Siemens Quartalszahlen: Für Kaeser wird die Zeit knapp

Siemens Quartalszahlen: Für Kaeser wird die Zeit knapp

von Matthias Kamp

Um das Margenziel für das laufende Geschäftsjahr zu erreichen, braucht Siemens bis Ende September einen kräftigen Schlussspurt.

In den zurückliegenden zwei Jahren seit seinem Antritt als Siemens-Chef hat Joe Kaeser dem Konzern einen beispiellosen Umbau verordnet. Wichtige Sparten wie die Hörgeräte und die Hausgeräte hat er verkauft. Für mehr als sieben Milliarden Dollar hat er Dresser-Rand, einen amerikanischen Ausrüster für die Öl- und Gasindustrie gekauft. Hierarchieebenen hat Kaeser gestrichen, die Aufteilung des Unternehmens in vier Sektoren hat er aufgehoben, obendrein gut 13.000 Arbeitsplätze abgebaut. Kaeser werkelt überall, und doch tritt der Konzern auf der Stelle. Der Umsatz stagnierte in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres, der Auftragseingang ist rückläufig.

Das Jahr der Konsolidierung sei das Jahr 2015, hat Kaeser gesagt, doch allmählich werden die Investoren ungeduldig. Der Kurs der Siemens-Aktie stagnierte in den vergangenen zwölf Monaten, während der Dax um 15 Prozent zulegen konnte. Im industriellen Geschäft werde Siemens im Ende September endenden Geschäftjahr eine Marge zwischen zehn und elf Prozent erwirtschaften, hat Kaeser versprochen. In den neun Monaten bis Ende Juni lag sie allerdings nur bei 9,6 Prozent. Da ist in den kommenden acht Wochen noch ein kräftiger Spurt nötig, um die Zielmarke zu erreichen. Schon werden böse Erinnerungen an den Sommer 2013 wach, als Kaesers Vorgänger Peter Löscher nach einer Gewinnwarnung seinen Posten räumen musste.

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Die Siemens-Sparten im Vergleich

  • Energy

    Ergebnis
    2013: 1955
    2014: 1569
    Tendenz: -

    Ergebnismarge
    2013: 7,3
    2014: 6,4
    Tendenz: -

    Umsatz*
    2013: 26,6

    2014: 24,6
    Tendenz: -

    *Werte gerundet
    Geschäftsjahresende ist der 30.September
    Quelle: Geschäftsbericht

  • Healthcare

    Ergebnis
    2013: 2033
    2014: 2027
    Tendenz: -

    Ergebnismarge
    2013: 16,1
    2014: 16,3
    Tendenz: +

    Umsatz*
    2013: 12,6

    2014: 12,4
    Tendenz: -

    *Werte gerundet
    Geschäftsjahresende ist der 30.September
    Quelle: Geschäftsbericht

  • Industry

    Ergebnis
    2013: 1563
    2014: 2252
    Tendenz: +

    Ergebnismarge
    2013: 9,2
    2014: 13,2
    Tendenz: +

    Umsatz*
    2013: 16,9

    2014: 17,1
    Tendenz: +

    *Werte gerundet
    Geschäftsjahresende ist der 30.September
    Quelle: Geschäftsbericht

  • Infrastructure & Cities

    Ergebnis
    2013: 291
    2014: 1487
    Tendenz: +

    Ergebnismarge
    2013: 1,6
    2014: 7,9
    Tendenz: +

    Umsatz*
    2013: 17,9

    2014: 18,9
    Tendenz: +

    *Werte gerundet
    Geschäftsjahresende ist der 30.September
    Quelle: Geschäftsbericht

Siemens ist nach wie vor zu sehr mit sich selbst beschäftigt, arbeitet an Strukturen, statt sich aufs Geschäft zu konzentrieren. Sicher, der Konzern hat in der jüngsten Vergangenheit einige Großaufträge wie zuletzt den Milliardenauftrag über mehrere Turbinen in Ägypten hereingeholt. Auch hat Siemens in den vergangenen Monaten in einem insgesamt schwierigen Umfeld eine Reihe von Gastrubinen in den USA und Mexiko verkauft. Das Gefährliche allerdings: Seit Frühjahr 2012  hat der mächtige Konkurrent GE sich in Europa und insbesondere in Deutschland komplett neu sortiert und bläst zum Sturm auf den Platzhirsch.

Als wäre diese Gemengelage nicht schwierig genug, kommen für Kaeser nun noch negative Einflüsse dazu, die er nicht beeinflussen kann. So dümpelt der Ölpreis bei rund 50 Dollar pro Fass, mit der Folge, dass wichtige Ölförderer in großem Stil Investitionen auf Eis legen. Das schlägt auf das Siemens-Geschäft mit Ausrüstungen und Anlagen zur Förderung durch.

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Dazu kommt die schwächelnde Konjunktur in China, wo Siemens zuletzt fast neun Prozent seines Umsatzes erwirtschaftete. Zwischen Oktober 2014 und Juni des laufenden Jahres schrumpfte der Auftragseingang aus China  währungsbereinigt um 17 Prozent, der Umsatz um ein Prozent. „Die Dynamik des Wachstums in China hat deutlich abgenommen“, sagt Kaeser, „und die Reformbemühungen sind ins Stocken geraten.“ Das einstige Boomland sieht der Siemens-Chef inzwischen kritisch. Viel Geld sei in die Infrastruktur geflossen. „Doch ist das alles nachhaltig?“, fragt sich Kaeser.

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