Pläne für Bahnumbau : Welcher Vorstandsposten wackelt

Pläne für Bahnumbau : Welcher Vorstandsposten wackelt

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube.

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn fährt ihren Gewinnzielen erneut hinterher. Das könnte dem ein oder anderen Vorstand den Job kosten. Auch Grube muss Acht geben.

Neulich im Bahntower am Potsdamer Platz in Berlin: Bahnchef Rüdiger Grube lud die Belegschaft zum „Dialogforum“ ein. Den Mitarbeitern wollte Grube im Gespräch mit Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht erklären, wohin die Reise bei der Bahn geht. Grube fragte Felcht, ob der Börsengang noch ein Thema sei. Darauf antwortete Felcht sinngemäß: Der Börsengang sei kein Thema mehr und das sei auch gut für den Vorstand, denn ansonsten wäre er nicht mehr im Amt. Schließlich würde die Börse schlechte Konzernergebnisse nicht so ohne weiteres hinnehmen.

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Das Geschäftsjahr 2014 der Deutschen Bahn

  • Das Geschäftsjahr 2014...

    Das Geschäftsjahr 2014 der Deutschen Bahn im Vergleich zum Vorjahr und zur Konzernplanung.

    Quelle: PwC, Deutsche Bahn

  • Schienenpersonenverkehr

    2014: 79,8 Milliarden Personenkilometer

    Veränderung zu...

    2013: -0,7 Prozent

    Plan: -2,3 Prozent

    Quelle: PWC, Deutsche Bahn

  • Verkehrsleistung im Schienengüterverkehr

    2014: 102,8 Milliarden Tonnenkilometer

    Veränderung zu...

    2013: -1,4 Prozent

    Plan: -2,8 Prozent

  • Umsatz

    2014: 39,7 Milliarden Euro

    Veränderung zu...

    2013: +1,5 Prozent

    Plan: k. A.

  • Eigenkapitalquote

    2014: 26 Prozent

    Veränderung zu...

    2013: -7,8 Prozent

    Plan: -15 Prozent

  • Operativer Gewinn nach Zinsen, vor Steuern

    2014: 1,3 Milliarden Euro

    Veränderung zu...

    2013: -7,8 Prozent

    Plan: -6,2 Prozent

Anwesende berichten, dass es Grube sichtlich schwer gefallen sein soll, den Dialog fortzusetzen. Vielleicht wollte Felcht nur ein bisschen witzig sein, vielleicht war er gerade nicht gut drauf. Die Botschaft jedenfalls war eindeutig: Der Aufsichtsrat ist unzufrieden mit der Leistung des Vorstands.

Bahnchef Grube dürfte sich die Worte zu Herzen genommen haben. Gestern auf der Aufsichtsratssitzung kündigte er den Kontrollen einen möglichen Umbau des Konzerns an. Die Bahn werde neue Wege gehen müssen, wenn die bestehende Geschäftsmethoden nicht mehr taugen, hieß es in den Aufsichtsratsunterlagen. Möglich sei eine Neuordnung der Sparten, aber auch personelle Veränderungen auf der obersten Führungsetage. Darüber berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Neue Züge der Deutschen Bahn

  • ICx: Der Komfortable

    Die neuen ICx von Siemens erhalten eine Beleuchtung, die sich an Zeit und Außenstimmung anpasst. Zudem erlauben sie die Mitnahme von Rädern. Die ersten der 130 bestellten Züge kommen 2017. Investition: 5,3 Milliarden Euro. Pro Jahr liefert Siemens 20 Stück. Ein rund 200 Meter langer Zug besteht beim ICx aus sieben statt acht Wagen wie beim ICE. Das senkt Kosten und bringt mehr Sitzplätze. Siemens baut zwei Modelle: 345 und 202 Meter lang, Höchsttempo 249 und 230 Kilometer pro Stunde.

  • IC Dostock: Der Schlichte

    Die Doppelstockzüge von Bombardier kommen vor allem auf Nebenstrecken zum Einsatz. Anders als im Nahverkehr, wo sie bereits als Regionalexpress unterwegs sind, erhalten die 44 bestellten Dostocks das blaue Velours-Ambiente eines Intercity. Investition: 660 Millionen Euro. Es gibt keinen Schnickschnack: Sitzreihen und Toiletten sind enger, kein Bordrestaurant, stattdessen mobiler Gastro-Service. Betriebliche Vorteile: Die Züge sind in der Länge variabel und gelten als extrem verlässlich.

Der Grund für den Umbau: Die Bilanz ist miserabel. Der Konzern hat nicht nur die Fernbus-Konkurrenz auf der Straße verschlafen. Er hat auch das WLAN im Zug viel zu spät angepackt. Der Güterverkehr auf der Schiene fährt seit Jahren im Minus. Das Geschäft mit dem Schienennetz  liegt weiter hinter seinen Zielen. Die geplante Umsatzverdopplung bis 2020 hat Bahnchef Grube intern längst abmoderiert.

Der Konzern wird in diesem Jahr nun zum dritten Mal in Folge die Gewinnziele reißen. Bis Ende 2015 rechnet der Vorstand nur noch mit einem Ebit von maximal zwei Milliarden Euro. Dann müsste es aber im zweiten Halbjahr besser laufen als im ersten. Das ist nicht absehbar.

Grube wird deshalb wohl vor allem das machen, was er immer macht, wenn es nicht rund läuft. Er wird die Verantwortung auf andere schieben und dann neue Leute in den Vorstand holen. Der Logistikvorstand Karl-Friedrich Rausch geht bald in Ruhestand – ein Neuer wird kommen. Die Verträge mit Personalchef Ulrich Weber und Rechtsvorstand Gerd Becht laufen noch bis 2017. Bechts Position ist unumstritten. Er hat seinen Bereich voll im Griff. Webers Zukunft hängt aber davon ab, ob er den Konflikt mit den Lokführern löst. Vielleicht geht er früher.

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Klar ist, dass die Position von Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg schon seit längerem wackelt. Er hat die Fernbus-Konkurrenz unterschätzt. Nun hält er mit einer Gegenoffensive dagegen. Das neue Fernverkehrskonzept kam weitestgehend gut an, ist aber auf einen Zeitraum bis 2030 angelegt. Bis dahin haben die Fernbusse ihr Geschäftsmodell mehrfach angepasst, wenn es sein muss.  

Nach Informationen der WirstchaftsWoche ist zudem das Verhältnis zwischen ihm und Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer seit Längerem angespannt. Homburg plant eine Expansion im Fernverkehr und benötigt dafür auch verlässliche Informationen, wie das Schienennetz der Zukunft aussehen wird.

Ein Personalumbau wäre Grubes letzte Chance, sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Wenn er die Bahn nicht endlich auf die richtige Spur setzt, dürfte auch sein eigener Stuhl bald wackeln.

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