Schwache Logistiktochter : Deutsche Bahn ist unzufrieden mit Schenker Logistics

Schwache Logistiktochter : Deutsche Bahn ist unzufrieden mit Schenker Logistics

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Inzwischen fährt DB Schenker auch weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus, trotzdem macht die Bahn-Tochter Probleme

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn versprach sich von Schenker Logistics hohe Umsätze. Doch die Tochter enttäuscht die Erwartungen - und gefährdet die ehrgeizigen Ziele von Bahnchef Rüdiger Grube.

Was zusammengehört, soll endlich zusammenrücken. Darum baut Schenker, die Logistik- und Speditionstochter der Deutschen Bahn, eine neue Zentrale. Ende April war Grundsteinlegung in der Kruppstraße in Essen, nicht weit vom Hauptbahnhof. 700 Mitarbeiter aus acht Gebäuden in Essen und Mülheim sollen unter ein gemeinsames Dach. Die Kommunikation werde so „deutlich einfacher“, schwärmt Vorstandschef Thomas Lieb, der Neubau zudem den „künftigen erhöhten Raumbedarf sicherstellen“. 200 zusätzliche Kräfte seien willkommen.

Expansion also auf ganzer Linie – ist die Land-, Luft- und Seefrachtspedition die Wachstumsperle des sonst eher lahmenden Schienenriesen? Aus diesem Grund hatte Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn 2002 das Unternehmen, das bis 1991 zum Bahn-Konzern gehörte, zurückgekauft.

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Doch nach den Erfolgen der ersten Jahre kehrt bei Mehdorns Nachfolger Rüdiger Grube Ernüchterung ein. So richtig angekuppelt an den Konzern wirkt das Speditionsgeschäft bis heute nicht. Eigentlich sollte die Tochter als Umsatzstütze dienen und hohe Gewinne einfahren. Von den Zielen musste sich Grube teils verabschieden. 2014, so seine Vorgabe, soll es wieder bergauf gehen.

Misstrauische Kontrolleure

Die Zeit drängt. Am Wohlergehen der Logistiksparte hängt auch Grubes Zukunft auf dem Chefsessel. Vollmundig kündigte er vor zwei Jahren an, der Konzernumsatz werde sich bis 2020 auf 70 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Doch 2013 sanken die Einnahmen um einen halben Prozentpunkt auf 39,1 Milliarden Euro – vor allem, weil die Sparte DB Schenker Logistics um 3,5 Prozent schrumpfte. Schafft Grube nicht ganz schnell Wachstum im Gütertransport, kann er seine Ziele vergessen.

Der Optimismus, dass dies gelingt, wird vom Aufsichtsrat der Bahn nicht unbedingt geteilt. Die Kontrolleure sind misstrauisch geworden, weil sie von den Erwartungen der Manager bei der Güterbahn und im Speditionsgeschäft mitunter enttäuscht wurden. So kündigte DB-Schenker-Chef Lieb vor drei Jahren ein 30-prozentiges Wachstum bis 2015 an. 2012 schien er mit einem Rekordjahr bei Umsatz und Gewinn noch in der Spur. Doch der Einbruch 2013 rückt sein Ziel in weite Ferne.

Gewinn der Konzerntöchter der Deutschen Bahn 2013 und Abweichung vom Ziel

Gewinn der Konzerntöchter der Deutschen Bahn 2013 und Abweichung vom Ziel. (Zum Vergrößern bitte anklicken.)

Ein Blick in die Planzahlen der vermeintlichen Wachstumsperle von 2009 zeigt das ganze Ausmaß der enttäuschten Hoffnungen vor allem beim Gewinn. Blieben die Schenker-Gesellschaften Spedition und Güterbahn 2013 jeweils knapp drei Prozent unter den damaligen Umsatz-Vorhersagen, rauschte der Betriebsgewinn in der Logistik um 83 und bei der Güterbahn um 451 Prozent runter (siehe Grafik).

Nur ein kleiner Gewinn

Grube wird nun von Kritik an Mehdorns Akquisitionen eingeholt. Der hatte für die frühere Tochter Schenker 2,5 Milliarden Euro hingeblättert und 2006 für 1,1 Milliarden Dollar den US-Logistiker Bax Global erworben. Gegner der Deals bezweifelten damals, dass dies den Gütertransport auf der Schiene beflügeln könnte. Zudem monierten sie, dass ein Staatsunternehmen ins Geschäft privater Konkurrenten wie des Logistikriesen Kühne+Nagel einstieg.

Tatsächlich lassen die Früchte der Einkaufstour bis heute auf sich warten. Die Schienengütersparte gilt zwar als Europas erfolgreichste Güterbahn. Am Jahresende blieb ein kleiner Gewinn von knapp 60 Millionen Euro, der ohne Unwetter und Hochwasser um die Hälfte höher ausgefallen wäre. 2014 lägen die Ergebnisse zudem klar über Vorjahr, heißt es aus Konzernkreisen.

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