Rücktritt: Roland Koch verlässt seine Baustelle

Rücktritt: Roland Koch verlässt seine Baustelle

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Roland Koch gab am Montagabend überraschend seinen Rücktritt bekannt.

Nach dem Abstoß des Tiefbau-Geschäfts geht bei Bilfinger eine weitere Ära zu Ende: Roland Koch verlässt das Unternehmen, es bleiben ihm nur noch wenige Tage als Vorstandsvorsitzender.

Er kam als schillernde Figur - und geht als Verlierer. Die Tage Roland Kochs an der Spitze des Industriedienstleisters Bilfinger sind gezählt. Am Montagabend gab Hessens ehemaliger Ministerpräsident seinen Rücktritt bekannt. Er war das Paradebeispiel des Politikers, der in die Wirtschaft wechselt. Nun wird sein Vorgänger Herbert Bodner auch sein Nachfolger, zumindest übergangsweise. Kochs Vision von Zentralisierung brachte unterm Strich nicht das gewünschte Ergebnis. Am Ende wurden ihm zwei Gewinnwarnungen innerhalb kurzer Zeit zum Verhängnis. Die Zahl der Kritiker wuchs stetig.

Das war zu viel für ein Traditionsunternehmen, das einst als sehr verlässlich galt in der Einhaltung seiner Prognosen. Das Vertrauen am Kapitalmarkt sei erschüttert, erklärte Koch - und zog die Reißleine. Wie überraschend diese Entscheidung tatsächlich kam oder ob er schon länger diesen Schritt in Erwägung gezogen hatte, bleibt erst einmal sein Geheimnis. „Ich hoffe, mit meinem Angebot eine schnelle Normalisierung herbeiführen zu können.“ Er nannte Differenzen mit dem Aufsichtsrat, in dem es schon länger Spannungen gab - massiv seit der ersten Gewinnwarnung.

Bilfinger Roland Kochs erste schwere Krise als Vorstandschef

Ein Großprojekt nach dem anderen: Roland Koch hat bei Bilfinger zu viel auf einmal angepackt, werfen ihm interne Kritiker vor. Die Manager beklagen irrationale Vorgaben.

Quelle: dpa

Auch beim in der Branche als streitbar bekannten Bilfinger-Großaktionär Cevian Capital dürfte die zweifache Prognosesenkung in kurzer Folge und der dadurch ausgelöste Kursrutsch alles andere als Begeisterung ausgelöst haben. Der Investor hat im Mai seinen Anteil an Bilfinger auf mehr als ein Fünftel aufgestockt. Eine Veränderung der Besetzung des Vorstands sei nicht geplant, hieß es damals. In der Branche gilt der Investor aber generell als ein aktiver Spieler. Auch von dieser Seite dürfte für Koch zuletzt der Druck deutlich zugenommen haben. Der Bilfinger-Aktienkurs ist seit April 2014 um mehr als ein Drittel eingebrochen.

Koch dreht den Konzern seit Monaten auf links, kappt Kosten, streicht Stellen und treibt die Zentralisierung voran - auch gegen interne Widerstände. Kürzlich kehrte Koch sogar dem Tiefbau den Rücken, mit dem bei dem Unternehmen einst 1880 alles losging. Dafür bekam er Lob von den Analysten, aber auch Kritik aus den eigenen Reihen. Es war ein großer Schritt für ein Unternehmen, das rund 120 Jahre lang ein Baukonzern war - und das viele immer noch vor allem mit Bau in Verbindung bringen. „Das ist uns im Vorstand in der Diskussion nicht leicht gefallen“, sagte Koch vor den Aktionären. „Dieses Geschäftsfeld hat sehr zur Reputation und auch zum Wohlstand unseres Unternehmens beigetragen.“

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Die Umwandlung vom Baukonzern zu Dienstleistungen wie Wartungen rund um Industrieanlagen, Kraftwerke und Immobilien hatte Koch zwar schon von seinem Vorgänger übernommen. Zuletzt hatte er aber auch von Gewerkschaftsseite massiv Gegenwind bekommen, die den geplanten Stellenabbau scharf kritisierte. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der IG Bau, Dietmar Schäfers, wetterte vor einigen Wochen: „Koch spricht von einem erheblichen Personalabbau bei Bilfinger, aber beruhigt die Shareholder mit gleichbleibender, hoher Dividende.“ Er betreibe Unternehmensführung „wie von gestern“. So lautstarke Gewerkschafts-Kritik ist bei Bilfinger mehr als ungewöhnlich. Den Wandel vom Bau- zum Dienstleistungskonzern hatten die Arbeitnehmer über Jahre bereitwillig mitgetragen. Der Stabwechsel zurück an Bodner werde kameradschaftlich sein, das Verhältnis zwischen den beiden sei fast schon eine Freundschaft, betonte ein Unternehmenssprecher. „Koch ist ja immer sehr an Kommunikation interessiert.“

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