Sauerland: ARD verlängert TV-Vertrag mit Boxstall nicht

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Sauerland: ARD verlängert TV-Vertrag mit Boxstall nicht

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Die ARD ist uneins, ob es auch weiterhin Boxen im Ersten geben soll

von Peter Steinkirchner

Der Berliner Boxstall Sauerland kämpft weiter um einen neuen Fernsehvertrag mit dem Ersten. Der ARD-Programmdirektor hat angekündigt, den laufenden Vertrag nicht über Ende 2014 hinaus verlängern zu wollen.

Smack, smack, smack - mit trockenen Schlägen deckt Arthur Abraham den schwarzen Sandsack ein. "Gut Arthur, locker bleiben", raunzt Trainer Ulli Wegner. "Und gleich noch zehn Kilometer laufen", stöhnt Abraham - und grinst dann. Der Weltmeister quält sich gern: Er bereitet sich im historischen Turnhaus im Berliner Olympiapark auf den nächsten Kampf vor. Am 3. Mai verteidigt er seinen Titel im Supermittelgewicht des Verbands WBO gegen den Montenegriner Nicola Sjekloca.
Doch für Wegner, Abraham und seinen Boxstall Sauerland geht es um weit mehr als den WM-Gürtel. Fraglich ist, ob es das traditionsreiche Sportunternehmen, das Champions wie Henry Maske, Sven Ottke und Axel Schulz hervorgebracht und Boxen in Deutschland populär gemacht hat, in dieser Form künftig noch geben wird.

Denn am 31. Dezember endet der etwa 26 Millionen Euro teure, zwei Jahre laufende TV-Vertrag zwischen Sauerland und der ARD. Europas größter Boxstall würde gern verlängern und weiter acht bis zehn TV-Kampfabende im Jahr organisieren. Das Gros der Sauerland-Erlöse stammt aus dem Kontrakt. Doch die Vorsitzenden der ARD-Aufsichtsgremien wollen Boxen aus dem Programm verbannen. Ruth Hieronymi, Chefin des WDR-Rundfunkrates: "Das Ziel beim Profiboxen, den Gegner bis zur Wettkampfunfähigkeit zu schlagen, ist mit den Anforderungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht zu vereinbaren."

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Jetzt hat auch ARD-Programmdirektor Volker Herres ein Signal an die Faustkämpfer geschickt: „Das Erste“ gab am Montag bekannt, den auslaufenden Vertrag in der vorliegenden Form nicht verlängern zu wollen. Als Begründung nannte Herres „finanziell enger werdende Perspektiven im Sportrechteetat“. Der, so heißt es innerhalb der ARD, werde zwar nicht schrumpfen. Doch vor allem die Gremien wünschen sich seit Jahren mehr und andere Sportarten im Programm und versuchen Einfluss zu nehmen auf dessen Gestaltung – damit ist ein Konflikt um Grundsätze vorprogrammiert.

Denn gegen das Veto fürs Boxen wehrten sich bereits vor Herres‘ Ankündigung Programmmacher wie ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Ihre Perspektive ist ganz klar: Boxen beschert dem Ersten am Samstagabend bis zu 4,5 Millionen Zuschauer - mehr als jede andere Sendung auf diesem Sendeplatz. Redakteure und auch einzelne Intendanten der neun ARD-Anstalten wollen sich ihr erfolgreiches Programm nicht einfach so abschießen lassen.

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Boxer Quelle: dpa

Schlimmer noch: Sie fürchten einen Präzedenzfall für den künftigen Rechteeinkauf, sollten sich die Aufseher durchsetzen. "Der Kampf ums Boxen hat hohen Symbolwert", sagt ein hochrangiger ARD-Mitarbeiter. "Es geht auch darum, wer in Sachen Inhalte eigentlich das Sagen hat - Programmverantwortliche oder Gremien."
Tatsächlich sind die ganz großen Zeiten des Faustkampfs in der Glotze vorbei. Einschaltquoten wie zu Maskes Zeiten Mitte der Neunzigerjahre, als oft mehr als 17 Millionen zuguckten, sind Geschichte. Allenfalls die Klitschko-Brüder Vitali und Wladimir, die ihr Manager zu gern als "Willi und Walter Klitschmann" eingedeutscht hätte, kommen heute noch auf mehr als zehn Millionen TV-Fans. Doch auch in einer Medienlandschaft, in der die Quoten wegen der Internet-Konkurrenz sinken, sorgt Boxen für überdurchschnittliche Werte.

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