ProSiebenSat.1-Vorstand Christian Wegner: "Freie Werbeplätze sind unser Zaubertrank"

ThemaMedien

InterviewProSiebenSat.1-Vorstand Christian Wegner: "Freie Werbeplätze sind unser Zaubertrank"

von Oliver Voß

Das Medienunternehmen ProSiebenSat.1 will nach dem Einstieg beim Musikanbieter Deezer weitere Online-Händler kaufen. Digitalvorstand Christian Wegner erklärt, wie die eigenen TV-Sender dabei helfen.

Herr Wegner, ProSiebenSat.1 hat mit Ampya einen eigenen Musikstreaming-Dienst aus dem Boden gestampft. Nun wird er von Konkurrent Deezer übernommen, haben Sie die Konkurrenz doch unterschätzt?

Im Gegenteil. Wir haben in gerade mal einem Jahr mit Ampya eine starke Musikmarke mit einem soliden Abo-Geschäft aufgebaut. Das ist auch Deezer nicht verborgen geblieben. Mit unserer strategischen Allianz gehen wir hier nun gemeinsam einen Schritt weiter. Wir bringen das operative Ampya-Geschäft in die Partnerschaft ein und beteiligen uns im Gegenzug an dem internationalen Streaming-Dienst.

Anzeige

Zur Person

  • Christian Wegner

    Wegner, 40, sitzt seit 2011 im Vorstand der Mediengruppe ProSiebenSat.1und leitet den Bereich Diversifikation. Zu Beginn seiner Karriere arbeitete der promovierte Betriebswirt für den Berater McKinsey.

Können Sie damit Spotify paroli bieten? Selbst Apple und Google tun sich schwer.

Die langjährige Expertise von Deezer vereint mit unserer Marketing-Power bilden die besten Voraussetzungen, Platz 1 in Deutschland, dem drittgrößten Musikmarkt der Welt, zu erklimmen. Und das ist das gemeinsame Ziel. Deezer ist bereits in mehr als 180 Ländern verfügbar und verzeichnet mehr als 16 Millionen aktive User monatlich. Das Angebot umfasst rund 30 Millionen Songs.

Zudem haben wir mit Starwatch das viertgrößte deutsche Label im Portfolio und auch unsere Video Community MyVideo hat eine sehr gute Reputation im Musik-Business. Da gibt es viele Synergien, noch dazu mit unseren TV-Sendern im Rücken. Nicht zu vergessen: Im Mobilfunk haben wir mit Vodafone einen starken Partner an unserer Seite. Deezer wird diese Kooperation von Ampya übernehmen und weiter fortführen. Sie sehen, wir haben die besten Start-Voraussetzungen.

Sie bieten Musik, Videospiele, Online-Handel – keine Angst sich zu übernehmen?

Nein. Aber das geht natürlich nur, wenn man exzellente Teams für jedes Geschäft hat – und das haben wir.

Sie werben für immer mehr Internet-Firmen, mit wie vielen haben Sie eine Umsatz- oder Firmenbeteiligung?

Derzeit sind es rund 60 Unternehmen. Pro Stunde dürfen wir ja zwölf Minuten Werbung senden, die kann kein TV-Unternehmen bis zur letzten Sekunde kapitalisieren. Vor vier Jahren haben wir dann jungen Unternehmen, die sich Fernsehwerbung noch nicht leisten können, Kooperationen angeboten und bekommen im Gegenzug für unsere Medialeistung eine Minimum-Garantie sowie eine Umsatz- oder Unternehmensbeteiligung. Wir führen sie damit an das Medium Fernsehen heran und fördern damit zugleich auch die Start-up-Kultur in Deutschland.

Wie bei Zalando?

Genau, das war das erste große Beispiel. Damit haben wir auch das Paradigma gebrochen, dass für Internet-Firmen nur Online-Werbung funktioniert. Diesem Beispiel sind inzwischen viele weitere gefolgt. Unsere Strategie ist es, unabhängiger von klassischen Werbeeinnahmen zu werden und in neue digitale Geschäftsmodelle zu investieren. Die freien Werbeplätze sind dabei unsere wichtigste Ressource, unsere internen Dollars oder unser Zaubertrank.

Das Geschäft mit dem Musik-Streaming

  • Was sind Streaming-Dienste?

    Nachdem MP3-Dateien CDs und Platten ersetzten, bringt das Streaming eine vielleicht noch größere Veränderung für die Musikbranche. Denn die Nutzer zahlen nicht mehr für den Besitz von Musik, sondern deren Nutzung. Für eine Monatsgebühr erhalten sie Zugriff auf Musikkataloge mit Millionen Titeln. Zudem gibt es auch kostenlose Angebote, die über Werbung Geld einnehmen.

  • Verbreitung

    Laut dem Bundesverband der Musikindustrie haben die Streamingdienste stark an Bedeutung gewonnen. Derzeit (Stand Sommer 2014) haben sie einen Anteil von fünf Prozent am Musikmarkt. Nach Schätzungen sollen sie 2018 schon 35 Prozent des Marktes ausmachen.

  • Probleme

    Künstler kritisieren immer wieder die geringe Vergütung – pro gehörtem Stück erhalten sie Bruchteile eines Cents. Die Einnahmen sind bislang deutlich geringer als über die Verkaufsbeteiligungen. Trotzdem schreiben auch Streamingdienste wie Spotify Verluste. Wie sich die Kalkulationen von Streaminganbietern, Plattenfirmen und Musikern künftig ausbalancieren, ist eine der entscheidenden Fragen.

Wie viele Minuten haben Sie für die Zusatzwerbung frei?

Das schwankt je nach Sendeplatz.

Gibt es keine Konkurrenz mit den zahlenden Kunden?

Das klassische TV-Geschäft geht klar vor. Wir stimmen uns da eng mit den Kollegen unserer Vermarktungstochter SevenOne Media ab. Teilweise sind mehrere in der gleichen Branche, sprich es sind oftmals direkte Konkurrenten, denen sie Media-Leistungen anbieten. Da sind wir agnostisch, wie sonst bei der klassischen TV-Werbung auch. Sie werden bei uns jedoch keine Spots von Unternehmen direkt hintereinander ausgestrahlt sehen, die untereinander im direkten Wettbewerb stehen.

Im Vorjahr gab es viele Zukäufe, in diesem Jahr auch?

Wir wachsen sowohl organisch als auch durch Zukäufe. Unsere Strategie ist es verstärkt cluster zu bauen, also mehrere Firmen aus einem Segment zu kaufen oder selbst aufzubauen, die sich optimal ergänzen und im Ganzen mehr sind als die Summe ihrer Teile. So wie im Reisebereich, in dem wir Portale wie weg.de, Wetter.com, Billiger-Mietwagen und MyDays bündeln.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%