Post-Studie: So sieht die Zukunft des Onlinehandels aus

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Post-Studie: So sieht die Zukunft des Onlinehandels aus

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Der Onlinehandel boomt. Laut Studie der deutschen Post könnte er 2025 schon einen Anteil von 40 Prozent haben.

von Stephan Happel

Vier Szenarien zur Zukunft des Onlinehandels hat die Post entworfen. Die neue Studie prognostiziert ihm ein stärkeres Wachstum als die meisten E-Commerce-Experten bisher - und sagt damit ganz nebenbei das baldige Ende vieler Einzelhändler voraus.

Die bunten Grafiken der "E-Tailing 2025"-Studie verpacken zwei Botschaften: eine hoffnungsvolle und eine finstere. Sie prognostizieren den Erfolg der Online- und den Niedergang vieler Einzelhändler.

In der groß angelegten Studie hat die Deutsche Post von Zukunftsforschern vier Szenarien entwerfen lassen, wie der elektronische Handel im Jahr 2025 aussehen könnte: Egal ob bei bei boomender oder stagnierender Wirtschaft, der Internethandel werde weltweit an Bedeutung gewinnen. China, so die Annahme, wird in wenigen Jahren mit Westeuropa und den USA gleichziehen.

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Auch in Schwellenländern wird bald zunehmend vom Computer aus geshoppt, zumindest wenn die Infrastruktur stimmt. Die Ergebnisse sind in ihrer Tendenz wenig überraschend, das Ausmaß hingegen schon.

Die vier Zukunftsszenarien der Post

  • 1 – Zurückhaltendes Wachstum

    Das Wirtschaftswachstum ist zurückhaltend. Zudem profitieren nicht alle Menschen davon. In vielen Volkswirtschaften gibt extreme soziale Gegensätze.

    Die Technologiefortschritte sind nur moderat. Smartphones und Tablets bleiben die ständigen Begleiter der Menschen.

    Handelsunternehmen bieten ihre Waren online und in stationären Shops an – der Multikanalhandel hat sich durchgesetzt. Die Ladengeschäfte dienen oft nur noch als Showrooms, um den Kunden die Waren erleben zu lassen. Die zeitnahe Lieferung an jeden gewünschten Ort ist ein Standardservice. Convenience ist – für alle, die es sich leisten können, – ein entscheidender Faktor beim Einkauf. Für den überwiegenden Teil der Menschen bleibt der ausschlaggebende Gesichtspunkt allerdings nach wie vor der günstige Preis.

    Anteil des reinen Online-Handels 2025 (West-Europa): 20 Prozent

    Quelle: E-Tailing 2025 Studie der Deutschen Post

  • 2 – Gutes Wachstum

    Den Menschen geht es gut. Erstmals hat sich global eine kaufkräftige Mittelschicht entwickelt. Dadurch hat auch sich die Wertevorstellung verschoben: weg von der Arbeits und hin zur Freizeitorientierung. Selbstverwirklichung und individuelle Lebensformen sind wichtiger als Erfolg im Job. Das Volumen des Onlinehandels nimmt stark zu. Kleine, innovative Onlinehandelsplattformen bedienen die jeweilige Lifestyl-Community, große Onlinehändler und -plattformen dagegen den Massen-Markt. Der stationäre Handel setzt vor allem auf Erlebniseinkauf.

    Durch den boomenden Onlinehandel sind die Transportvolumina der Logistiker deutlich gestiegen. Um dem Verkehrsinfarkt zu entgehen, haben einige Ballungsräume die Zustellung reguliert.


    Anteil des reinen Online-Handels 2025 (West-Europa): 30 Prozent

  • 3 – Starkes Wachstum und Innovationen

    Die Weltwirtschaft wächst vor allem durch die Innovationsdynamik der Informationstechnologie. Die Menschen leben in einer digitalen Hochkultur. Datenbrillen, smarte Kontaktlinsen und andere Wearables gehören zum Alltag.

    Intelligente Avatare fungieren als virtuelle Einkaufsberater. Web-Shops passen ihre Angebote in Echtzeit an die Kundenprofile an. Auch der stationäre Handel und die Showrooms der Onlineshops arbeiten mit Simulationen, die auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten sind.

    In den großen Metropolen ist die Auslieferung am Tag der Bestellung Standard. Händler und Logistiker können auf Basis von exakten Kundendaten den Bedarf oftmals vorhersagen. Sie verschicken die Waren bereits bevor der Kunde überhaupt bestellt hat.

    Anteil des reinen Online-Handels 2025 (West-Europa): 40 Prozent

  • 4 – Stagnierende Wirtschaft

    Die Weltwirtschaft stagniert. Handelshemmnisse und hohe Energie- und Rohstoffpreise haben zu einer Regionalisierung der Wirtschaft geführt. Die Menschen kaufen in aller Regel vor Ort. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind die bestimmenden Faktoren beim Einkaufen.

    Leasing- und Sharingmodelle sind deshalb weit verbreitet. Große Onlineportale sind vor allem im Leasinggeschäft tätig. Im regionalen und lokalen Umfeld wird auch ein Großteil des Tauschhandels über kleinere Onlineplattformenorganisiert. Um die Lebensdauer von elektronischen Geräten und Gebrauchsgüter zu verlängern, sind sie modular aufgebaut. Reparaturen und Wartungen sind so leicht möglich.

    Der Großteil der Logistikunternehmen bietet neben den klassischen Versorgungslösungen auch Ersatzteillogistik und Reparaturservices an.

    Anteil des reinen Online-Handels 2025 (West-Europa): 15 Prozent


Gewinner der Entwicklung sind neben den Online- und pfiffigen Einzelhändlern vor allem die Lieferdienste. 2,7 Milliarden Pakete wurden allein 2013 in Deutschland verschickt - so viele wie noch nie. Kein Wunder, dass die Prognosen der Post zur Zukunft des Onlinehandels optimistisch ausfallen: Der reine Online-Handel könnte bald bis zu 40 Prozent am gesamten Handelsumsatz ausmachen, schätzen die Autoren der Studie. Hinzu kämen große Anteile an den hybriden Handelsformen.

Selbst im defensivsten Szenario und bei einer stagnierenden Weltwirtschaft hätte der reine Onlinehandel im Jahr 2025 noch immer auf einen Anteil von 15 Prozent. Zum Vergleich: Aktuell macht E-Commerce gerade einmal acht Prozent des gesamten Handelsvolumens in Europa aus.

Eine Studie des Instituts für Handelsforschung prognostiziert im Vergleich deutlich niedrigere Werte: Bis 2020 würde demnach der Online-Umsatzanteil am Einzelhandel zwischen zehn und maximal 22 Prozent liegen. Auch das eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein bleibt in einer aktuellen Studie trotz optimistischer Schätzungen deutlich unter den Höchstwerten. "Ich glaube, der Kunde wird auch in Zukunft noch im stationären Handel einkaufen wollen", erklärt Research-Center-Leiter Gerrit Heinemann.

Selbst bei moderatem Wachstum des Onlinehandels sind die Auswirkungen enorm. Die Abwanderung der Kunden ins Netz geht, keine Überraschung, zu Lasten des stationären Handels. Darunter haben vor allem die Klein- und Mittelstädte zu leiden.

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2 Kommentare zu Post-Studie: So sieht die Zukunft des Onlinehandels aus

  • " Etwa wie der drohende Zusammenbruch des Verkehrs durch ein Heer an Lieferwagen zu verhindern ist."
    Das halte ich für ein unwahrscheinliches Szenario - wer online bestellt, fährt nicht mehr mit dem Auto einkaufen. Gerade das ist ja ein Argument für den Online-Einkauf. In Summe dürfte der Effekt sogar weniger Verkehr sein.

  • " Etwa wie der drohende Zusammenbruch des Verkehrs durch ein Heer an Lieferwagen zu verhindern ist." Zitat
    Das ist natürlich Blödsinn,das Gegenteil ist der Fall.
    Aber über was man sich mal Gedanken machen sollte,das sind die Gewerbemieten,die in Städten gezahlt werden müssen.Mit der Vermietung verdienen sich zur Zeit Eigentümer noch eine goldene Nase und steigern diese Gewinne ohne dafür das Geringste zu tun,allein durch die zunehmende Verengung.Das könnte sich durch Massenpleiten von Ladengeschäften ändern.Innenstädte könnten sich komplett verändern,wenn "Shopping" in der City ersetzt wird durch andere Dinge.

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