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exklusivRadio: Chef des Deutschlandradios fordert Ende des UKW-Funks

08. Februar 2014
Willi Steul Quelle: Deutschlandradio Bettina Fürst-FastréBild vergrößern
Der Chef des Deutschlandradios, Willi Steul, fordert das Ende des UKW-Funks. Quelle: Deutschlandradio Bettina Fürst-Fastré
von Thomas Kuhn

Der Chef des Deutschlandradios, Willi Steul, fordert das Ende des UKW-Funks und den Umstieg auf das Digitalradio DABplus.

„Statt weiter auf Technik aus der Radio-Steinzeit zu setzen, sollten wir endlich den Umstieg auf das Digitalradio schaffen“, sagt 63-jährige der WirtschaftsWoche. Steul leitet als Intendant die Sendergruppe aus Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen.

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„Spätestens 2016 ist die DABplus-Versorgung flächendeckend“, so Steul. Er drängt daher die Politik endlich auch beim UKW-Radio einen festen Ausstiegstermin festzulegen. Eine Übergangsfrist von zehn Jahren sei machbar. Bis dahin hätten alle – Hörer und Sender – die Zeit, sich umzustellen, so Steul. Vorbild ist der Wechsel vom analogen Fernsehen auf die Digitaltechnik DVB-T von 2003 bis 2008.

DABplus biete den Hörern deutlich besseren Klang, ermögliche vermarktbare Zusatzdienste und bie-te immenses Sparpotenzial, wirbt Steul für den Wechsel. Allein ein Drittel der 36 Millionen Euro, die sein Haus jährlich für den analogen Sendebetrieb zahle, entfielen etwa auf Mittel- und Langwelle. „Über DABplus könnten wir mehr Menschen erreichen, für einen Bruchteil der Kosten. Das ist die Technik der Zukunft.“ Ein DABplus-Programm bundesweit zu übertragen, sei schon für 500.000 Euro möglich.

Dass der Umstieg auf die Digitaltechnik dennoch stocke, liege nicht an technischen Hindernissen, sondern an Widerständen der großen privaten und öffentlich-rechtlichen Sender, die neue Konkurrenz fürchten, kritisiert Steul seine Branche. „Mit DABplus sind Frequenzen nicht mehr knapp, es lassen sich viel mehr Programme übertragen als über UKW, und das auch noch spottbillig.“ Doch wer „nur im Besitzstand denkt, um Monopole zu schützen, verpennt die Zukunft“, ist der 63-Jährige überzeugt.

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Kommentare | 13Alle Kommentare
  • 03.03.2014, 13:00 Uhrwunderfitz

    @Registrierter Benutzer: DAB-Autoradio-Fachmann: Eigentlich wurde hier schon alles geschrieben. Trotzdem: Da wurde in der Schweiz mit allem TamTam DAB 2007 eingeführt. Kurz darauf kam DAB+. Alle Deppen die damals DAB Empfänger gekauft haben können die jetzt entsorgen, weil nur noch SRF 1 und Musikwelle zu hören sind und auch die nicht mehr allzu lange. Die Musikdynamik auf DAB+ ist geringer als auf FM. Dann die schrecklichen (an die 50iger Jahre erinnernden) Kofferradiöli. Mal Kubus, mal rechteckig in Schwarz oder weiss.
    Gibt es doch eine an Hi-Fi erinnernde Anlage, dann kostet sie 3Mal soviel wie eine tolle FM Hi-Fi Anlage. Fahre ich mit dem Auto über die Grenze ist mit DAB+ nach ein paar Kilometer Schluss mit Empfang. Mit FM kann ich in weiten Teilen des Süddeutschen Raumes SRF1 und SRF3 hören.
    Fazit: FM noch möglichst lange behalten. Hat nichts mit OPA Radio zu tun.

  • 24.02.2014, 01:31 UhrJoshx

    Ein Lob dem digitalen Engagement des Deutschlandfunks. Aber die Forderung, die Ultrakurzwelle abzuschalten, schießt über das Ziel hinaus. Als Grund dafür die teure Mittel- und Langwelle zu nennen, ist etwas daneben. Und Fernsehen als Vorbild für Radio herzunehmen, ist schlicht Unsinn, weil es ganz unterschiedliche Medien für ganz unterschiedliche Konsumierungsgewohnheiten sind.

    DAB+ hält nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht, was Herr Steul verspricht. Das läßt sich nur teilweise auf Kinderkrankheiten schieben. Es sind eine Reihe systembedingter Probleme, die DAB+ als Ersatz für analoges Radio ungeeignet machen. Beispiel: Die Steinzeittechnik Ultrakurzwelle - übrigens ganze zwei Jahre älter als Herr Steul selbst - rauscht zwar bei schlechtem Empfang, wenn ich das Radio in ein anderes Zimmer mitnehme, aber ermöglicht mir gerade dadurch, die Position des Radios so zu verändern, daß der Empfang nicht unterbrochen wird. Das ist entscheidend bei Wortprogrammen wie dem Deutschlandfunk. Bewege ich das Digitalradio, rauscht es nicht - immerhin erfüllt es damit ein Versprechen. Dafür verstummt es, gibt mir keinerlei Hinweis auf eine bessere Position und braucht, wenn es denn wieder Empfang hat, immer noch ein paar Sekunden, um wieder zu spielen. Dabei geht mindestens ein ganzer Satz verloren - das wäre für ein Dudelprogramm egal, für den Deutschlandfunk ist es unakzeptabel.

    Ich hoffe, die Politik behält Augenmaß und läßt sich nicht zu unüberlegten Entscheidungen hinreißen, die wir alle später bereuen. Und: Ich finde es schade, daß die empfangstechnisch weniger störrische Mittelwelle mit ihrem angenehm weichen Klang fast völlig verstummt ist. Da aber deutsches Radio - analog wie digital - musikalisch so eintönig geworden ist, kommt nun die wirklich gute Musik aus Holland oder Frankreich. Es geht doch! Auch deshalb macht mir mein 20 Jahre alter Weltempfänger nach wie vor mehr Freude als die beiden inzwischen schon wieder kaputten Digitalempfänger.

  • 14.02.2014, 09:46 UhrGerd

    Nicht der Weg ist das Ziel! Als Radiomacher bin ich daran interessiert meine Nachrichten, Beiträge, Sendungen, Hörspiele, Konzerte an den Rezipienten zu bringen - direkt oder zum Abruf. Dabei spielt DAB/DAB+ nur eine untereordnete Rolle, denn die Empfänger dafür sind rar. Das Digitalradio der Zukunft ist ein Stück software, eine 'app', die den Inhalt auf die Endgeräte bringt, die HörerInnen gerade nutzen: Küchenradio,Stereoanlage, Autoradio, Handy, Tablet, SmartTV, Laptop, Computer, u.v.a.m. Es ist eine medienpolitische, regulatorische Herausforderung, die Verbreitung über alle Wege und Netze für qualitativ hochwertigen Medieninhalt diskriminieungsfrei sicherzustellen. UKW abzuschalten bedeutet den Ast abzusägen, auf dem man gerade sitzt.

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