen.

Der Riss geht aber viel tiefer. Richter und Lindner wollen Teile der Einrichtungen im Winter dichtmachen, weil sie sich nicht rechnen. Unter anderem dadurch würden rund 100 von 340 Ring-Arbeitsplätzen wegfallen.

Die Ring-Bauten aber sind Becks Baby. Den Gebäudekomplex an der Rennstrecke mit Ladenpassage, Veranstaltungshalle, Indoor-Freizeitpark, Disco, Kino, Kartbahn, Achterbahn, zwei Hotels und sieben Restaurants hatte die Regierung des früheren SPD-Chefs 2007 als Großprojekt Nürburgring 2009 angeschoben, um den Ring aus den roten Zahlen zu führen. Dafür hatte Beck eine Kostenexplosion von 150 auf 330 Millionen Euro hingenommen.

Juristische Hängepartie

Doch die Geister, die er rief, wird Beck so leicht nicht los. Die Düsseldorf wollen sich juristisch gegen die Kündigung wehren, prüfen „Schadensersatzklagen in beträchtlicher Höhe“ und bestehen auf Vertragserfüllung „bis 2040“. Die Landesregierung „muss einen absolut stichhaltigen Grund für eine außerordentliche und sofort wirksame Trennung von den Geschäftspartnern liefern“, warnt CDU-Fraktionsvize Alexander Licht.

Sonst könnten die Pächter um eine Abfindung pokern. Die Frage ist, wie der Nürburgring eine juristische Hängepartie zwischen Politik und Pächtern übersteht. „In der Belegschaft herrscht große Unsicherheit“, sagt NAG-Betriebsratschef Heinz Hoffmann. Auch Geschäftspartner sind verunsichert.

„Jedes Geschäft mit der NAG ist jetzt ein Risiko, wenn der Pachtvertrag wirksam beendet wurde“, sagt der Kölner Anwalt Dieter Frey. Frey vertritt den Verein „Ja zum Nürburgring“, dem unter anderem wichtige ADAC-Regionalclubs angehören. Der ADAC selber ist der einzige Nutzer des Rings, der eine Patronatserklärung des Landes besitzt.

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