Nürburgring-Desaster: Eine Blamage für alle Beteiligten

Nürburgring-Desaster: Eine Blamage für alle Beteiligten

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Die legendäre Rennstrecke versinkt immer tiefer im Sumpf der Unfähigkeit von Sanierern und Beratern, Managern und Politikern.

von Florian Zerfaß

Der legendäre Nürburgring versinkt immer tiefer im Sumpf der Unfähigkeit von Sanierern, Beratern und Politikern. Es hilft nur ein radikaler Schnitt: die komplette Neuausschreibung.

Der Mythos Nürburgring ist weltbekannt, er steht für dramatische Rennen, für grandiose Siege und für bittere Niederlagen. Auf der Piste macht der schmale Grat zwischen Triumph und Tragödie die Spannung aus, abseits des Renngeschehens aber fabriziert die „Grüne Hölle“ seit geraumer Zeit recht einseitige Resultate: massenweise Verlierer. Jetzt steht der Verkauf des insolventen Nürburgrings an den Düsseldorfer Automobilzulieferer Capricorn und dessen Co-Investor Getspeed vor dem Aus – und das schier unendliche Ring-Drama hat ein neues, düsteres Kapitel.

Die jüngste Episode ist eine Blamage für alle Beteiligten, vom Käufergespann über die Insolvenzverwalter und ihre Berater von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, von der rheinland-pfälzischen Landesregierung bis zur EU-Kommission. Keiner von ihnen hat sich mit Ruhm bekleckert, alle haben sie dazu beigetragen, dass sich nun noch viel größere Probleme abzeichnen.

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Zwischen Rücktrittsforderungen und Bonitätszweifeln, zwischen Klageandrohungen und der verzweifelten Suche nach neuen Geldgebern bleibt inzwischen nur noch eine sinnvolle Lösung: Ein radikaler Schnitt und eine komplette Neuausschreibung.

Groß angelegte Geldsuche

Noch versuchen Käufer und Verkäufer, genau das zu verhindern, noch läuft die groß angelegte Geldsuche. Doch sie erscheint zunehmend als der hilflose Versuch, ein heillos wackliges und schiefes Konstrukt noch irgendwie durchzubringen. Die Lage am Ring ist verfahren bis zum Anschlag.

Die zweite Kaufpreisrate ist offen, die vom Käufer gegebenen Sicherheiten stehen in Frage. Capricorn um seinen Chef Robertino Wild, bisher Seniorpartner im Bietergespann, hat keine Kontrolle mehr über seine Anteile an der Käufergesellschaft, musste sie an einen Treuhänder übertragen. Capricorn und Getspeed sind mittlerweile zerstritten, das Geld für den Kaufpreis aber hat derzeit offensichtlich keiner. 

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die den Käufern nach dem Zuschlag groß die Aufwartung gemacht hatte, gerät damit zunehmend in die Bredouille. Ende April noch hatte sie eine groß angelegte PR-Offensive für Capricorn und Getspeed gestartet, beide Firmen besucht, den Nürburgring besucht, mehrere Pressetermine absolviert.

„Der Nürburgring blickt nun mit dem neuen Investor in eine neue Zukunft“, sagte Dreyer damals. Am Dienstag nun musste sie in einer Regierungserklärung auch auf die aktuellen Entwicklungen eingehen.  „Erfüllen Sie die Verträge“, sagte Dreyer an die Adresse der Käufer gerichtet – doch die stecken in weit größeren Schwierigkeiten, als bisher bekannt ist.

Nürburgring-Verkauf „Ring“ wird zur Schicksalsfrage für Malu Dreyer

Der Nürburgring soll künftig dem Mittelständler Capricorn gehören. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) rührt kräftig die Werbetrommel für den Käufer.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Capricorn Geschäftsführer und Nürburgring-Investor Robertino Wild beim Besuch des Automobil-Zulieferers Capricorn im Gewerbepark am Nürburgring. Quelle: dpa

Kontopfändung bei Capricorn

Das Amtsgericht Düsseldorf bestätigte der WirtschaftsWoche auf Anfrage, dass es vor einem Monat, im September dieses Jahres, einen Kontopfändungsbeschluss gegen die Capricorn Holding GmbH erlassen hat. Mit dieser Maßnahme setzte ein Düsseldorfer Notar seine Forderung in einer Größenordnung von etwa 50.000 Euro gegen Capricorn durch, das Amtsgericht erließ einen so genannten „Pfändungs- und Überweisungsbeschluss“ für ein Firmenkonto bei der Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Forderung sei mittlerweile beglichen.

Das Amtsgericht Düseldorf bestätigte zudem, dass gegen die Capricorn Composite GmbH bereits im vergangenen Jahr ein Zwangsvollstreckungsverfahren lief. Capricorn Composite betreibt im Gewerbegebiet des kleinen Örtchens Meuspath unweit des Nürburgrings ein Werk, in dem Bauteile für Rennwagen aus Verbundwerkstoffen hergestellt wurden.

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