Post-Chef Frank Appel: Das Image des Musterknaben ist angekratzt

Post-Chef Frank Appel: Das Image des Musterknaben ist angekratzt

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Hat sich Post-Chef Appel zu hohe Ziele gesetzt?

von Jacqueline Goebel

Post-Chef Frank Appel gilt als Vorbild unter den Dax-Vorständen. Doch zwei Gewinnwarnungen innerhalb weniger Monate stören das Bild. Hat Appel seine Ziele zu hoch gesteckt?

Für seine Bewerbung hat Frank Appel sich einen merkwürdigen Zeitpunkt ausgesucht. Eigentlich läuft sein Vertrag als Vorstandschef der Deutschen Post noch zwei Jahre. Erst Ende 2016 wird der Aufsichtsrat über eine Verlängerung beraten. Trotzdem sagte Appel kürzlich in kleiner Runde in Düsseldorf: „Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß, ich habe Interesse, meinen Job länger zu machen.“

Der Zeitpunkt ist aus einem weiteren Grund auffällig: Die Sätze fielen, nur wenige Tage bevor Appel die Anleger der Deutschen Post mit einer Horrornachricht und einer Gewinnwarnung schockierte: Die überfällige Modernisierung des veralteten IT-Systems der Frachtsparte ist desaströs gescheitert, der Gewinn vor Steuern soll in diesem Jahr mit 2,4 Milliarden Euro eine halbe Milliarde niedriger als geplant ausfallen.

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Es war Appels zweite Gewinnwarnung binnen zweieinhalb Monaten. Schon Anfang August musste er wegen des Streiks der Zusteller 100 Millionen Euro Gewinn abmelden. Die Aktie hat sich bis heute nicht davon erholt – obwohl Appel eiligst bekräftigte, 2016 wieder eine Milliarde mehr Gewinn machen zu wollen.

Die Säulen der Deutschen Post

  • Fracht und Spedition

    Umsatz: 7567 Millionen Euro - 25,2 Prozent

    Gewinn (EBIT)*: 57 Millionen Euro - 4,0 Prozent

    *ohne Kosten für Zentrale; Quelle: Unternehmen

  • Kontraktlogistik

    Umsatz: 7987 Millionen Euro - 26,5 Prozent

    Gewinn (EBIT)*: 172 Millionen Euro - 12,2 Prozent

    *ohne Kosten für Zentrale; Quelle: Unternehmen

  • Brief und Paket

    Umsatz: 7813 Millionen Euro - 26,0 Prozent

    Gewinn (EBIT)*: 474 Millionen Euro - 33,6 Prozent

    *ohne Kosten für Zentrale; Quelle: Unternehmen

  • Express

    Umsatz: 6695 Millionen Euro - 22,3 Prozent

    Gewinn (EBIT)*: 708 Millionen Euro - 50,2 Prozent

    *ohne Kosten für Zentrale; Quelle: Unternehmen

Die Zeiten, in denen der 54-jährige Ex-McKinsey-Berater als Vorbild im Dax galt, als einer, der mit seinen Prognosen restlos überzeugt, sind vorbei. „Sein Image ist angekratzt“, sagt Michael Gierse, Fondsmanager bei Union Investment. Appels Ziele seien erreichbar, aber das Risiko, dass er sie verfehle, sei hoch: „Das ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten.“

Auch im Aufsichtsrat gibt es Zweifel. Er sei von der angekündigten Milliarde Gewinnzuwachs für 2016 „überrascht“ worden, sagt ein Kontrolleur. Offiziell stellt der Vorstand seine Planung dem Aufsichtsrat erst im Dezember vor. „Dann wird man noch mal darüber sprechen müssen“, so der Aufsichtsrat. Noch seien viele Fragen offen. Einige davon wird Appel schon morgen beantworten müssen, bei der Vorstellung der Quartalszahlen.

2015 ist ein Übergangsjahr

Einen Satz wird er dann wahrscheinlich wiederholen: "2015 ist ein Übergangsjahr", sagt der Post-Chef immer wieder. Ein schwieriges Jahr, in dem aber die Grundlage für die Strategie 2020 geschaffen werde. Bis dahin will er den Gewinn auf fünf Milliarden Euro verdoppeln. Nur: Wenn Appel diese Ziele erreichen will, kann er sich kein zweites Übergangsjahr leisten. Appel steht deshalb vor einem Jahr der Bewährung. Er muss zeigen, dass er weiter der richtige Mann an der Spitze ist.

So steht die Post in den Medien dar erobert Europa



Das Ansehen der Post in den deutschen und internationalen Leitmedien hat zuletzt deutlich gelitten. Ein Grund für die negative Berichterstattung: Der lange Poststreik im Sommer. Aber auch die Preispolitik und die Portoerhöhungen kritisierten Journalisten.

Daten: Mediatenor



Appels größtes Risiko ist das Speditionsgeschäft mit Fracht zu Lande, zu Wasser und in der Luft, im Post-Jargon „DHL Global Forwarding and Freight“ genannt. Über 300 Millionen Euro hat das IT-Debakel gekostet, die Post ist weit hinter die Konkurrenz zurückgefallen. Nur noch 0,8 Prozent vom Umsatz blieben im ersten Halbjahr als Gewinn übrig. Das ist weniger als ein Sechstel der Marge des Konkurrenten Kühne + Nagel.

Appel muss in der Sparte ein Neustart gelingen. Daran hängt auch seine Zukunft. „Ein weiteres Problem in der Sparte darf es nicht geben“, sagt ein Aufsichtsrat.

Margen im See- und Luftverkehr im ersten Halbjahr 2015 im Vergleich (in Prozent).

Bei den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat herrscht noch immer Frust wegen des harten Tarifkampfs, ihre Stimmen sind ihm keinesfalls sicher. Appel braucht deshalb die Stimmen der Arbeitgeberseite. „Ob er dort den vollen Rückhalt kriegt, hängt an der Frachtsparte“, sagt ein anderer Kontrolleur.

Tatsächlich muss Appel die Entwicklung der Sparte zum Teil persönlich verantworten. Als Fracht-Vorstand gab er vor über einem Jahrzehnt den Anstoß für ein neues IT-System. 2010 hievte er den Briten Roger Crook aus der Expresssparte in den Post-Vorstand, um die Frachttochter umzustrukturieren. Ein Fehlgriff. Während Crook umorganisierte, entglitt ihm die mit SAP und IBM geplante Modernisierung der völlig veralteten IT. „Crook wollte den letzten Schritt vor dem ersten machen“, kritisiert ein ehemaliger Post-Manager. „Keine Ahnung von der Fracht“ habe er gehabt, sagt ein anderer.

Appel zog die Reißleine, indem er Crook im April vor die Tür setzte und die Verantwortung selbst übernahm. Auch die Manager der wichtigsten Weltregionen tauschte er aus. Um das Tagesgeschäft zu retten, holte er den 74-jährigen Altmeister Renato Chiavi aus der Rente. Der war von der Schweizer Spedition Danzas mit deren Übernahme durch die Post im Jahr 1999 zu dem Bonner Konzern gestoßen.

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