Pay-TV-Anbieter vor der Wende: Macht Sky Bezahlfernsehen endlich profitabel?

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Pay-TV-Anbieter vor der Wende: Macht Sky Bezahlfernsehen endlich profitabel?

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Sky Deutschland-Chef Brian Sullivan ist auf dem besten Weg zu schaffen, was unmöglich schien: hierzulande mit Bezahlfernsehen Geld verdienen.

von Peter Steinkirchner

Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan ist auf dem besten Weg zu schaffen, was unmöglich schien: hierzulande mit Bezahlfernsehen Geld verdienen. Noch sind die Zahlen aber dunkelrot.

Weihnachtsfeiern können trübe Veranstaltungen sein, selbst in der angeblich so bunten Medienbranche. Da fliegt zum Beispiel ein rothaariger Amerikaner von London aus zu später Stunde im tiefsten Dezember gen München. Draußen tobt ein Sturm, das Flugzeug wackelt. Spät landet der Reisende und rast durch die Nacht in den Vorort Unterföhring, rein in ein Bürogebäude. Da stehen tatsächlich noch ein paar unentwegte Hanseln in einem schummrig beleuchteten Raum und ziehen das Ende einer Betriebsfeier, die um 22 Uhr vorbei sein sollte, noch ein wenig hinaus. Wein und Bier sind schon alle. Sie harren aus, damit der künftige Chef jetzt nicht ganz allein dasteht.

Der steigt auf eine kleine Bühne, spricht ein paar Worte auf Englisch. „Und bald danach sind alle nach Hause gegangen“, sagt Brian Sullivan und grinst. „Wahrscheinlich gab es irgendwo anders eine bessere Party.“

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Heute, knapp fünf Jahre nach dem bizarren Start, kann der 52-Jährige über den ersten Abend im neuen Unternehmen lachen. Denn seit seinem nächtlichen Amtsantritt wittert Sky Deutschland Morgenluft.

Die wichtigsten Kennzahlen von Sky

  • 2009/10

    Umsatz (in Millionen Euro): 908,8

    Ebitda (in Millionen Euro): -281,4

    Gewinn/Verlust (in Millionen Euro): -409,6

    Abonnenten (in Millionen): 2,476

    Umsatz/Abo (in Euro pro Monat): 27,97

    Abo-Kündigungsquote (in Prozent): 20,1

  • 2010/11

    Umsatz (in Millionen Euro): 1052,3

    Ebitda (in Millionen Euro): -235,1

    Gewinn/Verlust (in Millionen Euro): -369,1

    Abonnenten (in Millionen): 2,759

    Umsatz/Abo (in Euro pro Monat): 30,39

    Abo-Kündigungsquote (in Prozent): 12,4

  • 2011/12

    Umsatz (in Millionen Euro): 1238,3

    Ebitda (in Millionen Euro): -94,6

    Gewinn/Verlust (in Millionen Euro): -224,0

    Abonnenten (in Millionen): 3,132

    Umsatz/Abo (in Euro pro Monat): 31,87

    Abo-Kündigungsquote (in Prozent): 11,5

  • 2012/13

    Umsatz (in Millionen Euro): 1427,5

    Ebitda (in Millionen Euro): 12,7

    Gewinn/Verlust (in Millionen Euro): 144,2

    Abonnenten (in Millionen): 3,453

    Umsatz/Abo (in Euro pro Monat): 33,24

    Abo-Kündigungsquote (in Prozent): 12,0

  • 2013/14

    Umsatz (in Millionen Euro): 1655,3

    Ebitda (in Millionen Euro): 28,8

    Gewinn/Verlust (in Millionen Euro): -150,5

    Abonnenten (in Millionen): 3,813

    Umsatz/Abo (in Euro pro Monat): 34,52

    Abo-Kündigungsquote (in Prozent): 10,1

3,8 Millionen Abonnenten meldete der Bezahlfernseh-Anbieter nach dem zweiten Quartal des Jahres, so viele wie nie zuvor. Mit 1,66 Milliarden Euro verzeichnet Sky, das seinen Berichtszeitraum zum 30. Juni umgestellt hat, pro forma seinen bislang höchsten Jahresumsatz, mit monatlichen Durchschnittserlösen von 34,52 Euro pro Abo den höchsten Wert und nicht zuletzt durch die Einführung von Zwei-Jahres-Abos die niedrigste Kündigungsrate.

Unter dem Strich schreibt Sky mit einem Verlust von 151 Millionen Euro weiter tiefrote Zahlen. Dennoch sieht sich der Chef auf Kurs: „Wir arbeiten an unserem Turnaround und haben hoch gesteckte Ziele. Wir haben aber auch schon große Fortschritte gemacht und stehen heute sehr viel besser da als noch vor drei, vier Jahren.“

Wunder von Unterföhring

Sollte Sullivan das Wunder von Unterföhring gelingen und Sky ein profitables Unternehmen werden – ihm wäre ein Platz in der deutschen Medienhistorie sicher. Denn bislang hat es noch kein Unternehmen geschafft, im hiesigen Pay-TV-Geschäft nachhaltig Geld zu verdienen.

Pay-TV Gastwirte wollen weiter mit Sky kooperieren

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga will Kooperation mit Sky fortsetzen. Vielen Wirten waren die Preiserhöhungen des Bezahl-TV-Anbieters zuvor sauer aufgestoßen.

Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband hat sich dagegen entschieden, kollektiv seine Verträge mit Sky zu beenden. Quelle: AP

Die Großen der Branche hatten es Mitte der Neunzigerjahre vehement und mit wachsender Verzweiflung probiert. Dann stieg erst der Gütersloher Medienriese Bertelsmann mangels Erfolg 1999 beim Bezahlkanal Premiere aus, den er gemeinsam mit dem Münchner Rechtehändler Leo Kirch und dem französischen Anbieter Canal+ betrieben hatte.

Anschließend fusionierte Kirch Premiere mit seinem eigenen Konkurrenzangebot DF1 zu Premiere World – das von da an tonnenschwer am Hals des Fernsehpioniers hing und wegen chronischer Erfolglosigkeit und horrender Rechtekosten mit dazu beitrug, die Kirch-Gruppe mitsamt den Sendern ProSieben und Sat.1 2002 in die Pleite zu treiben.

Rund sechs Milliarden Euro, heißt es in Branchenkreisen, habe der Versuch verschlungen, den deutschen Couch-Potatos das Glotzen gegen Extragebühr schmackhaft zu machen. Auch Rupert Murdoch, dessen New Yorker Medienkonzern 21 Century Fox gerade dabei ist, seinen Sky-Deutschland-Anteil von knapp 57 Prozent an seine englische Beteiligung BSkyB zu verkaufen, um so einen europäischen Pay-TV-Riesen zu schmieden, macht da bisher keine Ausnahme. Jahrelang schon mit Kirch in einem Boot, zahlte der australo-amerikanische Medienzar weiter drauf.

Und jetzt schickt Murdoch einen unprätentiösen Amerikaner in etwas zu weit geschnittenen Anzügen, und der kriegt allem Anschein nach die Kurve, aus dem Milliardengrab doch einen Erfolg zu machen?

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