Rhön-Klinikum: Die Krawallbrüder der Klinikszene

Rhön-Klinikum: Die Krawallbrüder der Klinikszene

, aktualisiert 08. August 2013, 08:00 Uhr
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Gegner ausgebremst: Eugen Münch, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Rhön-Klinikum-AG.

von Jürgen Salz

Drei gestandene Unternehmerpersönlichkeiten kämpfen um die Macht beim Rhön-Klinikum. Jedem geht es vor allem ums eigene Ego. Einer liegt gerade mit dem Kartellamt im Clinch. Am Ende werden wohl alle verlieren.

Alle haben sie Großes geleistet. Eugen Münch baute Deutschlands erste private Klinikkette Rhön-Klinikum auf, Bernard große Broermann den Hamburger Konkurrenten Asklepios. Ludwig Georg Braun machte den Klinikzulieferer B. Braun im hessischen Melsungen zu einem Weltunternehmen. Zudem diente das Familienoberhaupt bis 2009 der Wirtschaft als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Inzwischen rangeln die drei Ausnahme-Unternehmer um Macht und Einfluss beim Rhön-Klinikum (Umsatz 2012: 2,9 Milliarden Euro; der Konzerngewinn stieg im ersten Halbjahr 2013 um ein Prozent auf 50,8 Millionen Euro, erwartet werden für 2013 Umsätze von rund 3,03 Milliarden Euro).

Umsatz und Bettenzahl in Deutschlands Klinikketten

  • Helios Kliniken (Übernahme von Rhön möglich)

    Umsatz: 3,2 Mrd. Euro

    Betten: 23.286

  • Asklepios

    Umsatz: 3,0 Mrd. Euro

    Betten: 26.549

  • Rhön-Klinikum (Übernahme durch Helios möglich)

    Umsatz: 2,9 Mrd. Euro

    Betten: 17.089

  • Sana Kliniken

    Umsatz: 1,8 Mrd. Euro

    Betten: 9678

Eugen Münch: Mit eisernem Ellenbogen

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Der Typ: Münch ist gelernter Müller. Wegen einer Mehlallergie sattelte er in den Sechzigerjahren um und studierte Betriebswirtschaft. 1974 schmiedete er im fränkischen Bad Neustadt Rhön-Klinikum, Deutschlands erste private Klinikkette. Mit seiner hemdsärmeligen Art gelang es Münch, gerne bei Bier oder Wein, Kommunalpolitikern ein Krankenhaus nach dem andern abzuschwatzen, insgesamt 54 Spitäler, die heute 2,9 Milliarden Euro Umsatz machen. Auch als Aufsichtsratschef kann Großaktionär Münch (12,5 Prozent) noch nicht loslassen. Der gemütliche Pfeifenraucher entpuppt sich bei näherem Hinsehen als schwieriger Patriarch, der den Managern häufig dazwischenfunkt.

Die Rhön-Klinikum AG

  • Mitarbeiter

    Die Rhön-Klinikum AG beschäftigt mehr als 39.000 Ärzte, Schwester und Pflegepersonal.

  • Patienten

    Im ergangenen Jahr behandelten die Kliniken des Rhön-Verbunds rund 2,2 Millionen Patienten.

  • Entwicklung

    Das Unternehmen startete 1973 mit 66 Mitarbeitern. Rhön-Gründer Eugen Münch brachte das Unternehmen 1989 an die Börse. Seit 1996 ist das Unternehmen im MDax.

Sein Problem: Münch hat keine Kinder. Den alternden Gründer treibt es, die Zukunft von Rhön zu sichern. Daher entschloss er sich schweren Herzens, sein Lebenswerk an den Dax-Konzern Fresenius zu verkaufen. Aus dessen Klinikgruppe Helios und den Rhön-Kliniken soll die größte deutschlandweite Krankenhauskette mit sechs Milliarden Euro Umsatz und mehr als 40 000 Betten entstehen. Doch dazu muss Münch eine Hürde überwinden, die er einst selbst zum Schutze seines Unternehmens errichtete: die Zustimmung von 90 Prozent der Aktionäre.

Im vergangenen Sommer scheiterte der Patriarch damit, obwohl mehr als 80 Prozent der Anteilseigner dafür waren. Ausgerechnet der Krankenhauslieferant B.Braun und der Erzrivale Asklepios blockierten die Übernahme – heimlich hatten sie etwa zehn Prozent der Rhön-Anteile zusammengekauft.

Rhön-Klinikum Aktionäre klagen gegen HV-Beschlüsse

Der Krankenhauskonzern Rhön-Klinikum bekommt Ärger mit einigen seiner Aktionäre: Gegen Beschlüsse der Hauptversammlung werden Anfechtungsklagen erhoben. Der Streit reicht einige Zeit zurück.

Die privatisierte Uniklinik Gießen-Marburg befindet sich in der Verwaltung der Rhön Klinikum AG- Quelle: dpa

Seine Finten: Um den Zusammenschluss dennoch durchzubekommen, bedient sich Münch der Rechtsanwaltskanzlei Bub Gauweiler. Deren Kopf, Bayerns Ex-Innenminister Peter Gauweiler (CSU), ist für Penetranz bekannt. Gauweilers Kanzlei trieb schon die Manager der Deutschen Bank zur Weißglut, indem sie erst für Medienunternehmer Leo Kirch kämpfte und heute für dessen Erben streitet. Gauweiler kämpft um Schadensersatz für Kirchs Pleite, die angeblich durch eine Äußerung des damaligen Bankchefs Rolf Breuer befördert wurde. Er quält das Kreditinstitut mit Anfechtungsklagen wegen Formfehlern auf Hauptversammlungen.

In dieser Mission setzt nun auch Münch die Bayern ein. Prompt sorgte Gauweiler-Anwalt Franz Enderle bei der Rhön-Hauptversammlung am 12. Juni mit dafür, dass Münch die Herabsetzung der Annahmeschwelle gelang: indem er die Gegenstimmen von B.Braun nicht mitzählte, da angeblich ein Formfehler vorlag. Nach Ansicht der Braun-Seite hätten die Stimmen berücksichtigt werden müssen. Über die Nichtberücksichtigung ließ Versammlungsleiter Münch die übrigen Aktionäre im Dunkeln. Seither ist klar, wie Münchs Ankündigung zu verstehen war, er werde mit „Eisenellenbogen“ kämpfen.

Warum er verliert: Vor wenigen Tagen reichten Asklepios und B.Braun vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth eine Anfechtungsklage gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung ein. Es kann Jahre dauern, bis die Gerichte entscheiden. Der Zusammenschluss rückt damit erst mal in weitere Ferne. Es sei denn, Münch fällt noch eine weitere Finte ein. Auch eine Kooperation erscheint denkbar.

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