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Schnäppchenportal: Groupon stürzt Partner ins Rabattchaos

31. Juli 2012
Sascha Branse - Wandwerke: Seine Gutschein-Aktion bei Groupon war zu erfolgreich. Branse brauchte Monate um die 34.000 Bestellungen abzuarbeiten und zahlt jedes mal draufBild vergrößern
Sascha Branse - Wandwerke: Seine Gutschein-Aktion bei Groupon war zu erfolgreich. Branse brauchte Monate um die 34.000 Bestellungen abzuarbeiten und zahlt jedes mal drauf
von Melanie Bergermann und Nele Hansen

Die Schnäppchenjagd auf dem Internet-Portal Groupon wird für Unternehmen, Gewerbetreibende und die Käufer der Rabattscheine immer öfter zum Albtraum.

Wenn Sascha Branse die Probleme schildert, die ihm eine Gutschein-Aktion mit dem Internet-Rabattportal Groupon eingebrockt hat, sinkt seine Stimmung. An die 34.000 Kunden kauften bei Groupon einen Gutschein für 9,99 Euro, um damit in seinem Online-Shop Wandwerke.de Schmuck für blankes Gemäuer im Wert von 40 Euro zu erstehen.

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Die fünfstellige Zahl an Kunden auf einen Schlag bringt den Kleinunternehmer aus Gronau an der niederländischen Grenze mit seinen 14 Mitarbeitern an den Rand des Ruins. Zum einen ist Branse mit seinen Lieferungen Monate im Rückstand, weswegen sich die Kunden bitter auf Facebook über ihn beschweren. Zum anderen landen von den 9,99 Euro, die sie für den 40-Euro-Wertgutschein zum Einkauf bei ihm gezahlt haben, gerade einmal fünf Euro in seiner Firmenkasse.

So enttäuscht wie Sascha Branse sind viele Kleinunternehmer, die sich von Gutscheinen via Groupon einen Schub für ihr Geschäft versprochen haben. Stattdessen brechen sie unter der Last der ungeheuren Zahl der eingelösten Gutscheine zusammen. Ihre Läden sind zu klein, um dem Kundenansturm standzuhalten. Trifft es Online-Versandhändler, verspäten die sich hoffnungslos mit ihrer Lieferung. Im Gegenzug schäumen die Käufer der Gutscheine, weil sie wochenlang auf einen Tisch im Restaurant warten oder ohne den erhofften Champagner zur Hochzeit oder zum Geburtstag dastehen. Enttäuschte Kunden machen in sozialen Netzwerken oder Verbraucherportalen ihrer Wut Luft.

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SEC nimmt Groupons Zahlenkorrektur unter die Lupe

Groupon bekommt Probleme nicht in den Griff

Wer auch immer die Schuld trägt, geht das Chaos so weiter, läuft alles auf einen großen Verlierer hinaus: auf Groupon. Der Stifter all der vertrackten Dreierbeziehungen scheint die Probleme nicht in den Griff zu bekommen. Die wachsende Zahl neuer Vorwürfe wecken Zweifel an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells.

Dabei ist die Idee so genial wie einfach: Das amerikanische Internet-Portal, das im November vergangenen Jahres an die Börse ging, bietet Unternehmen an, Gutscheine für ihre Produkte oder Dienstleistungen online zu verkaufen: für eine Massage, eine Autowäsche, eine Reinigung, einen Flammkuchen oder ein Wandtattoo mit der Skyline von Magdeburg. Dazu schließen die Unternehmen mit Groupon einen Vertrag. Interessiert sich eine bestimmte Zahl Konsumenten für einen Gutschein, kommt ein sogenannter Deal zu Stande. Das heißt, Groupon stellt die Gutscheine aus, zieht das Geld dafür bei den Käufern ein und sendet ihnen den Gutschein zu, den sie dann beim Unternehmen einlösen können. Das Unternehmen erhält in der Regel die Hälfte des Gutscheinwerts. Die andere Hälfte behält Groupon als Provision.

Was auf den ersten Blick wie ein wohl überlegtes Kalkül dreier Parteien aussieht, nämlich des Unternehmens, der Kunden und von Groupon, endet aber in der Praxis offenbar immer wieder im Fiasko. Unmittelbar rechnet sich die Aktion für die Unternehmen fast nie. Denn der Gutschein-Rabatt ist oft so hoch, dass er im besten Fall die Kosten des Unternehmers deckt. Viele Firmen machen deshalb mit, weil sie darauf hoffen, dass zufriedene Kunden auch ohne Gutschein wiederkommen.

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Kommentare | 21Alle Kommentare
  • 31.07.2012, 10:44 Uhrder_leser

    Ich kann das als Groupon Kunde bestätigen, die Anbieter die nicht aufpassen werden von Groupon über den Tisch gezogen! Das Vetriebskonzept errinert an eine Drückerkolonne. Ich habe schon einige Abende mit Gastwirten verbracht die mir ihr Leid geklagt haben.

    Anbieter die die Regeln kennen und die Gutscheine begrenzen kommen mit Groupon sehr gut klar.

    Man muss ja keinen Vertag abschließen! Nachhaltig ist das Ganze allerdings nicht, ich frage mich auch wie das mit Rabatten von 50% und dazu noch eine Provision von 50% funktionieren soll.

  • 31.07.2012, 11:28 Uhrtraceur

    Als Kleinunternehmer muss ich mir eben Gedanken machen, wie viel Mehrarbeit durch Gutscheine ich meinem Unternehmen zumuten kann.
    Tut mir zwar leid für die Unternehmer, aber wer nur seinen Umsatz im Blick hat und nicht die nötige Weitsicht, der ist eben selbst Schuld!

  • 31.07.2012, 13:30 UhrPriexo

    In letzter Zeit häufen sich zwar solche Berichte über Groupon, aber ich hatte von Anfang an das Gefühl, es gibt Probleme, wenn Unternehmen mehr Gutscheine verkaufen, als sie in der Lage sind zu bedienen. Das ist sicherlich nicht nur die Schuld von Groupon, auch wenn die angesprochenen Fakten anrüchig und nach Drückerkolonnen klingen.

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