Reaktion auf Buskonkurrenz: Deutsche Bahn prüft Strategie im Fernverkehr

Reaktion auf Buskonkurrenz: Deutsche Bahn prüft Strategie im Fernverkehr

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn will ihren ICE- und Intercity-Verkehr neu ausrichten. Die Gründe: Eine neue Konkurrenz auf der Straße - und eine schwache Nachfrage.

Die Fernbusse setzen der Deutschen Bahn zu. Im vergangenen Jahr verlor der Konzern rund 20 Millionen Umsatz und damit Gewinn an die neue Konkurrenz auf der Straße. Für dieses Jahr rechnet Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg mit einem Umsatzminus von 50 Millionen Euro. Wenngleich der Konzern die Höhe des Umsatzverlustes nicht überrascht gibt Homburg zu, "dass wir die Geschwindigkeit der Entwicklung unterschätzt haben". 44 Prozent der Bus-Fahrgäste wären früher Bahn gefahren, vor allem mit dem ICE oder Intercity. Aber auch Reisende des Regionalverkehrs würden inzwischen Bus fahren.

Die Deutsche Bahn reagiert nun, indem sie den gesamten Fernverkehr auf der Schiene auf den Prüfstand stellt. "Wir arbeiten an einer strukturellen Neuausrichtung des Fernverkehrs", sagte Homburg. Dabei gehe etwa es um die Frage, welche Strecken im Fernverkehr auf Dauer nachgefragt würden. Auf einigen Strecken wie Hamburg-Berlin wäre ein Ausbau der Verbindungen oder Sitzplatzangebote denkbar. Nachgedacht wird offenbar auch über einen Halbstundentakt auf bestimmten Strecken. "Das ist ein Thema, das uns beschäftigt", so Homburg. Allerdings gebe es auf den Hauptrelationen zurzeit keine zusätzlichen Trassen.

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Auf anderen Strecken werde sich die Nachfrage hingegen zurück entwickeln. "Verkehre, die für uns nicht mehr interessant sind, werden wir möglicherweise nicht mehr fahren", sagt Homburg. Da müsse man sich auch ein Stück weit von Emotionen lösen. Seit einem Dreivierteljahr arbeiteten Mitarbeiter an einem "dauerhaft tragfähigen Geschäftsmodell im Schienenpersonenfernverkehr".

Homburg sieht die Bahn in einer ungünstigen Sandwichposition. Oben gebe es die Billigflieger, unten stehe der Fernverkehr im harten Wettbewerb mit ausgedehnten Regionalverbindungen und nun auch den Fernbussen. "Der Pkw ist schon immer unsere direkte Konkurrenz gewesen", so Homburg. Und der gefallene Spritpreis habe Bahnfahrten gegenüber dem Straßenverkehr relativ verteuert.

Die Bahn sieht vor allem von zwei Seiten unter Druck. Zum einen liegen die Kosten deutlich höher als bei Verkehrsträgern auf der Straße. Fernbusse bieten Preise an, zu denen die Bahn nicht einmal die Infrastrukturnutzung bezahlen könnte. Der durchschnittliche Erlös bei Fernbussen läge bei fünf Cent pro gefahrenen Personenkilometer, auf bestimmten Strecken sogar nur vier Cent. Der Bahn kostet allein die Nutzung der Trassen und Bahnhöfe fünf bis sechs Cent. "Davon ist noch kein Personal und kein Bahnstrom bezahlt", so Homburg. In den Preiswettbewerb mit den Fernbusse werde die Bahn aber nicht einsteigen.

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