Paketdienste: Wie Zusteller gegen die Paket-Flut kämpfen

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Paketdienste: Wie Zusteller gegen die Paket-Flut kämpfen

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2,7 Milliarden Pakete sollen nach Schätzungen allein 2014 verschickt werden.

von Stephan Happel

Lieferung an Packstation, Paketshop oder Kofferraum: Um der Flut an Paketen Herr zu werden, lassen sich Paketdienste wie DHL, Hermes und DPD einiges einfallen, wie etwa XXL-Briefkästen. Doch das Chaos nimmt zu.

Voll. Wieder mal. Die Packstation an der Straßenecke, in der eigentlich das Päckchen mit den neuen Kopfhörer liegen sollte, ist überfüllt. Jetzt liegt es in der Filiale im Stadtzentrum. Der Kunde muss hinlaufen und hoffen, es noch rechtzeitig in den Öffnungszeiten zu schaffen. Dabei ist der Vorteil der Automaten doch gerade, seine Lieferungen zu jeder Tages- und Nachtzeit abholen zu können. Ein Ärgernis, über das Empfänger immer wieder klagen. Beim Packstationbetreiber DHL kennt man das Problem, schweigt zu dessen Ausmaßen und arbeitet an Lösungen, heißt es.

2650 Packstationen hat die Post-Tochter mittlerweile in ganz Deutschland aufgestellt. DHL will das System weiter ausbauen, um die steigende Nachfrage zu befriedigen, stößt aber an Grenzen. An zentralen Punkten in den Innenstädten steht längst ein Kasten oder es ist kein Platz dafür. “Der Aufbau weiterer Standorte kann nicht mehr so schnell erfolgen, wie zu Beginn der Netzwerkerweiterung”, erklärt eine DHL-Sprecherin. Durch Erweiterungen an alten Stationen stünden im Moment aber bundesweit bereits mehr als 250.000 Fächer zur Verfügung.

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Fulfillment Wie kommt die Ware zum Kunden?

Logistik ist im Onlinehandel der entscheidende Faktor – und wird doch oft vernachlässigt. Dabei lohnt sich das Investment in reibungslose Prozesse – wie das Beispiel Amazon zeigt.

huGO-BildID: 17709999 ARCHIV - Fertig verpackte und adressierte Buchpakete gehen im Amazon Logistik Center in Bad Hersfeld in den Postversand (Archivbild vom 18.6.2003) Das Internet-Buchhandelsunternehmen Amazon.com ist der weltweit größte Internet-Händler und gibt am Donnerstag (22.04.2010) in Seattle die Zahlen zum erste Quartal 2010 bekannt. Foto: Zucchi Uwe +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Online-Handel sorgt für Paket-Boom

Eine viertel Million Fächer - und immer noch nicht genug. Die Episoden an den Packstationen sind nur ein Anzeichen dafür, dass Deutschland von einer Welle aus braunem Karton überschwemmt wird. Mehr als eine Milliarde Pakete hat allein die Post nach eigenen Angaben 2013 ausgeliefert. Für 2014 rechnet der Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste (Biek) insgesamt mit einem Sendungsvolumen von rund 2,7 Milliarden Paketen und Päckchen. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag die Zahl bei 1,85 Milliarden. In der Branche wird dank boomendem Online-Handel mit einem weiteren Wachstum von jährlich zwischen vier bis sieben Prozent gerechnet.

Der Paketboom bringt aber auch Probleme mit sich. Um den Massen überhaupt Herr zu werden, haben alle Paketdienste in den vergangenen Jahren massiv aufgerüstet, technisch wie personell. Zwischen 2002 und 2012 wurden in der Kurier-, Express- und Paketbranche knapp 31.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Darüber hinaus haben die Paketdienste in neue Sortier- und Verteilzentren investiert, um die Arbeitszeit je Paket zu senken. Für 200 Millionen Euro hat etwa der internationale Dienst UPS kürzlich sein Drehkreuz am Flughafen Köln/Bonn ausgebaut. “Unsere Unternehmen investieren zudem in ein effektives Tourenmanagment”, sagt Marten Bosselmann. Er ist Geschäftsführer des Bundesverbands Internationaler Express- und Kurierdienste, dem unter anderem führende Dienste wie Hermes, DPD und UPS angehören.

Service-Tester sehen Probleme

“Ich bin überrascht, wie gut die Zulieferer noch mit der Masse an Paketen fertig werden”, sagt Markus Hamer vom Deutschen Institut für Service-Qualität (Disq). “Allerdings zeigen sich auch einige Probleme.” Vor dem Weihnachtsgeschäft hat Hamer mit seinem Team acht Paket-Dienstleister unter die Lupe genommen. Insgesamt verschickte das Disq 80 als zerbrechlich gekennzeichnet Pakete. Die waren so verpackt, dass sie einen Sturz aus bis zu einem Meter hätten aushalten können.

An der grundsätzlichen Servicequalität und Lieferzeit hatten die Tester meist nur wenig auszusetzen. Zwar lag sie mit im Schnitt 1,5 Tagen etwas höher als beim Vergleichstest 2011, aber im grünen Bereich. Beim Transport der Pakete stellte das Disq aber deutlich Defizite fest. “In immerhin 24 Prozent der Fälle war die versendete Ware so großen Stößen ausgesetzt, dass der eingesetzte Stoßindikator auslöste”, heißt es in der Studie. Das Institut wertete diese Pakete als beschädigt.
Von den Sortiermaschinen der Zulieferer könne die Beschädigungen nicht kommen, glaubt Markus Hamer. “Der maschinelle Prozess bei der Zustellung ist gut. Die Probleme hängen am Faktor Mensch.” Der Service-Experte führt das auch auf die gestiegene Belastung zurück. Der Zeitplan der Lieferanten ist eng getaktet, ihre Fahrtrouten sind lang. Weil sie viele Pakete in kurzer Zeit liefern müssen, leidet - so der Schluss - die Sorgfalt.

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