Reisende brauchen gute Nerven: Germanwings streicht 100 Flüge wegen Streiks

Reisende brauchen gute Nerven: Germanwings streicht 100 Flüge wegen Streiks

, aktualisiert 15. Oktober 2014, 16:50 Uhr
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Bei Germanwings wird erneut gestreikt.

Reisende erwischt es diese Woche heftig: Erst legen die Lokführer am Mittwoch den Bahnverkehr lahm. Einen Tag später streiken wieder Piloten. Germanwings wird am Donnerstag rund 100 Flüge canceln.

Reisende in Deutschland treffen Streiks in dieser Woche doppelt hart. Kurz nach dem Ende des Ausstands der Lokführer wollen am Donnerstag um 12.00 Uhr die Kapitäne der Lufthansa-Tochter Germanwings bundesweit für zwölf Stunden die Arbeit niederlegen, wie die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch in Frankfurt ankündigte. Reisende müssen sich zum Ende der Herbstferien in Nordrhein-Westfalen und Thüringen auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen.

Bedauerlicherweise habe Lufthansa alle Kompromissvorschläge der VC im Konflikt um die Übergangsrente der Piloten nicht aufgegriffen und mauere weiter, erklärte die Gewerkschaft. „Deswegen müssen sich die Kunden in der nächsten Zeit auf weitere Streiks einstellen“.

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Germanwings werde am Donnerstag rund 100 von 500 Flügen streichen, kündigte ein Sprecher der Fluglinie am Mittwochnachmittag an. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte in Berlin: „Ich bedauere, dass gerade am Ferienende wieder tausende Menschen betroffen sein werden.“ Laut Germanwings sind im Streikzeitraum allein 1100 Babys und Kinder auf Flüge der Linie gebucht.

Zuletzt hatten die Piloten bei Germanwings Ende August für sechs Stunden die Arbeit niedergelegt. 116 Flüge fielen aus.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

  • Hinweise der Verbraucherschützer

    Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, welche Rechte betroffene Fluggäste haben.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (1)

    Die Airline muss laut EU-Verordnung einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt anbieten. Alternativ können Fluggäste bei Annullierung des Flugs vom Luftbeförderungsvertrag zurücktreten und sich den Flugpreis erstatten lassen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (2)

    Bei Ausgleichszahlungen ist die Lage strittig. Nach bislang überwiegender Ansicht gelten Streiks als "außergewöhnliche Umstände", und dann braucht die Fluggesellschaft nicht zu zahlen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (3)

    Findet der Flug verspätet statt, sichert die europäische Fluggastrechte-Verordnung folgende Rechte zu: Anspruch auf kostenlose Betreuung besteht ab zwei Stunden Verzögerung bei Kurzstrecken (bis 1500 km), ab drei Stunden bei Mittelstrecken (bis 3500 km) und ab vier Stunden bei Langstrecken. Die Airline muss dann für Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Telexe, Faxe oder E-Mails sowie eventuell notwendige Hotelübernachtungen (falls sich der Flug um einen Tag verschiebt) samt Transfer sorgen.

  • Ansprüche gegen die Fluggesellschaft (4)

    Wollen die Fluggäste die Reise bei einer mehr als fünfstündigen Verspätung nicht mehr antreten, können sie ihr Geld zurückverlangen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (1)

    Der Reiseveranstalter ist der erste Ansprechpartner, wenn der ausfallende Flug Teil einer Pauschalreise ist. Auch der Veranstalter hat die Pflicht, schnellstmöglich für eine Ersatzbeförderung zu sorgen.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (2)

    Erst, wenn der Flieger mehr als vier Stunden verspätet ist, kann je nach Flugstrecke ein Reisemangel vorliegen. Dann können für jede weitere Verspätungsstunde fünf Prozent des Tagesreisepreises vom Veranstalter zurückverlangt werden.

  • Ansprüche gegen den Reiseveranstalter (3)

    Wenn durch den Streik Reiseleistungen ausgefallen sind, haben Urlauber die Möglichkeit, nach ihrer Rückkehr den Preis der Reise zu mindern.

Lufthansa warf der Gewerkschaft vor, der Streikaufruf „richtet sich ganz offensichtlich gezielt gegen Familien“. Zum Ende der Herbstferien in Nordrhein-Westfalen hätten viele Urlauber ihre Rückreise für Donnerstag gebucht. „Damit verabschiedet sich die Pilotengewerkschaft ganz offensichtlich von ihrem Grundsatz, nicht in erster Linie die Passagiere der Lufthansa Gruppe treffen zu wollen“. VC gehe es nicht um eine konstruktive Lösung, sondern vielmehr um den größtmöglichen Schaden bei Lufthansa.

Germanwings ist vor allem an den Flughäfen in Nordrhein-Westfalen vertreten. Standorte sind Köln/Bonn, Düsseldorf und Dortmund. Darüber hinaus fliegt die Lufthansa-Tochter Berlin, Hannover, Hamburg und Stuttgart an. Die Fluggesellschaft kündigte auf ihrer Homepage an, um 17.00 Uhr einen Ersatzflugplan veröffentlichen zu wollen.

Bahn Streik dauert bis Donnerstag

Die Streiks im Zugverkehr in Deutschland erreichen einen neuen Höhepunkt: Reisende bei der Deutschen Bahn müssen bis Donnerstagnacht mit Verspätungen und Ausfällen rechnen.

Die Lokführergewerkschaft erwartet von Bahn noch Zugeständnisse. Quelle: dpa

Seit April hat Cockpit in sechs Streikwellen mehr als 4300 Flüge mit rund 500.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. In dem Tarifkonflikt geht es um die künftigen Übergangsrenten für 5400 Piloten und Co-Piloten der Fluggesellschaften Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings. Die Lufthansa hat die bisherigen Regeln zum Jahresende 2013 gekündigt. Sie will erreichen, dass die Piloten frühestens mit 60 (bislang 55) Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können. Zudem soll das durchschnittlich zu erreichende Austrittsalter von 58 auf 61 Jahre angehoben werden. Dazu wurden komplexe Übergangsregeln angeboten.

Lufthansa erklärte, ihr zuletzt konkretisierter Vorschlag sehe einen umfassenden Bestandsschutz für alle bisherigen Piloten vor. „Von der VC ist bislang kein Angebot zur Neuregelung der Übergangsversorgung bekannt.“

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