Paketstau zu Nikolaus: Bei der Post beginnt der Arbeitskampf

Paketstau zu Nikolaus: Bei der Post beginnt der Arbeitskampf

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Nächstes Jahr sollen die Verhandlungen um die Löhne der Angestellten bei der Deutschen Post beginnen.

von Jacqueline Goebel

Die Löhne bei der Deutschen Post sind höher als bei der Konkurrenz, im nächsten Jahr wird deshalb hart verhandelt. Die Gewerkschaft Verdi bringt sich in Stellung - und legt die Paketzentren lahm.

Normalerweise rattern um 18 Uhr die Bänder. Ein Paket nach dem anderen rauscht über die Transportbänder Richtung Lkws, bis zu acht Millionen Pakete am Tag muss die Deutsche Post DHL in der Vorweihnachtszeit ausliefern. Nur einen Tag vor Nikolaus nicht. Denn es ist niemand da, der sie ausladen oder wegsortieren könnte.

Um 18 Uhr, genau zur Hochzeit, lassen die Beschäftigten die Pakete stehen und treffen sich zur Betriebsversammlung. Drei Stunden hat die Gewerkschaft Verdi angesetzt, um in 31 der 33 Paketzentren der Deutschen Post über die Arbeitsbedingungen der Paketboten zu diskutieren. In der Folge ist ab dem Nikolaustag mit erheblichen Beeinträchtigungen bei der Paketzustellung zu rechnen.

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Auftakt zum Arbeitskampf

Bei der Post beginnt damit ein Arbeitskampf. Das kämpferische Auftreten von Verdi ist nur ein Vorgeschmack für das kommende Jahr, wenn die nächsten Tarifverhandlungen bei der Post anstehen. Es geht um die Verträge von 177.000 Beschäftigten im Brief- und Paketbereich und auch um die Frage, ob die Post wieder betriebsbedingte Kündigungen aussprechen darf. Ein Beschäftigungspakt verhindert das bisher noch - doch der läuft 2015 aus.

Die Post-Beschäftigten fürchten um ihre Arbeitsplätze. Denn Post-Chef Frank Appel hat eine klare Vorgabe gegeben: „Unsere Löhne sind etwa zwei bis zweieinhalb mal so hoch wie die der Wettbewerber“, sagte er bei der Vorstellung der letzten Quartalszahlen. Und diese Lücke will Appel auf jeden Fall schließen.

Das sind Post-Gebühren für Privatkunden ab 2015

  • Brief

    Der Brief wird ab 2015 teurer. Die Post hebt die Portogebühren für den Standardbrief zum Jahreswechsel – und das nicht zum ersten Mal. In den vergangenen drei Jahren hat die Deutsche Post die Preise erst von 55 auf 58 Cent, dann auf 60 Cent, und nun sogar auf 62 Cent erhöht.

  • Päckchen XS

    Schon in der Vorweihnachtszeit bieten Post und DHL Privatkunden ein neues Angebot für kleinere Sendungen: Päckchen bis 1 Kilogramm (max Größe 30 x 30 x 15 cm) können ab dem 15. November für 3,79 Euro verschickt werden. Der Haken an der Sache: Das Angebot gilt erstmal nur für Kunden, die die DHL Online Frankierung auf der Unternehmenswebsite nutzen. Ab dem 1. Januar 2015 ist das Angebot auch in den Postfilialen und DHL Paketshops verfügbar – kostet dann aber 3,95 Euro.

  • Päckchen und Paket S

    Ab Januar 2015 kostet das DHL Päckchen bis 2 Kilogramm (max Größe 60 x 30 x 15 cm) online 4,29 Euro, statt bisher 3,99 Euro. Beim Kauf in der Filiale werden künftig 4,40 Euro fällig, statt bisher 4,10 Euro. Wer ein Paket gleicher Größe verschicken will, zahlt 4,99 Euro.

  • Paket M

    DHL führt neben dem neuen Päckchen zum 1. Januar auch eine neue Gewichtsstufe für Pakete bis 5 Kilogramm (max Größe 120 x 60 x 60 cm) ein. Der Preis liegt bei 5,99 Euro in der Online Frankierung und 6,99 Euro in der Filiale.

  • Paket L

    Pakete bis 10 Kilogramm (max Größe 120 x 60 x 60 cm) können ab einem Preis von 7,49 Euro versendet werden (Online-Frankierung). In der Filiale kostet der Versand 8,49 Euro.

  • Paket XL

    Das Schwergewicht: Pakete bis 31,5 Kilogramm (max Größe 120 x 60 x 60 cm) kosten künftig ab 13,99 Euro. Wer auf die Online-Frankierung verzichtet und in die Filiale geht, zahlt einen Euro mehr. Die Gewichtsstufe bis 20 Kilogramm entfällt für den privaten Paketversand übrigens völlig.

Bei der Tarifrunde 2012 hatte die damalige Personalchefin der Post, Angela Titzrath, den Beschäftigten 5,7 Prozent mehr Gehalt zugestanden - und musste deshalb gehen. Die nächste Tarifrunde wird deshalb auch eine Bewährungsprobe für die neue Personalchefin Melanie Kreis.

Im Gegensatz zu Titzrath, die vorher bei Daimler tätig war und als arbeitnehmerfreundlich gilt, ist Kreis ein Hausgewächs und gilt als Schützling von Post-Chef Frank Appel. Die Beschäftigten werden mit ihr kein leichtes Spiel haben.

Kritik an befristeten Verträgen

Doch die Gewerkschaft Verdi will vor allem gegen die immer größere Zahl an befristeten Verträgen vorgehen. „Vor allem die Zahlen der dauerhaft Befristeten, die über Kettenverträge an das Unternehmen gebunden werden, sind enorm angestiegen", kritisiert Verdi-Sprecher Jan Jurczyk. „Das sind prekäre Verhältnisse."

Die Post wehrt sich: 14.700 Mitarbeitern hätten einen befristeten Vertrag - das seien bei 180.000 Beschäftigten im Post- und Paketbereich in Deutschland weniger als 10 Prozent. Hinzu kämen 9.000 saisonale Kräfte, die für das Weihnachtsgeschäft angestellt werden. Verdi allerdings rechnet etwas anders: Mit den Weihnachtskräften liege die Quote bei 18 Prozent, unter den Paketboten sogar bei 30 Prozent.

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Die Post empört sich schon jetzt über die Streitlust von Verdi. „Der Aufruf von Verdi zur Unterbrechung der Arbeit am morgigen Freitagabend in den Paketzenten aufgrund von Betriebsversammlungen schadet dem Unternehmen", hieß es in einer Pressemitteilung.

Dass die Betriebsversammlungen ausgerechnet einen Tag vor Nikolaus stattfinden sei "reiner Zufall", entgegnet Verdi-Sprecher Jurczyk. Die Versammlungen seien bereits bei einem Betriebsratstreffen vor einem Monat geplant worden. Man habe den Termin nicht noch später legen wollen, damit das Weihnachtsgeschäft nicht noch stärker belastet werde.

Immerhin: Bis zur Mitte der kommenden Woche sollen der Paketstau abgearbeitet sein. Der Nikolaus verspätet sich damit also nur um wenige Tage.

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