O2 übernimmt E-Plus: Die wichtigsten Fakten zur Mobilfunk-Fusion

O2 übernimmt E-Plus: Die wichtigsten Fakten zur Mobilfunk-Fusion

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Telefonica Deutschland kauft E-Plus - was ändert sich für Kunden und Konkurrenz?

E-Plus und O2 sind bisher der dritt- und viertgrößte Mobilfunkanbieter in Deutschland. Mit ihrem Zusammenschluss entsteht ein neuer Marktführer. Was das für Anleger, Kunden und Konkurrenten bedeutet.

O2 übernimmt E-Plus: Mit der Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland schließen sich die Nummer drei und vier am Markt zusammen und schaffen den kundenstärksten Mobilfunker Deutschlands. Mit insgesamt 43 Millionen Kunden soll ein Marktführer entstehen, der an den bisherigen Platzhirschen T-Mobile und Vodafone vorbeizieht. Wie KPN mitteilte, zahlt Telefónica dafür fünf Milliarden Euro sowie 17,6 Prozent an eigenen Aktien.

Was verspricht sich Telefonica von der Fusion?

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Mit dem Schulterschluss will Telefónica endlich Größenvorteile heben, die bisher T-Mobile und Vodafone vorbehalten waren. Die Münchner versprechen sich Kostenersparnisse in Vertrieb, Kundenservice und den Netzen in Höhe von fünf Milliarden bis 5,5 Milliarden Euro. Telefonica Deutschland ist hierzulande vor allem durch seine Kernmarke O2 bekannt. Eine Ehe der beiden kleinen deutschen Mobilfunker war bereits vor einem Jahr im Gespräch. KPN und Telefonica konnten sich dem Vernehmen nach aber nicht einigen. Damals ächzte die spanische Konzernmutter Telefónica unter ihrem Schuldenberg. Seitdem hat sich die Lage entspannt und Telefónica bekommt wieder neue Kredite.

Wie soll die Übernahme ablaufen?

Die Übernahme soll in zwei Schritten erfolgen. Zunächst soll E-Plus eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Telefónica Deutschland werden. KPN erhält dafür 3,7 Milliarden Euro sowie einen anfänglichen Anteil an Telefónica in Höhe von 24,9 Prozent. Mit einer Kapitalerhöhung will Telefónica die Übernahme stemmen. Die spanische Mutter werde die ausgegebenen Aktien entsprechend ihrer derzeitigen Beteiligung an Telefónica zeichnen. Neue Verbindlichkeiten werde die deutsche Gesellschaft nicht aufnehmen. Nach Abschluss dieser Transaktion werde der spanische Mutterkonzern Telefónica Anteile in Höhe von 7,3 Prozent von KPN erwerben. Telefónica werde damit zukünftig 65 Prozent und KPN 17,6 Prozent halten. Der Streubesitz wird bei 17,4 Prozent liegen.

Wie reagiert die Börse auf die Ankündigung?

Die geplante Fusion hat an den Börsen für Furore gesorgt. Neue Übernahmephantasie für den europäischen Sektor kochte hoch und trieb den Branchenindex am Dienstag um 1,5 Prozent nach oben - deutlich stärker als den Gesamtmarkt. Größter Profiteur des sich abzeichnenden Deals waren die Aktien der niederländischen E-Plus-Mutter KPN, die im frühen Geschäft um mehr als 13 Prozent nach oben schnellten. Die Anteilsscheine von Telefónica Deutschland sprangen kurzzeitig um 5,2 Prozent, drehten im Verlauf aber ins Minus und notierten etwa eine Stunde nach Handelsstart 0,2 Prozent niedriger. Händler sagten, obwohl ein enormes Einsparpotenzial für Telefónica zu erwarten sei, seien die regulatorischen Herausforderungen einer solchen Transaktion nicht zu unterschätzen. Investoren stellten sich zudem auf eine absehbare Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Deals ein, hieß es. Die Titel der spanischen Konzernmutter zogen um 2,2 Prozent an.

Auch die Aktien der Deutschen Telekom erhielten neuen Schwung. Für den bisherigen deutschen Platzhirsch gebe es bei dem Geschäft Pros und Kontras, sagte Equinet-Analyst Adrian Pehl. Zwar entstehe ein größerer Konkurrent mit mehr Schlagkraft. Auf der anderen Seite verringere sich der Wettbewerbsdruck, wenn es einen Anbieter weniger auf dem Markt gibt. Erfahrungsgemäß helfe das den Renditen aller. Die Titel des Bonner Konzerns führten mit einem Plus von 2,3 Prozent die Liste der Dax -Gewinner an. Die Aktien der britischen Vodafone, ebenfalls ein wichtiger Akteur auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, notierten in London kaum verändert.

Lohnt sich der Zusammenschluss für die Kunden?

Laut einer Einschätzung von Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, ist es nicht sicher, dass die Kunden von der Fusion von O2 und E-Plus profitieren werden. Er geht davon aus, dass es für die Kunden nicht mehr so schnell billiger werden könnte, wie in den vergangenen Jahren. Bei drei etwa gleich starken Anbietern könne es zu einem harten Wettbewerb kommen.

Wie sieht der Mobilfunkmarkt die Fusion?

Der nun eingeläutete Preiskrieg kommt für die gesamte Branche zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da die Unternehmen wegen der rasenden Verbreitung von Internet-fähigen Telefonen gleichzeitig viel Geld in den Ausbau ihrer Mobilfunknetze stecken. Dank des Smartphone-Booms lockte O2 zuletzt aber reichlich neue Kunden: Ihre Zahl stieg im ersten Quartal um vier Prozent auf 19,3 Millionen.

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Was ändert sich für die Vertriebsfirmen von O2 und E-Plus?

Unternehmen, die die Tarife von mehreren Mobilfunkanbietern vertreiben, haben schon länger an der Stagnation auf dem Mobilfunkmarkt zu knabbern. Daran wird nach Ansicht von Professor Gerpott auch der neue Mobilfunkriese nichts ändern.

Steht der Fusion noch etwas im Wege?

Noch stehen die Zustimmung der Hauptversammlungen von KPN und Telefónica Deutschland sowie die Genehmigung der Wettbewerbshüter aus. Grünes Licht durch die Behörden ist keine ausgemachte Sache, da Kartellwächter in mehreren Ländern in der Verringerung von vier auf drei Konkurrenten einen Schaden für den Wettbewerb sehen.

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