Panamakanal: "Der erweiterte Panamakanal erlaubt die Erschließung neuer Märkte"

InterviewPanamakanal: "Der erweiterte Panamakanal erlaubt die Erschließung neuer Märkte"

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Ein Schiff passiert am 15.06.2016 den alten Panamakanal auf der pazifischen Seite nahe Panama-Stadt.

Quelle:dpa

Künftig können auch große Container-Frachter und Flüssiggas-Tanker den Panamakanal passieren. Mit der Erweiterung der Wasserstraße reagiert Panama auf die veränderten Rahmenbedingungen im globalen Handel.

Nach neun Jahren Bauzeit wird der erweiterte Panamakanal am 26. Juni eröffnet. Damit ist die Wasserstraße für die neuen Herausforderungen des Welthandels gerüstet, wie der stellvertretenden Verwalters des Kanals, Manuel Benítez, im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagt.

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Zur Person

  • Manuel Benítez

    Manuel Benítez (60) ist der stellvertretende Leiter der Verwaltungsgesellschaft des Panamakanals ACP. Er begann seine Karriere 1978 als Mechaniker für Präzisionsgeräte bei der Kanalverwaltung. Später studierte er Ingenieurwissenschaften an der Universität von Panama und Betriebswirtschaftslehre an der Cornell University in den USA.

Nach neun Jahren Bauzeit wird nun der erweitere Panamakanal eröffnet. Warum war es notwendig, den Kanal auszubauen?
Manuel Benítez: Die Reedereien bauen immer größere Schiffe, die nicht durch den bisherigen Kanal passen. Diesen Trend haben wir vorausgesehen. Wir mussten uns an die neuen Gegebenheiten anpassen, sonst wäre der Panamakanal obsolet geworden.

Was waren die größten technischen Herausforderungen bei der Erweiterung des Kanals?
Das Schwierigste war, den normalen Betrieb des Kanals und die Ausbauarbeiten zu koordinieren. Teilweise hatten wir 14 Baggerschiffe im Kanal, während die Frachter unserer Kunden durchfuhren. Das erhöht natürlich das Risiko von Unfällen. Zum Glück ist nichts passiert.

Die Geschichte des Panamakanals

  • 23. Februar 1903

    Der US-Senat billigt das Abkommen zum Panamakanal.

  • 1904

    Das Ingenieurkorps des US-Heeres beginnt mit dem Kanalbau.

  • 15. August 1914

    Die „SS Ancon“ passiert als erstes Schiff den Kanal.

  • 14. bis 23. August 1928

    US-Abenteurer Richard Halliburton schwimmt durch den Panamakanal und zahlt mit 36 Cent die niedrigste jemals entrichtete Passagegebühr.

  • 12. Mai 1963

    Nach der Installation von Lampen am Culebra Cut und den Schleusen nimmt der Kanal den 24-Stunden-Betrieb auf.

  • 9. Januar 1964

    Bei Protesten gegen die US-Verwaltung des Kanals kommen 22 Panamaer und vier US-Bürger ums Leben.

  • 29. Februar 1968

    Betriebsamster Tag in der Geschichte des Panamakanals: 65 Schiffe passieren die Wasserstraße innerhalb von 24 Stunden.

  • 7. September 1977

    Unterzeichnung des Torrijos-Carter-Vertrags. Das Abkommen sieht die Gründung einer binationalen Verwaltung vor und schreibt die endgültige Übergabe des Kanals an Panama für 1999 fest.

  • 22. Juni 1979

    Das Tragflügelboot „Pegasus“ der US-Marine durchquert in zwei Stunden und 41 Minuten als schnellstes Schiff den Panamakanal.

  • 1. Oktober 1979

    Der Torrijos-Carter-Vertrag tritt in Kraft. Panama erlangt die Souveränität über sein gesamtes Staatsgebiet zurück.

  • 20. Dezember 1989

    Um den in Drogengeschäfte verwickelten Machthaber Manuel Noriega zu stürzen, marschieren US-Truppen in Panama ein. Der Verkehr im Kanal wird für über 29 Stunden eingestellt.

  • 1994

    Die Kanalverwaltung ACP wird geschaffen. Sie ist unabhängig, überweist aber einen großen Teil ihrer Einnahmen an die Staatskasse.

  • 31. Dezember 1999

    Die USA übergeben die Kanalverwaltung an Panama.

  • 22. Oktober 2006

    Ein Volksentscheid zur Erweiterung des Kanals wird mit großer Mehrheit angenommen.

  • 3. September 2007

    Beginn des Kanalausbaus.

  • Februar 2014

    Wegen eines Streits um Zusatzkosten zwischen der Kanalverwaltung und der Baufirma GUPC werden die Arbeiten für zwei Wochen eingestellt.

  • 15. August 2014

    Der Panamakanal feiert seinen 100. Geburtstag.

  • 1. Juli 2015

    Die Tests der neuen Schleusentore beginnen.

Was bedeutet der erweiterte Kanal für den Welthandel?
Der neue Kanal wird für Reeder und Logistikunternehmer die Kosten senken und damit auch die Preise für die Endverbraucher drücken. Zudem erlaubt er die Erschließung neuer Märkte. Zum Beispiel kann nun Flüssiggas von den Häfen der US-Ostküste schneller und günstiger nach Asien transportiert werden.

Jetzt wird das dritte Schleusensystem eingeweiht, aber es gibt bereits vorläufige Pläne für einen erneuten Ausbau des Kanals. Befürchten Sie, dass die Erweiterung nicht ausreicht?
Der Welthandel wird weiter zunehmen und der Panamakanal muss sich immer wieder an diese Entwicklung anpassen. Wenn die Nachfrage nach Schiffspassagen unsere derzeitige Kapazität eines Tages übersteigen sollte, werden wir ein viertes Schleusensystem bauen.

In Nicaragua gibt es ebenfalls Pläne für den Bau einer Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik. Fürchten Sie die Konkurrenz?
Wenn es diesen Kanal tatsächlich einmal geben sollte, wäre er natürlich ein Wettbewerber. Wir glauben aber nicht, dass der Kanal in Nicaragua wirtschaftlich gebaut und betrieben werden kann.

Quelle:  dpa
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