Online-Video: Wie YouTube-Netzwerke funktionieren

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Online-Video: Wie YouTube-Netzwerke funktionieren

von Oliver Voß

Der Streit von YouTube-Stars wie Simon Unge und ApeCrime mit Mediakraft wirft die Frage auf, wie YouTube-Netzwerke arbeiten und was sie leisten.

Der Streit von Simon Unge mit der Firma Mediakraft sorgte kurz vor Weihnachten für große Aufregung in der YouTube-Welt. Mediakraft ist in Deutschland der Vorreiter bei den so genannten YouTube-Netzwerken, das Unternehmen bündelt Videokanäle um die Reichweite für Werbekunden zu erhöhen und baut Stars auf der Videoplattform auf.

Da Unge seinen Vertrag mit dem Vermarkter vorzeitig beenden wollte, gab der Videomacher seine Kanäle „Ungespielt“ und „Ungefilmt“ auf - und damit mehr als 30 Millionen Aufrufe pro Monat und zwei Millionen Abonnenten. Sein neuer Kanal verzeichnete in kürzester Zeit eine halbe Million Abonnenten. Ein Beweis dafür, dass die Netzwerke überflüssig sind? „Die Kanäle von allen Künstlern, die zu uns gekommen sind, sind erst bei uns deutlich gewachsen“, entgegnet Mediakraft-Präsident Christoph Krachten.

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Die teuersten Übernahmen von YouTube-Netzwerken

  • Maker Studios

    Käufer: Disney

    Preis: 950 Millionen US-Dollar

    Quelle: eigene Recherchen

  • Fullscreen

    Käufer: AT&T/Chernin Group

    Preis: 200-300 Millionen US-Dollar

    Quelle: eigene Recherchen

  • Awesomeness TV

    Käufer: Dreamworks

    Preis: 117 Millionen US-Dollar

    Quelle: eigene Recherche

  • Stylehaul

    Käufer: RTL

    Preis: 107 Millionen US-Dollar

    Quelle: eigene Recherche

  • Machinima

    Käufer: Warner

    Preis: 18 Millionen US-Dollar

    Quelle: eigene Recherchen

Durch den Fall Unge ist jedenfalls eine Debatte entbrannt, was die so genannten Multi-Channel-Networks wirklich leisten. Sie sind vergleichbar mit Plattenfirmen, die sich um Vermarktung und Betreuung von Künstlern kümmern. Die wohl wichtigste Aufgabe der Netzwerke ist es, die Reichweite zu vermarkten. Sie bündeln verschiedene Kanäle thematisch und können so zu Themen wie Kosmetik, Mode oder Videospielen interessierten Werbekunden Millionenfache Abrufe garantieren.

Feste Sendezeiten

Die Kölner Mediakraftzentrale zeigt auf fünf Etagen das Potenzial: Im Büro von Christoph Krachten hängen goldene Schallplatten und YouTube-Preise. Viele andere Räume sind mit der Skyline New Yorks oder einer Birkenwaldidylle tapeziert, dazu liegen Berge von Kissen herum, die aus alten Jeans hergestellt sind. So kann jedes Büro gleichzeitig als Kulisse herhalten, die ein cooles Zimmer simuliert.

Die etwa 80 Mitarbeiter sind Anfang, Mitte Zwanzig. Wer hier Praktikant und wer YouTube-Star ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht unterscheiden. Und in der Tat sind die Grenzen fließend, wie Jonas Ressel zeigt. Er sitzt mit vier anderen Cuttern in einem Raum. Sie nehmen den Videomachern die manchmal lästige Arbeit ab, die Videos zu schneiden. Dieser Service wird allerdings nur den zehn, zwanzig Topstars zuteil, beispielsweise den „Lochis“, zwei 15-jährigen Zwillingen deren neues Lied Jonas Ressel gerade schneidet.

Weil er das auch lange für Y-Titty gemacht hat, die wohl größten Stars von Mediakraft, deren Mitglied Philipp Laude das Unternehmen sogar mit gegründet hat, ist Ressel inzwischen selbst eine kleine Berühmtheit, der auf Veranstaltungen wie den Videodays Autogramme schreiben muss.

Videoportal Youtube-Stars ApeCrime verlassen Mediakraft

Deutschlands größter Online-TV-Sender muss einen schweren Verlust verkraften. Nach dem Abgang mehrerer Stars haben nun auch die Youtuber ApeCrime das Netzwerk Mediakraft verlassen.

ApeCrime Quelle: dpa Picture-Alliance

Neben solchen Hilfen beim Drehen und Schneiden gibt das Netzwerk vor allem Tipps zur Optimierung der Videos und ihrer Reichweite. Dabei ist eines der ersten Erfolgsrezepte, dass Mediakraft den Videomachern einbläut, feste Sendezeiten. Es ist paradox, doch ausgerechnet den Machern des TV 2.0, die das lineare Fernsehen mit seinen fixen Programmschienen ablösen, ist kaum etwas so wichtig wie die Einhaltung der Sendetermine, an denen die Fans auf neuen Stoff warten.

Mehrere Spezialisten analysieren zudem, welche Videos funktionieren und an welchen Stellen die Zuschauer wegschalten. Denn wie lange ein Video geschaut wird, ist für die Platzierung und die Werbezahlungen bei YouTube inzwischen fast noch wichtiger als die reinen Klickzahlen.

Weitere gängige Methoden, um die Reichweite der YouTuber zu steigern heißen Crosspromotion und Collaboration. YouTuber eines Netzwerks machen dabei beispielsweise gemeinsame Videos. Die Stars können so Neulingen schnell zu größerer Bekanntheit verhelfen. „Netzwerkschub“, nennt der Chef der TubeOne Networks, Jan Oliver Rode das, wenn „neue Leute einmal durch die Künstlerclique laufen“.

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