Serdar Somuncu: Der Fußball verliert seine Seele

kolumneSerdar Somuncu: Der Fußball verliert seine Seele

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Serdar Somuncu ist Kabarettist und Buchautor.

Kolumne

Die naive Freude am Primitiven wird getrübt: Beim Fußball ist die Leidenschaft nur noch Fassade. Vor allem Transfersummen gehören begrenzt.

Ich bin Fußballfan. Jeden zweiten Samstag sitze ich im Stadion meiner Lieblingsmannschaft und brülle mir die Seele aus dem Leib. Zum einen, weil ich das Spiel mag, zum anderen, weil man sich dabei so herrlich gehen lassen kann. Mittlerweile aber kommen bei mir ernsthafte Zweifel darüber auf, ob ich mit meiner naiven Freude am Primitiven in diesem Business noch richtig aufgehoben bin. Denn im Hintergrund geht es weder um eine Leidenschaft, noch geht es um Lokalpatriotismus. Es geht schlicht und einfach nur um Kohle!

Nun ist das nichts Neues. Seitdem es Sponsoren gibt und Vermarktungsrechte, seitdem das Interesse an den Spielen weltweit so groß ist wie noch nie, wird auch um jeden Euro Einnahme gepokert und um jeden Spieler geschachert, der den Erfolg wahrscheinlicher macht. Was mich neuerdings aber ärgert, ist dass jenseits dieser scheinbaren Normalität aus Fressen und Gefressen werden eine neue Mentalität bei den Vereinen eingezogen zu sein scheint, die einem Menschenhandel ähnelt, wie man ihn sonst von Sklavenmärkten kennt.

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Für absurde Summen werden Talente gekauft und verliehen, es werden Gerüchte gestreut und dementiert. Das Umfeld der Spiele ist ein weitaus größerer Markt als die Spiele selbst. Spielerberater, Presse und Scouts liefern sich ein Wettrennen um die spannendste Meldung, und die Gerüchte um die höchsten Transfersummen wechseln sich im Stundentakt ab. Je dicker man dabei aufträgt, desto besser lässt es sich verkaufen.

50 Millionen für einen mittelmäßigen Abwehrspieler, der mal einen Lauf von drei guten Spielen hat, sind keine Seltenheit mehr. Vor allem englische und chinesische Vereine, die mit horrenden Summen um Spieler bieten, stellen sich so ihre Wunschmannschaften zusammen und scheitern doch immer wieder an der Unberechenbarkeit des Spiels. So holte mit Leicester ein verhältnismäßig mittelloser Verein in dieser Saison die Meisterschaft in der Premier League. Die Taktik scheint also nicht aufzugehen.

Der Fußball verliert seine Seele, und ich fühle mich mehr und mehr verarscht. Mir geht es nämlich gar nicht darum, dass meine Mannschaft immer zu gewinnen hat und bloß nicht absteigen soll. Wer nicht erlebt hat, dass seine Mannschaft dreimal in Folge verliert, der weiß auch nicht, was es bedeutet mit seiner Liebe zu leiden. Wer nicht weiß, wie nagend die Ungewissheit vor dem nächsten Spieltag sein kann, der kennt auch nicht die Freude über den unerwarteten Auswärtssieg, gegen den anscheinend so haushoch überlegenen Gegner.

Gebt also endlich dem Fußball sein Herz wieder zurück, indem ihr die Transfersummen limitiert und Kauffristen und Sperren einbaut, die es unmöglich machen, dass sich die reichen Mannschaften ihre Kader so zusammenstellen, wie sie wollen, und am Ende immer unter sich bleiben. Sodass Fußball wieder das wird, was er einmal war: ein fairer Wettbewerb, bei dem man am Ende stolz auf seine Leistung sein kann und nicht froh, dass der Aufwand und der Ertrag in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen.

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