Olympia: Bahncardaktion: Die teure Sympathiekampagne

Olympia: Bahncardaktion: Die teure Sympathiekampagne

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Goldmedaillengewinnerin Natalie Geisenberger. Inhaber der Bahncard Gold fahren immer umsonst, wenn deutsche Sportler am Tag zuvor eine Goldmedaille geholt haben

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn fährt heute wieder zig Tausende Reisende kostenlos durch die Republik, weil deutsche Rodler gestern eine Goldmedaille gewannen. Rechnet sich die Aktion für den Konzern?

Die Aktion ist ein Erfolg. 105.000 Fahrgäste haben sich bis kurz vor Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi die Bahncard25 Gold gesichert. Gelockt hat sie das Versprechen der Deutschen Bahn: Gewinnt ein Sportler der deutschen Olympia-Mannschaft eine Goldmedaille, dürfen die Inhaber der Gold-Bahncard am Folgetag im ICE oder Intercity kostenlos fahren. Die Bahn selbst spricht von einem „echten Verkaufsknüller“.

Aber rechnet sich die Aktion wirklich für den Konzern? Die Zahlen sprechen zunächst eine nüchterne Sprache. Die Bahncard25 Gold kostete für Fahrten in der zweiten Klasse 25 Euro und das Doppelte für die erste Klasse. Acht Prozent, also 8400 Nutzer haben sich für die Premium-Klasse entschieden und dem Konzern damit 420.000 Euro überwiesen. Hinzu kommen die 92 Prozent Zweite-Klasse-Fahrer. Alles in allem kamen durch die Aktion 2,84 Millionen Euro in die Konzernkasse.

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Bislang hatten die Reisenden Glück. Nach Anlaufproblemen gewann Deutschland an jedem Tag eine Goldmedaille. Mit sieben Mal Gold liegt die deutsche Mannschaft sogar auf Platz eins des Medaillenspiegels. Die Bahncard-Gold-Inhaber konnten also so gut wie jeden Tag kostenlos in einen ICE oder Intercity steigen. An den Betriebskosten ändert sich für die Deutsche Bahn natürlich nichts: Sie setzt ja keine zusätzlichen Züge ein. Ob nun ein paar Leute mehr oder weniger mitfahren, spürt die Bahn nicht im Geringsten.

Mögliche Verluste für die Bahn

Dennoch wird die Aktion am Umsatz knabbern. Denn die entscheidende Frage lautet: Wie viele Bahncard25-Inhaber wären in der Zeit vom 8. bis 24. Februar ohnehin in den Zug gestiegen und hätten sich dafür ein normales Ticket gekauft? Ein Beispiel: Ein Fahrgast möchte irgendwann in den zwei Wochen von Berlin nach Köln fahren. Er ist flexibel. Das Normalticket ohne Bahncard-Rabatt würde ihn 117 Euro pro Fahrt kosten. Mit der Bahncard25 Gold zahlt er nur 25 Euro, die Bahn würde also 92 Euro weniger Umsatz machen.

Die Beantwortung der Frage ist natürlich Spekulation. Die Deutsche Bahn nennt aber eine Zahl, die interessant ist. 30.000 Nutzer haben sich die Bahncard25 Gold nämlich erst in der letzten Woche vor Eröffnung der Spiele gekauft. Es liegt nahe, dass sie ihren Kalender für die Zeit vom 8. bis 24. Februar gescannt und gemerkt haben, dass ein oder mehrere Fahrten anstehen. Bei ihnen ist davon auszugehen, dass die Deutsche Bahn Umsatz verlieren wird. Angenommen, jeder der 30.000 Nutzer würde die Aktion für mindestens eine längere Freifahrt wie von Berlin nach Köln nutzen, dann entgingen der Bahn allein 2,76 Millionen Euro – die Einnahmen aus dem Verkauf der Bahncard wären also schon weg.

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