Probleme der Schifffahrtbranche: "Deutsche Reeder stehen mit einem Bein im Ausland"

Probleme der Schifffahrtbranche: "Deutsche Reeder stehen mit einem Bein im Ausland"

von Mark Fehr

Mit Schiffsverkäufen und Sparmaßnahmen kämpfen deutsche Reedereien gegen die Krise ihrer Branche. Viele denken über den Wegzug aus Deutschland nach.

Deutschlands Reedereien können ihre Schiffe erstmals seit Beginn der Schifffahrtskrise wieder besser auslasten. Laut einer aktuellen Umfrage des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens PwC geben gut 90 Prozent der befragten Reeder an, alle ihre Schiffe beschäftigen zu können. Im Vorjahr war das nur zwei Dritteln der Schifffahrtsunternehmen gelungen. Das liegt aber nicht an steigender Nachfrage nach Transportdiensten, sondern hauptsächlich an Abbaumaßnahmen.

„Die deutschen Reeder haben Schiffe ausgemustert oder verkauft. So haben sie Überkapazitäten abgebaut und die Auslastung ihrer verkleinerten Flotte deutlich verbessert“, sagt Claus Brandt, Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums von PwC am Standort Hamburg. Trotzdem bleiben die Charterraten niedrig und die Situation für Reeder schwierig. Befragt wurden 98 deutsche Hochseereedereien.

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Die meisten von ihnen wollen ihren Sitz in Deutschland lassen, doch denken 20 Prozent über Auslagerungen nach, während ein ebenso großer Anteil bereits verlagert hat. Dabei fragen auch Reedereien mit Firmensitz in Deutschland schon zahlreiche Dienstleistungen im Ausland nach. Das fällt ihnen leicht, weil ihre Schiffe auf dem Weg um die Welt jederzeit internationale Wartungsdocks anlaufen oder ausländisches Personal an Bord nehmen können.

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Hamburger Hafen Quelle: dpa

„Viele deutsche Reeder stehen immer mit einem Bein im Ausland“, sagt PwC-Schifffahrtsexperte Brandt. Da die Charterraten vom Weltmarkt vorgegeben werden, sind Kostensenkungen die einzige Möglichkeit zu reagieren. „Nur ein Viertel von ihnen fährt derzeit unter deutscher Flagge“, so Brandt.

Kaum noch Privatanleger für Schiffe

Am Fernweh der deutschen Reederschaft kann selbst das Privileg der Tonnagebesteuerung nichts ändern. Die Steuerlast für Reeder richtet sich pauschal nach der Zahl und Größe ihrer Schiffe, unabhängig davon, wie viel Gewinn sie einfahren. In guten Zeiten ist das ein Vorteil, in schlechten Zeiten entwickelt sich die Regelung zum Bumerang.

„Die als Steuersubvention gedachte Tonnagebesteuerung hat sich in Krisenzeiten als Nachteil für die Reeder erwiesen“, erklärt Brandt. Wegen ihr hätten sie während der Krisenjahre trotz hoher Verluste regelmäßig Steuern gezahlt.

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Die einst boomende Finanzierung von Schiffen durch Privatanleger ist fast vollständig zum Erliegen gekommen. Grund dafür sind unter anderem die Überkapazitäten, durch die Anleger viel Geld verloren haben aber auch Falschberatungen durch Banken und Betrügereien durch Fondsanbieter. In die Lücke gesprungen sind institutionelle Investoren wie Private Equity Gesellschaften oder Versicherungen. Die Reeder mussten sich daran gewöhnen, ihre Buchhaltung an die Anforderungen der Profiinvestoren anzupassen.

Die PwC-Umfrage zeigt auch die Auswirkungen des Flüchtlingsdramas im Mittelmeer auf die deutschen Reedereien und deren Schiffsbesatzungen. 43 Prozent von ihnen haben bereits in Seenot geratene Flüchtlinge gerettet, wodurch das Personal an Bord in den meisten Fällen außergewöhnlichen psychischen Belastungen ausgesetzt war. Viele Reeder gehen davon aus, dass sich die Belastungen für die Schifffahrt durch die Flüchtlingskatastrophe in den nächsten zwölf Monaten erhöhen werden.

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