Reise-Riese: Der Schrumpfkurs von Tui ist richtig

AnalyseReise-Riese: Der Schrumpfkurs von Tui ist richtig

Bild vergrößern

Friedrich Joussen

von Hans-Jürgen Klesse

Tui-Chef Friedrich Joussen will nach der Fusion mit Tui Travel mehr als 100 kleinere Tochtergesellschaften verkaufen. Warum die Konzentration auf das Kerngeschäft richtig ist und wo die Knackpunkte liegen.

Friedrich Joussen geht seinen Weg. Anfangs wurde er skeptisch beäugt und teilweise belächelt, weil er als Branchenfremder zum größten europäischen Ferienkonzern kam und sich bei den ersten öffentlichen Statements auch die eine oder andere Ahnungslosigkeit leistete. Aber das ist längst vergessen. Inzwischen ist er in der Branche anerkannt, seine Kollegen von Thomas Cook dürften ihn beneiden, wenn nicht bewundern. Und bei den Kleinaktionären der Tui ist Joussen beliebt und wird gefeiert wie ein Star.

Nicht nur, weil er ihnen nach Jahren mal wieder eine kleine Dividende zukommen ließ. Sondern vor allem, weil er ihnen das wohlige Gefühl gegeben hat, Mitbesitzer eines erfolgreichen Unternehmens zu sein. Ein Gefühl, das die Anteilseigner jahrelang vermisst hatten.

Anzeige

Respekt erworben hat sich Joussen auch bei den immer noch engagierten wie den mittlerweile ausgestiegenen Großaktionären. Bei der ersten Gruppe um Hauptanteilseigner Alexej Mordaschow, weil er ihnen wieder eine Zukunftsvision gegeben hat. Und beim norwegischen Großreeder John Fredriksen, der jahrelang die Hauptversammlungen aufmischte und die Tui zerschlagen wollte, weil er durch den Kursanstieg der vergangenen eineinhalb Jahre die Chance hatte, sein Engagement halbwegs gesichts- und vermögensschonend zu beenden.

Joussens Erfolgsgeheimnis: Er packt an, was lange liegen geblieben war, setzt um, was sein Vorgänger Michael Frenzel immer geplant hatte, aber nie vollenden konnte. Und er hat die nötige Fortune, damit das, was er macht, auch gelingt.

Im ersten Schritt wurden die Kosten der Holding in Hannover gesenkt, nachdem die Mutter Tui AG jahrelang die von der britischen Tochter Tui Travel überwiesenen Gewinne verbrannt hatte. Im zweiten Schritt sollen Mutter und Tochter integriert werden.

Fusion mit Tui Travel Tui wird zum größten Touristikkonzern der Welt

Tui-Chef Friedrich Joussen ist seinem Ziel, Europas größten Tourismuskonzern zukunftsfest zu machen, einen Schritt näher gekommen. Durch die Fusion mit Tui Travel könnte der größte Touristikkonzern der Welt entstehen.

Quelle: pressebild / montage

Geld verdienen

Vorgänger Frenzel hatte den integrierten Reisekonzern geplant, der auf allen Wertschöpfungsstufen Geld verdient: Als Veranstalter von Pauschalreisen, die unter verschiedenen starken Marken in ganz unterschiedlichen regionalen Märkten über eigene stationäre und virtuelle Vertriebskanäle verkauft werden. Und vor allem, bei denen die Kunden mit konzerneigenen Fluggesellschaften an ihre Ferienorte transportiert werden, wo sie in konzerneigenen Hotel- und Clubanlagen oder auf eigenen Kreuzfahrtschiffen ebenso starker Marken ihren Urlaub verbringen. Dieses Konzept will Joussen überarbeiten.

Vor allem aus der Steuerung der Urlaubsströme mit dem Ziel, die urlaubende Kundschaft von der ersten bis zur letzten Ferienminute mit konzerneigenen Dienstleistungen zu umsorgen, ergeben sich denn auch die Synergien der Zusammenlegung: Die AG hat derzeit Zugriff auf eigene Hotel- und Kreuzfahrtkapazitäten für fünf Millionen Reisende im Jahr, bei den Veranstaltern der Tochter Tui Travel buchen aber rund 30 Millionen.

Urlaubstrend Griechenland war der Sommer-Renner

Griechenland, Spanien und die Türkei waren die beliebtesten Sommer-Reiseziele für deutsche Urlauber 2013. Neu ist eine Sommer-Garantie bei TUI: Bei schlechtem Wetter kann die Reise verschoben werden.

Urlauber liegen an einem Strand unter dem Sonnenschirm Quelle: dpa

Pauschalreisen

Das Potenzial besteht darin, zusätzliche Hotels und Schiffskabinen für jene 25 Millionen zu schaffen, die bisher zwar bei Tui buchen, aber nicht in einem Tui-Bett schlafen. Zumal Betten an Land und auf See – und vielleicht irgendwann auch mal wieder der Platz im Flugzeug - eine viel höhere Rendite bringen als der Handel mit deren zur Pauschalreise kombinierten Gesamtangebot. Diese auf Dauer alle im System zu halten, soll irgendwann das große Geld bringen.

Pauschalreisen für viele, das soll wieder zum Tui-Kerngeschäft werden. Darum ist es nur konsequent, wenn das Portfolio kritisch gesichtet wird. Viele Fusionen gehen schief oder bringen nicht die erhofften Ergebnisse, weil zu viele Aktivitäten unter dem größer gewordenen Dach beibehalten werden. Das verwässert letztlich die Rendite.

Gut 100 der insgesamt 650 Konzerntochtergesellschaften will Joussen verkaufen. Darunter sind etwa kleine Spezialveranstalter für Sprachreisen oder Abenteuertouren und Anbieter von Charteryachten, aber auch große Vermittlungsportale, bei denen andere Reiseveranstalter sich Hotelkontingente beschaffen.

Der angenehme Nebeneffekt: Der Verkauf dieser Randaktivitäten bringt Geld in die Kasse, was dann an die Aktionäre verteilt oder für weiteres Wachstum in neue Hotels und Musikdampfer investiert werden kann. Beides zusammen sind die Voraussetzungen, damit auch der Aktienkurs von Tui United weiter steigt.

weitere Artikel

Welthandel und Weltwirtschaft

Wie gesagt: Mit dem, was Joussen bisher gemacht hat und dem, was noch auf seiner To-do-Liste steht, ist er auf einem guten Weg. Wenn er jetzt noch die britischen Tui-Travel-Aktionäre überzeugen kann, der Zusammenführung zuzustimmen – bei den Tui-AG-Anteilseignern dürfte das ohne Probleme über die Bühne gehen, nachdem Großaktionär Mordaschow grünes Licht gegeben hat – ist das meiste geschafft.

Sein einzig bisher noch nicht abschließend gelöstes Problem ist der 22-Prozent-Anteil an der defizitären Containerreederei Hapag-Lloyd. Zwar ist der Ausstieg beschlossene Sache und soll im kommenden Jahr über die Bühne gehen. Die buchhalterische Trennung wurde schon vollzogen. Was Hapag-Lloyd an Geld in den sieben Weltmeeren versenkt, taucht nicht mehr in der TUI-Bilanz auf. Aber das ist vorerst Kosmetik. Entscheidend ist, ob die Reederei mit dem Transport von Containern irgendwann wieder Geld verdienen kann. Das wiederum hängt vor allem von der weiteren Entwicklung von Welthandel und Weltwirtschaft ab. Und die kann nicht mal Joussen beeinflussen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%