Schweizer Franken: Wie eidgenössische Unternehmen mit der Aufwertung leben können

Schweizer Franken: Wie eidgenössische Unternehmen mit der Aufwertung leben können

von Hans-Jürgen Klesse

Viele Schweizer Unternehmen leiden unter der Freigabe des Franken-Kurses – die Aufwertung macht ihre Produkte im Euro-Raum zu teuer. Was sie tun können, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Gerade mal gut zwei Jahre ist es her, da übernahm der schwedische Industriekonzern Atlas Copco das schweizerische Unternehmen Meyco in Winterthur. Die schwedischen Anlagenbauer sind rund um den Globus vertreten und fertigen vor allem Kompressoren und Bergbautechnik. In ihrer eidgenössischen Dependance werden mobile Spezialmaschinen zum Aufspritzen von Beton für den Tunnelbau hergestellt.

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Aber nicht mehr lange. Demnächst soll das Werk geschlossen werden. Gut 40 Jobs fallen weg, die Produktion wird an einen anderen Standort außerhalb der Schweiz verlagert. Atlas ist kein Einzelfall: Auch SR Technics, die Wartungsgesellschaft der früheren Swissair-Gruppe, verkleinert den bisherigen Hauptstandort am Flughafen Zürich-Kloten, rund 250 Arbeitsplätze werden gestrichen, dafür wird in Belgrad ein neues Service-Zentrum eröffnet.

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Viele andere große und mittelständische Unternehmen aus der Schweiz stehen ebenfalls vor Riesenproblemen, haben Kurzarbeit eingeführt oder beschäftigen sich mit Standortverlagerungen ins Ausland. Der Grund: Die starke Aufwertung des Schweizer Franken um rund 20 Prozent beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit, seit der Freigabe des Kurses Anfang Januar brechen die Erträge weg.

Schicksalstag für die Schweiz

Der 15. Januar 2015 wurde zum Schicksalstag für die eidgenössische Wirtschaft: Nicht völlig unerwartet aber für die meisten zu dem Zeitpunkt doch überraschend, beendete die Schweizerische Nationalbank die Koppelung an den Euro, weil die dafür notwendigen Stützungskäufe auf Dauer nicht mehr tragbar schienen. Damit war der seit 2011 geltende Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro Makulatur: Der Euro-Kurs sackte zwischenzeitlich bis auf 0,85 Franken, mittlerweile hat er sich bei einem Verhältnis von 1:1 eingependelt.

Zu den am stärksten von dieser Entwicklung betroffenen Branchen zählt die Tourismusindustrie, zumal die Schweiz schon vor der Wechselkursfreigabe als vergleichsweise teures Reiseland galt. Umgekehrt geht es Touristen aus der Schweiz mit Reiseziel Deutschland, Frankreich oder Italien: Sie bekommen jetzt mehr für ihr Geld als vorher. Auch Rohstoffeinkäufe oder Zulieferungen aus dem Euro-Raum werden tendenziell billiger und sorgen so für eine gewisse Entlastung.

Das reicht aber nicht: Die Franken-Aufwertung reißt bei den Unternehmen mit einem hohen Exportanteil ein Riesenloch in die Kasse: „Wer seine Wertschöpfung überwiegend in der Schweiz erbringt, seine Absatzmärkte aber vor allem im Euro-Raum hat, steht vor einem Riesenproblem“, sagt Jürg Hodel, Partner und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Inova Management AG aus Wollerau im Kanton Schwyz. „Durch die Franken-Aufwertung ist die Marge bei den Euro-Umsätzen um bis zu 20 Prozent gesunken.“

Lohnkürzung, Jobverlagerung, Preissenkung So hart trifft der starke Franken die Schweizer Unternehmen

Nachdem der Franken vom Euro entkoppelt wurde und stark aufwertete haben viele eidgenössische Unternehmen in den Krisenmodus geschaltet. Welche Branchen am härtesten getroffen sind und wie die Unternehmen reagieren.

Euro-Abwertung in der Schweiz Quelle: Getty Images

Besonders stark betroffen sind Unternehmen, die im globalen Wettbewerb stehen: Sie haben kaum die Möglichkeit, ihre in Euro fakturierten Preise zu erhöhen. Zu den Gebeutelten gehören die schweizerischen Anlagen- und Maschinenbauer und die vorwiegend mittelständischen Zulieferer mit Kunden etwa in Deutschland.

Allerdings leidet nicht die gesamte Wirtschaft des Landes gleichermaßen unter der Aufwertung der heimischen Währung: „Unternehmen mit starken Alleinstellungsmerkmalen bei ihren Produkten, wie zum Beispiel Medizintechnikhersteller oder Pharmakonzerne wie Roche mit Patenten auf teure Arzneimittel erwirtschaften traditionell hohe Margen und können die Währungsverluste daher eher weg stecken“, sagt René Bossert, Partner der Unternehmensberatung Inverto aus Köln. „Innovationsführerschaft macht unempfindlich.“

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