Schicksalsjahre für Tui: Milliarden-Fusion mit Rückenwind und neuen Aufgaben

AnalyseSchicksalsjahre für Tui: Milliarden-Fusion mit Rückenwind und neuen Aufgaben

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Tui-CEO Friedrich Joussen

von Stephan Happel

Die Fusionspläne mit Tui Travel sind geglückt, das Sparprogramm oneTui greift, die Bilanz stimmt: Tui hat ein ziemlich gutes Jahr hinter sich. Doch für den Reise-Giganten gehen die Herausforderungen weiter.

„Es war ein erfolgreiches Jahr“, sagt er und schiebt mit stolzer Stimme hinterher: „Das nächste wird es auch“. Dieser Mittwoch ist ein guter Tag für Friedrich Joussen. Der Geschäftsführer der Tui AG gibt auf der Bilanz-Pressekonferenz den Sieger.

Tui geht mit viel Rückenwind in Milliardenfusion mit der Tochter Tui Travel. Im abgelaufenen Geschäftsjahr legte der Umsatz des Gesamtkonzerns um ein Prozent auf 18,7 Milliarden Euro zu. Wichtiger noch: Tui kehrt in die Gewinnzone zurück. 105 Millionen Euro Plus, statt elf Millionen Minus in 2013 zuvor. Seinen Aktionären verspricht der Konzern eine Dividende von 33 Euro-Cent je Aktie.

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Wie TUI wachsen will

  • RIU Hotels & Resorts

    Bestand: 100
    Betten: 87.400
    Wachstumsziel: 3 bis 5 neue Hotels pro Jahr

  • TUI Hotels & Resorts

    Bestand: 108
    Betten: 54.400
    Wachstumsziel: bis zu 60 neue Hotels innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre

  • Robinson

    Bestand: 24
    Betten: 13.600
    Wachstumsziel: 16 neue Clubanlagen

  • TUI Cruises

    Bestand: 3
    Betten: 6.300
    Wachstumsziel: 3 bis 5 neue Schiffe

    Quelle: Unternehmensangaben

Besonders erfreulich für den Reiseriesen: Der Aufschwung betrifft alle Geschäftsbereiche. Die britische Tochter Tui Travel hat ihre Zahlen bereits in der vergangenen Woche vorgelegt und mit einem kräftigen Gewinnplus die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Aber auch im Hotelgeschäft legte der Konzern gut zu. Joussen verkündete gestiegenen Umsatz, eine gute Nachfrage und höhere Durchschnittserlöse pro Bett.

Bei den Kreuzfahrten hat der Konzern die selbstgesteckten Ziele übertroffen. Machte der Bereich 2013 noch knapp 14 Millionen Miese, liegt das operative Ergebnis 2014 bei einem Plus von zehn Millionen. Im Gegensatz zu Tui Cruises ist die Hapag-Lloyd-Flotte trotz deutlicher Verbesserungen allerdings weiter ein Verlustgeschäft.

Der Erfolg des Sparens

Diese Entwicklung gibt offenbar Zuversicht. Für das laufende Geschäftsjahr strebt Tui beim bereinigten Ebita zehn bis fünfzehn Prozent Wachstum an. Damit würde der Konzern die von Joussen ausgegebene Richtmarke „rund eine Milliarde“ erreichen.

Die positive Entwicklung von Tui überrascht in ihrer Deutlichkeit, die Tendenz jedoch war klar. Seit Joussen im Oktober 2012 die Führung übernahm, kam der lange kriselnde börsennotierte Konzern wieder auf Kurs. Die Zahlen entwickelten sich gut, die Aktie hat sich erholt. Trotz kleinerer Einbrüche liegt ihr Wert derzeit mehr als drei Mal so hoch wie noch Mitte 2012.

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Quelle: dpa


Joussen kam, um zu sparen - und hatte Erfolg. Mit dem Strategieprogramm oneTui griff der ehemalige Vodafone-Manager durch, strich unter anderem 100 Arbeitsplätze in der Hannoveraner AG-Zentrale, schaffte die firmeneigenen Jets ab und kündigte sämtliche Sponsorenverträge. Er drückte die Kosten der Zentrale von 73 auf knapp 45 Millionen Euro, und sparte der Holding im laufenden Geschäftsjahr weitere Millionen an Zinsen durch Umschuldung.

Tui-Aktien ab 17. Dezember an der Börse

Mit der genehmigten Übernahme der britischen Tochter Tui Travel gelang Joussen Ende Oktober aber der wohl wichtigste Coup. „Geburtsstunde einer neuen Tui AG“ nannte er den entscheidenden Moment auf der außerordentlichen Hauptversammlung.

Jetzt steht der Abschluss der Fusion kurz bevor: Ab dem 12. Dezember werden die neuen Tui-AG-Aktien ausgegeben. Am 17. Dezember notieren sie an der Londoner Wertpapierbörse.

Zahlen zu Vergleichsportalen der Reiseanbieter

  • 34 Millionen Deutsche

    ...buchen Hotels und Flugtickets über das Internet.

  • Mehr als 8 Milliarden Euro

    ... Jahresumsatz erzielen Online-Reiseportale in Deutschland.

  • 9.729 Reisebüros

    ... gab es 2013, vor zehn Jahren waren es noch 13.753.

Es ist das Ende einer schlechten Notlösung und läutet den Abbau überflüssiger, teurer Doppelstrukturen ein – zur Freude vieler Analysten: Der Abschluss der Fusion mit Tui Travel vereinfache die Struktur des Reisekonzerns erheblich, heißt es etwa aus der Berenberg-Privatbank. Die Commerzbank sieht Tui wegen der zu erwartenden Synergie-Effekte in einer Aufwärtsspirale.

Tatsächlich ist das Potential enorm: Einmaligen Integrationskosten von rund 45 Millionen Euro stehen laut Tui gigantische Einsparpotentiale entgegen. 65 Millionen Euro Ersparnis im operativen Geschäft soll der Schritt bringen. Dazu kommen jährlich steuerliche Vorteile, die sich auf Basis des vergangenen Geschäftsjahres auf weitere 35 Millionen Euro pro Jahr addieren.

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