Recyclingunternehmen Alba: Hoffnung auf chinesische Müllberge

Recyclingunternehmen Alba: Hoffnung auf chinesische Müllberge

von Jacqueline Goebel

Millionen Verluste, schlechte Bewertungen, unzufriedene Aktionäre: Der Müllentsorger Alba steckt in der Krise. Die Inhaber Axel Schweitzer und sein Bruder, der DIHK-Präsident Eric Schweitzer, suchen Aufträge in China.

Axel Schweitzer hat gute Nachrichten aus Hongkong mitgebracht. Der 45-Jährige hat dort seinen Zweitsitz - aus guten Gründen: Er und sein Bruder Eric, als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) einer der wichtigsten Unternehmensvertreter Deutschlands, hoffen auf Geschäfte mit der bevölkerungsreichsten Nation und ihren Müllbergen.

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Den ersten großen Auftrag hat Axel Schweitzer mittlerweile ergattert: Alba soll zehn Jahre lang die alten Kühlschränke, Klimaanlagen, Fernseher und Waschmaschinen der Millionenmetropole Hongkong einsammeln und in einer eigenen Anlage entsorgen. Mit einem Umsatz von über 300 Millionen Euro sei das der größte Auftrag der Firmengeschichte, sagt Schweitzer.

Verpackungsfrei einkaufen Tüten und Kartons bleiben uns erhalten

Kunden wollen beim Einkauf keine Verpackungen, legt eine aktuelle Studie nahe. In der realen Supermarktwelt ist davon bislang wenig zu merken. Nur eine kleine Öko-Elite nimmt "verpackungsfrei" wirklich ernst.

huGO-BildID: 2237802 ** ARCHIV ** Ein Kaeufer verlaesst am 30. Juli 2002 mit vollen Plastiktueten ein Kaufhaus in Gelsenkirchen. 100 Jahre ist es her, dass der Wiener Fabrikant Max Schuschny eine Tragetasche mit zwei Henkeln und festem Boden herstellte - die Vorlaeuferin der modernen Plastiktuete. Fuer die Verpackungshersteller sind Tueten und Taschen ein Insignum modernen Einkaufslebens und eine bleibende Einnahmequelle, fuer die Kaufhaeuser ein effektiver Werbetraeger und fuer die Kunden ein praktisches Transportmittel. (AP Photo/Martin Meissner) ** zu unserem KORR. APD9308 ** ## ** ARCHIV ** Ein Kaeufer verlaesst am 30. Juli 2002 mit vollen Plastiktueten ein Kaufhaus in Gelsenkirchen. 100 Jahre ist es her, dass der Wiener Fabrikant Max Schuschny eine Tragetasche mit zwei Henkeln und festem Boden herstellte - die Vorlaeuferin der modernen Plastiktuete. Fuer die Verpackungshersteller sind Tueten und Taschen ein Insignum modernen Einkaufslebens und eine bleibende Einnahmequelle, fuer die Kaufhaeuser ein effektiver Werbetraeger und fuer die Kunden ein praktisches Transportmittel. (AP Photo/Martin Meissner) ** zu unserem KORR. APD9308 ** Quelle: AP

Für Alba ist das ein erster Erfolg nach zwei Jahren voller schlechter Schlagzeilen. Zum zweiten Mal in Folge schrieb die börsennotierte Tochter Alba SE dieses Jahr Verluste: Unter dem Strich häuften sich im vergangenen Jahr 39,9 Millionen Euro Miese an – und damit nur nur ein paar Millionen Euro weniger als 2013, als die Recyclingspezialisten mit 43,6 Millionen Euro Verlust das schlechteste Jahr der Unternehmensgeschichte präsentieren mussten.

Der Umsatz der Kölner Tochter ist seit dem von 1,7 auf 1,6 Milliarden Euro zurückgegangen. Für den Mutterkonzern mit Sitz in Berlin müssen die Schweitzer-Brüder keine Zahlen veröffentlichen. Doch viel besser soll die Situation dort auch nicht aussehen.

Das Familienunternehmen kämpft: Vor allem die miesen Geschäfte in der Stahlbranche machen der Alba Gruppe zu schaffen, die über die Hälfte ihres Umsatzes von insgesamt 2,6 Milliarden Euro mit Metall- und Stahl-Recycling macht. Die europäischen Werke produzieren zu viel Stahl, und gleichzeitig ist der Preis für Roherz im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent gesunken.

Damit fällt nicht nur weniger Stahl- und Metallschrott an, für die Hersteller lohnt es sich auch kaum noch, recycelte Materialien anstatt den billigen Rohstoff zu verwenden.

Wie viel Müll jährlich recycelt wird

  • 2.392.000 Tonnen Glas

    Recycelt: 100%

    Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand 2012

  • 5.462.000 Tonnen Verpackungen

    Recycelt: 80%

    Verbrannt: 20%

  • 8.098.000 Tonnen Papier

    Recycelt: 99%

  • 9.249.000 Tonnen Biomüll

    Recycelt: 99%

    Biomüll = Park- und Gartenabfälle sowie Abfall aus Biotonnen

  • 13.989.000 Tonnen Restmüll

    Recycelt: 16%

    Verbrannt: 84%

  • 2.398.000 Tonnen Sperrmüll

    Recycelt: 57%

    Verbrannt: 43%

Das ist ein Problem, denn seit der Übernahme der Alba SE (früher Interseroh) ist die Unternehmensgruppe hoch verschuldet. Und mittlerweile fällt es den Schweitzer-Brüdern schwer, das Vertrauen ihrer Anleger zu sichern. So machten die alten Interseroh-Inhaber im vergangenen Jahr von ihrem Recht Gebrauch, ihre Aktien an Alba SE zu einem festen Preis an die Unternehmensgruppe zu verkaufen.

Seit dem muss sich Eric Schweitzer, als DIHK-Präsident einer der wichtigsten Unternehmensvertreter Deutschlands, nicht nur mit Fragen zur Erbschaftssteuer herumschlagen, sondern auch mit Gerüchten um Finanzierungsschwierigkeiten seines eigenen Konzerns.

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