Nürburgring: Verkauf liegt beim Europäischen Gericht

Nürburgring: Verkauf liegt beim Europäischen Gericht

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Die US-Firma Nexovation hat Klage beim Europäischen Gericht in Luxemburg eingereicht.

von Florian Zerfaß

Angekündigt waren Klagen unterlegener Bieter im Nürburgring-Verkauf bereits, nun hat Nexovation Nägel mit Köpfen gemacht: Die US-Firma hat Klage beim Europäischen Gericht in Luxemburg eingereicht. Nicht nur die Amerikaner wollen den Verkauf kippen.

Robert Sexton ist in etwa so, wie man sich gemeinhin einen typischen Texaner vorstellt. Der bullige Inhaber und Chef des US-Technologieunternehmens Nexovation redet mit breitem Südstaatenakzent – und zückt verbal gerne den Colt. „Wie dieser Verkaufsprozess abgelaufen ist, macht mich fassungslos“, sagt der Amerikaner, der im vergangenen Jahr den insolventen Nürburgring kaufen wollte, aber nicht zum Zuge kam. „Das war eine einzige Mauschelei. In einem Rechtsstaat wie Deutschland hätte ich so etwas nicht für möglich gehalten.“

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Den Zuschlag erhielt statt Sexton für 77 Millionen Euro ein Bietergespann aus dem Düsseldorfer Automobilzulieferer Capricorn und der Motorsportfirma Getspeed aus Meuspath am Nürburgring. Doch schon bei der zweiten Kaufpreisrate ging Capricorn das Geld aus, obwohl ein gesicherter Finanzierungsnachweis Auswahlkriterium im Verkaufsprozess war. Die Mehrheitsanteile von Capricorn an der Nürburgring-Käufergesellschaft übernahm später ein Konsortium um den russischen Pharmamagnaten Viktor Charitonin. Sexton sieht sich mit seinem Angebot unzulässig benachteiligt und will sich das nicht bieten lassen.

Seine Anwälte von der Großkanzlei Norton Rose Fulbright hat er deshalb beauftragt, den Verkauf juristisch anzugreifen. Weil das Land Rheinland-Pfalz als früherer Haupteigentümer der Rennstrecke rund eine halbe Milliarde Euro am Nürburgring versenkt hatte und die EU-Kommission deswegen ein Beihilfeverfahren einleitete, musste der Verkauf europarechtskonform erfolgen. Das bedeutet unter anderem, dass der Verkauf transparent und diskriminierungsfrei ablaufen muss. Sextons Anwälte haben nun Klage beim Europäischen Gericht in Luxemburg eingereicht, der Vorinstanz des Europäischen Gerichtshofs.

Weitere Klage soll bis kommende Woche folgen

„Wir haben die Klage in der vergangenen Woche auf den Weg nach Luxemburg gebracht“, bestätigt Rechtsanwalt Matthias Nordmann von Norton Rose Fulbright der WirtschaftsWoche. Eine weitere Klage dürfte noch folgen: Der Vorstand des gemeinnützigen Vereins Ja zum Nürburgring e.V. hat beschlossen, ebenfalls zu klagen. „Wir sind in der Abstimmung und werden die Klage fristgerecht einreichen“, sagt Dieter Frey, der Anwalt des Vereins, auf Nachfrage zum aktuellen Stand. Bis Ende der kommenden Woche soll die Klage des Vereins in Luxemburg sein.

Sowohl der Verein wie auch Nexovation hatten sich bereits mit einer Reihe von Beschwerden an die EU-Kommission gewandt. Diese fällte am 1. Oktober vergangenen Jahres ihren Beihilfenbeschluss und stufte zwar die Landes-Investitionen von rund 500 Millionen Euro als unzulässige Beihilfen ein, gab zum Ablauf des Verkaufsprozesses aber ihr Okay. Die Beihilfen gehen somit nicht auf den Käufer über, er muss nicht für die Rückzahlung haften.

Nürburgring Verkauf landet vor Europäischem Gericht

Der Verein „Ja zum Nürburgring“ zieht gegen den Verkauf des Nürburgrings an ein russisches Konsortium vor das Europäische Gericht in Luxemburg.

Rennen auf dem Nürburgring Quelle: dpa

Gegen diesen Beschluss der Kommission richtet sich nun die Klage von Nexovation. Denn im Verkaufsprozess, den Nürburgring-Insolvenzsachwalter Jens Lieser und Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt mit Unterstützung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG organisiert hatten, gab es eine ganze Reihe von Ungereimtheiten.

Finanzierung war völlig unzureichend

Das Transparenzkriterium erfordert, dass den Bietern die Auswahlkriterien vorab bekannt gegeben werden müssen. Beim Nürburgring-Verkauf war ein zentrales Kriterium die sogenannte Transaktionssicherheit: Bieter mussten für den Zuschlag einen gesicherten Finanzierungsnachweis erbringen. Für den größten Anteil am Kaufpreis von insgesamt 77 Millionen Euro – den Fremdkapitalanteil von 45 Millionen Euro – hatte das Gespann Capricorn-Getspeed jedoch nur eine unverbindliche Konditionenübersicht („Term Sheet“) der Deutschen Bank vorzuweisen.

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