Nürburgring-Desaster: Der Charitonin-Deal und seine Risiken

Nürburgring-Desaster: Der Charitonin-Deal und seine Risiken

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Die legendäre Rennstrecke versinkt immer tiefer im Sumpf der Unfähigkeit von Sanierern und Beratern, Managern und Politikern.

von Florian Zerfaß

Nach dem Einstieg des russischen Milliardärs Viktor Charitonin am Nürburgring ist die Region ist in Aufruhr, die Regierung in der Defensive, die Opposition in Rage. Doch die Nürburgring-Insolvenzverwalter spielen mit extrem hohem Risiko – der Deal ist noch nicht durch.

Der Nürburgring hat die rheinland-pfälzische Politik fest im Griff. Oppositionschefin Julia Klöckner (CDU) bläst nach dem Einstieg des russischen Milliardärs Viktor Charitonin an der Rennstrecke zur Attacke, Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verkniff sich zunächst jeden Kommentar und tauschte wenige Tage später ihr halbes Kabinett aus. Die mit Abstand interessantesten Statements zur jüngsten Volte am bislang weitgehend landeseigenen Nürburgring kommen allerdings nicht von den Großkopferten aus der Landespolitik, sondern von zwei einfachen Dorfbürgermeistern.
„Ich bin richtig sauer, wie wir überfahren worden sind. Landesregierung, Insolvenzverwalter und KPMG haben uns belogen und betrogen“, sagt Reinhold Schüssler (CDU), der Ortschef der Gemeinde Nürburg. „Die ganze Zeit haben sie uns gesagt, es wird kein Ölscheich, kein neureicher Chinese, kein Oligarch. Jetzt wussten sie nicht mehr weiter, und jetzt haben wir doch einen Oligarchen. Das ist eine Frechheit sondergleichen. Hinnehmen werden wir das nicht.“ Sein Kollege Udo Mergen aus Müllenbach sagt: „Charitonin ist der nächste, aber ganz sicher nicht der letzte Eigentümer. Wir suchen intensiv nach Möglichkeiten, das noch zu verhindern.“

Daraus spricht weitaus mehr als nur die Stimmung in der Region um den Nürburgring, wo viele kleine und mittelständische Unternehmen davon leben, ihre Dienstleistungen rund um den Ring anzubieten. Die Meinung der beiden Bürgermeister ist aus einem anderen Grund besonders relevant: Sie sitzen im Gläubigerausschuss der insolventen Nürburgring GmbH. Der Ausschuss wurde bisher noch gar nicht gefragt, ob er mit dem Einstieg des russischen Milliardärs überhaupt einverstanden ist. Und er ist nicht das einzige Gremium, das das Geschäft noch zu Fall bringen könnte.

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Der ebenso überraschende wie spektakuläre Deal mit Charitonin schlägt weiter hohe Wellen. Am kommenden Wochenende will die Bürgerinitiative „Wir sind Nürburgring“ beim SPD-Landesparteitag gegen den Verkauf demonstrieren. Neue Dokumente, die der WirtschaftsWoche vorliegen, geben einen detaillierteren Einblick, wie die Transaktion ablief. Sie zeigen, wie Insolvenz-Sachwalter Jens Lieser und Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt der Situation nicht mehr gewachsen waren, wie sie selbst anwaltlichen Beistand suchten und mit Hilfe einer Frankfurter Kanzlei mit einer Reihe streng geheimer Maßnahmen versuchten, einen völlig aus dem Ruder gelaufenen Verkaufsprozess noch irgendwie zu retten.

Die Unterlagen dokumentieren, wie die Insolvenzverwalter und ihre Advokaten Robertino Wild, den Chef des bisherigen Hauptkäufers Capricorn, humorlos bis unerbittlich abservierten. Sie zeigen ein Stehaufmännchen Wild, das offenbar über den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch den Kontakt zu den Investoren einfädelte, die nun den Ring kaufen, die aber Ihre Identität mit Ausnahme von Charitonin geheim halten wollen. Vor allem aber werfen die Dokumente zahlreiche neue Fragen auf – und eine ganze Reihe von Problemen. Neben dem Gläubigerausschuss kommt dabei der EU-Kommission eine Schlüsselrolle zu.

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