Security-Branche: In fünf Tagen zum Sicherheitsmann

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Security-Branche: In fünf Tagen zum Sicherheitsmann

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Sicherheitsgewerbe: Kaum eine Branche wächst so schnell. Einblicke in die fragwürdigste Ausbildung des Landes.

von Konrad Fischer

Kaum eine Branche wächst so schnell wie das Sicherheitsgewerbe. Nirgendwo sind auch die Gefahren des Missbrauchs höher. Einblicke in die fragwürdigste Ausbildung des Landes.

Drogen gehen immer. Ob die Lüftung nicht funktioniert oder das Mittagstief auf die Aufmerksamkeit drückt – plötzlich sind alle wieder da. Marc Boll weiß das, schließlich bildet er seit mehr als zehn Jahren Sicherheitsleute aus. „Also, hatte einer von euch schon mal bei der Arbeit Ärger mit Drogen?“ Ein junger Typ zeigt auf, Can, er trägt die schwarzen Haare zu einer akkuraten Frisur drapiert, wie sie auf den Fußballplätzen, in den Wettbüros und Shisha-Bars des Landes derzeit modern sind. „Ich habe einem Gast Drogen abgenommen, als ich sie bei ihm auf dem Tisch gesehen habe“, erzählt er. „Ganz gefährlich“, sagt Boll. „Wenn ihr die Drogen an euch nehmt, macht ihr euch nämlich selbst strafbar, Inverkehrbringen von Drogen nennt man das.“ Can wendet ein: „Aber es kam sofort die Polizei, und denen habe ich die Drogen übergeben.“ „Dann hast du eigentlich alles richtig gemacht“, sagt Boll. Can ist damit immer noch nicht zufrieden. „Ja, aber am Ende musste ich trotzdem 600 Euro zahlen.“ Boll: „Aber wofür denn, mit den Drogen hast du doch alles richtig gemacht. Ist sonst noch was vorgefallen?“ Can erzählt weiter: „Ich bin mit dem Typen rausgegangen, der wollte seine Drogen wiederhaben, hab ich ihm nicht gegeben. Dann haben wir Polizei gerufen und gewartet.“ „Wie, ihr habt gewartet?“, fragt Boll nach. „Na ja, haben wir Schlägerei gehabt.“ Willkommen bei der Unterrichtung im Sicherheitsgewerbe, Deutschlands wohl fragwürdigster Ausbildung.

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Bundespolizist im Berliner Hauptbahnhof. Quelle: dpa

Wenn über die Wachstumsbranchen des Landes gesprochen wird, dann geht es um Autos, Mittelstand, Maschinen. Rechnet man Wachstum in Arbeitsplätze um, taucht aber eine ganz andere Branche in der Spitze auf: Seit 2010 sind im Sicherheitsgewerbe mehr als 50.000 neue Jobs entstanden, gut 250.000 Menschen arbeiten dort. Derzeit verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit mehr als 15.000 offene Stellen. Insgesamt werden jährlich mehr als fünf Milliarden Euro für Bewachung ausgegeben. Allein die drei größten Anbieter Securitas, Kötter und NWSG setzten mit Sicherheitsdienstleistungen in Deutschland 2014 mehr als 1,2 Milliarden Euro um, knapp 20 Prozent mehr als 2010. Ob in Kaufhäusern, Nahverkehrszügen oder exquisiten Wohngebieten, wo jemand mit wachen Augen seine Runden dreht, fühlen sich die Menschen sicherer. An Bahnhöfen und Flughäfen gilt Selbiges. Hunderttausende ankommende Flüchtlinge, die untergebracht und bewacht werden müssen, haben die Nachfrage seit vergangenem Jahr noch einmal schlagartig erhöht. Gleichzeitig gelten die Mindestlohnjobs mit ihren unmöglichen Arbeitszeiten nicht gerade als übermäßig attraktiv.

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Da drängt sich die Frage auf: Wo kommen all die neuen Mitarbeiter her? Um das herauszufinden, ist der Kurs „Unterrichtung im Sicherheitsgewerbe“ genau der richtige Ort. Wer den absolviert hat, der darf nahezu alle Jobs in der Branche übernehmen, zumindest solange keine Waffen ins Spiel kommen. Auch die Gründung eines eigenen Sicherheitsunternehmen ist dann möglich.

Durchfallquote: Null Prozent

Marc Boll ist ein erfolgreicher Trainer, wenn man sich seine Kategorien zu eigen macht. 21 Teilnehmer sind zur Unterrichtung bei dieser Industrie- und Handelskammer im östlichen Ruhrgebiet gekommen, Trainer und alle Teilnehmer, 19 Männer und 2 Frauen, haben in der Realität selbstverständlich andere Namen. Um hier mitmachen zu dürfen, gibt es nur eine Voraussetzung: Verständnis der deutschen Sprache. Um zu bestehen, müssen die Teilnehmer 40 Stunden Unterricht mitmachen, am Ende steht eine kleine Prüfung. „Aber macht euch da mal keine Sorgen“, beschwichtigt Boll gleich zu Beginn. „Ich habe in diesem Jahr eine Durchfallquote von null Prozent – und ich werde alles tun, um die zu halten.“

Boll ist der Typ freundlicher Rüpel. Tut nichts – solange du nett zu ihm bist. Von seiner Bundeswehrlaufbahn hat er die Muskelpakete behalten, in den Jahren als Chef einer Bewachungsfirma kam das Unternehmerbäuchlein dazu. Er weiß, wovon er spricht – und wie er es an den Mann bringt. Was ist der Unterschied zwischen einem Raub und einem räuberischen Diebstahl? „Beim Raub kommt erst hauen, dann klauen, beim räuberischen Diebstahl ist es umgekehrt.“

Der Kurs ist aufgeteilt in drei Blöcke: Recht, Arbeitsschutz und Umgang mit Menschen. Im Prinzip wird dabei alles behandelt, was für die Sicherheitsmitarbeiter von Bedeutung ist: Bürgerliches Gesetzbuch, Strafgesetzbuch, Schusswaffengebrauch, Drogendelikte. Bloß: 40 Stunden sind wenig Zeit. In vier Tagen will Boll den Kurs durchziehen, am Freitag folgt die Prüfung.

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