Post-Chef Appel: Wie ein Express-Paket auf Weltreise

Post-Chef Appel: Wie ein Express-Paket auf Weltreise

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Raus aus der Komfortzone: Appel spricht über sich und DHL im Townhall Meeting

Quelle: Don Tam

von Christian Schlesiger

Vorstandschef Frank Appel verlegte die Konzernzentrale im Sommer für drei Wochen nach China. Mit uraltem Handy und missionarischem Eifer kämpfte er dort für ein weltweites DHL-Gefühl. Die WirtschaftsWoche war exklusiv dabei.

Seit einer Dreiviertelstunde steht Frank Appel auf der Bühne des Konferenzsaals im Hotel Intercontinental im südchinesischen Shenzhen. Mit dem linken Daumen klickt er sich durch Folien mit Umsatzzahlen und Marktanteilen. Die Zeit ist knapp. Appel rast durch gelbe Torten- und Balkengrafiken, die sich auf der Leinwand hinter ihm aufbauen. Doch einer Seite widmet Appel mehr als eine Minute. Sie sei ihm "sehr wichtig", sagt der Chef der Deutschen Post. "Wir tragen Vertrauen aus", steht auf ihr geschrieben. "Erfolg" und "Freude" ebenso. Und "wir helfen, Leben zu retten". All das sei Kern und Auftrag von DHL.

Rund 300 Paketzusteller, Lagerarbeiter und Büroangestellte der DHL-Logistikdivisionen in der Region Shenzhen nahe Hongkong verfolgen mit ernster Miene, wie ihr oberster Chef die Zukunft des weltgrößten Logistikers zeichnet.

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Neues Logistik-Drehkreuz DHL kämpft mit den Tücken des chinesischen Marktes

Das Reich der Mitte wird zum größten Logistikmarkt der Welt. Dort hat die Deutsche Post DHL ihre beiden großen US-Konkurrenten Fedex und UPS abgehängt. Doch der chinesische Markt hat Tücken, wie die Deutschen jüngst erfahren mussten.

DHL-Auslieferung in Hongkong Quelle: DHL

Einer knabbert an den Fingernägeln. Ein anderer macht sich Notizen. Einige tragen T-Shirts mit rot-gelbem DHL-Schriftzug, die meisten erscheinen in Kostüm oder Anzug. Sie hören Appel von "großer Verantwortung" sprechen. "Wir verändern unseren Planeten jeden Tag ein bisschen, indem wir das Leben für unsere Kunden einfacher machen", sagt er seinem Publikum. Und der Erfolg ist "Ihr Erfolg". Verschämtes Kichern im Saal.

Während in Deutschland gekämpft wird, macht China Spaß

Appel ist auf Tournee in China. In sechs je anderthalbstündigen Mitarbeiter-Veranstaltungen hat er bereits mehr als 2500 Beschäftigte der Speditions-, Lagerlogistik- und Expressdivision der Deutschen Post auf die Ausrichtung des Konzerns eingeschworen. Während das Unternehmen in Deutschland gegen sinkende Briefvolumina und mit holprigen Innovationen wie dem E-Postbrief kämpft, macht Asien Spaß: Appel lobt das Geschäft im Reich der Mitte – China trägt mit vier Milliarden Euro fast jeden zehnten Euro zum Post-Umsatz bei. Er attackiert die Konkurrenz und benennt die Herausforderungen.

Der Logistikmarkt in China

  • Das internationale Expressgeschäft dominieren...

    DHL, Fedex und UPS. In diesem Marktsegment ist Chinas Staatspost mit 17 Prozent nur drittgrößter Anbieter. Sie beherrscht allerdings das Inlandsgeschäft aufgrund des Monopols bei Dokumenten zu 40 Prozent.

  • Im Speditionsgeschäft gewinnt...

    mit der Verlagerung des Handels auf hochwertige Güter die lukrativere Luftfracht an Bedeutung gegenüber der Seefracht. Hier kommt es auf Servicequalität und Schnelligkeit an. Größte internationale Anbieter sind DHL mit 10,7 Prozent Marktanteil vor der Deutsche-Bahn-Tochter Schenker (4,8), UPS (4,1) und Kühne + Nagel (3,6).

  • In der Seefracht spielt...

    der Preis die entscheidende Rolle, die Margen sind infolge des starken Wettbewerbs erheblich niedriger. Hier liegen Kühne + Nagel und DHL mit einem Marktanteil von 6,7 beziehungsweise 6,6 Prozent faktisch gleichauf vor Panalpine (4,2) und Schenker (4,1). Eisenbahntransport ist bislang nur ein Nischengeschäft.

  • Die Kontraktlogistik ist...

    die dritte Geschäftssäule. Hier übernehmen Logistiker neben der Distribution der Güter auch Mehrwertdienste wie Lagerung, Verpackung oder Etikettierung. Neben DHL (4000 Beschäftigte) sind hier auch Schenker und UPS engagiert.

Die Townhall Meetings sind Teil eines einzigartigen Managementexperiments: Drei Wochen lang steuert Appel den Bonner Logistikkonzern von China aus. Er trifft Mitarbeiter, Kunden und Investoren, diskutiert mit Analysten und Politikern. Seine Mission: Lobbyarbeit, Geschäftsanbahnung, Konzernbotschafter. Vor allem will er eine einheitliche DHL-Kultur verankern.

"Bei schwierigen Entscheidungen auf sein Herz hören"

Auf der Bühne agiert der Post-Chef wie einer der "professional speakers", die in den USA an High Schools vor den Jugendlichen motivierende Turnhallen-Reden halten. Auch Appel spricht vom "Beitrag für die Gesellschaft", den jeder leiste. Er mahnt die Mitarbeiter, an Träumen festzuhalten, wie auch er sie mit 18 Jahren hatte. Er selbst sei ein "Junge aus der Mittelschicht", der eine sehr gute Bildung genießen durfte und noch immer versuche, an seinen Idealen von damals festzuhalten. Seine Mutter habe ihm außerdem immer empfohlen, "bei schwierigen Entscheidungen auf das Herz zu hören". Die Botschaft an die Chinesen: eigenverantwortlich handeln, zum eigenen Wohl und zum Nutzen der Kunden.

Appel ist kein von Euphorie überschäumender Wanderwunderprediger. Seine Stimme bleibt monoton, er gestikuliert nur ab und zu ins Publikum, die Füße verharren auf der Stelle. Appel doziert eher, als dass er elektrisiert. Die persönlichen Geschichten baut er bewusst in seine Rede ein. Das mache er seit einiger Zeit, erzählt er später. Anfangs ging ihm das nicht leicht über die Lippen. Er habe sich dafür "raus aus der Komfortzone" begeben müssen – ein Lebensmotto von ihm.

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