Regionalverkehr: Teurer Vorbehalt

von Christian Schlesiger und Reinhold Böhmer

Konkurrenten jagen der Bahn immer mehr Aufträge im Nahverkehr ab und verklagen sie wegen zu hoher Preise auf dem Schienennetz.

Die Nahverkehrstochter der Deutschen Bahn, DB Regio, steht unter Druck. Von den 2013 bis Ende Mai neu vergebenen regionalen Verkehrsstrecken konnte das Unternehmen nur 36 Prozent gewinnen. Das geht aus internen Unterlagen der Deutschen Bahn für den Aufsichtsrat vor, die der WirtschaftsWoche vorliegen. Allen voran Konkurrenten wie Abellio, eine Tochter der holländischen Staatsbahn, und neue Angreifer wie der britische Verkehrskonzern National Express machten der Bahn schwer zu schaffen. Das Ergebnis ist eine Verschlechterung gegenüber 2012, als DB Regio kaum jede zweite Ausschreibung für sich entscheiden konnte.

Anteil der Deutschen Bahn und ihrer Konkurrenten an den vergebenen Aufträgen im regionalen Schienenpersonennahverkehr von Januar bis Ende Mai 2013

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Damit wird der derzeitige Marktanteil von DB Regio von rund 75 Prozent auf Dauer kaum zu halten sein. Das Unternehmen verliert dadurch langfristig mehrere Hundert Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Vor diesem Hintergrund hatte der neue DB-Regio-Chef Manfred Rudhart vor Kurzem in der WirtschaftsWoche gemahnt: „Wir müssen schlanker, besser und effizienter werden.“

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Damit nicht genug, bescheren die Konkurrenten der Bahn auch an anderer Stelle Ungemach. Den internen Unterlagen zufolge sieht sich die Infrastruktursparte des Staatskonzerns derzeit mehr als 40 Klagen vor Gericht ausgesetzt, in denen andere Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) 60 Millionen Euro von der Bahn zurückverlangen. Begründung: Die Bahn stelle zu viel für die Nutzung des Schienennetzes und der Bahnhöfe in Rechnung. „EVU im Schienenpersonennahverkehr zahlen die Entgelte zunehmend unter dem Vorbehalt der späteren Rückforderung“, schreibt der Bahn-Vorstand in der Vorlage für den Aufsichtsrat.

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Die Gesamtrisiken, die daraus für die Bahn resultieren, summieren sich dem Papier zufolge auf 1,04 Milliarden Euro. Die Konkurrenten bezweifeln, dass die Bahn ihre Preise für das Schienennetz und die Bahnhöfe nach billigem Ermessen festgesetzt hat – auf gut Deutsch: nachvollziehbar und ohne Wettbewerber zu schädigen oder zu diskriminieren. So kritisierte der Fernverkehrsbetreiber Hamburg-Köln-Express (HKX), dass die Bahn den Preis für den Stopp an den Bahnhöfen so nach der Länge der Züge festsetzte, dass HKX gegenüber Intercitys oder ICE benachteiligt wurde. Die Bundesnetzagentur verdonnerte die Bahn daraufhin zu einer Neukalkulation.

Eine unlautere Preispolitik der Bahn könnte aber auch den Steuerzahler schädigen. Denn in der Regel geben Nahverkehrsunternehmen höhere Preise für die Trassen und die Bahnhöfe an die Verkehrsverbunde und Landesgesellschaften weiter. So fordert der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe Geld von der Bahn-Netzsparte zurück, weil diese die Schienennutzung zwischen Siegen, Münster und Paderborn durch spezielle Regionalfaktoren verteuerte und zu viel für die Nutzung der Bahnhöfe verlange.

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