Silicon Valley: Spielgeld im High-Tech-Tal

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Silicon Valley: Spielgeld im High-Tech-Tal

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Springer-Geschäftsführer Keese sieht die Zukunft der Medien bei Smartphones und der personalisierten Tageszeitung

von Peter Steinkirchner und Matthias Hohensee

Wie der Springer-Verlag in Kalifornien nach Deals und Partnern sucht.

Das Geschäft mit der Zukunft läuft im Silicon Valley nach anderen Regeln als in Berlin. Wie man am besten bei spannenden Startups einsteigt, erforscht zurzeit Springer-Geschäftsführer Christoph Keese. Denn verfügbares Spielgeld gibt es genug im High-Tech-Tal. Ausländische Kapitalgeber haben bei wichtigen Deals mit den ersten Adressen nur eine Chance, wenn sie ein Netz mitbringen, das den Interessen der dortigen Investoren dient.

Etwa bei der boomenden Internet-Plattform Airbnb aus San Francisco, auf der Privatleute ihre Wohnungen als Ferienquartier feilbieten und an der Springer beteiligt ist. Das Airbnb-Management erkannte, dass die größte Gefahr für das Wachstum weniger vom Widerstand der Hotelbesitzer ausging, sondern von Kommunalpolitikern wegen der gewerblichen Nutzung von Wohnraum. Bei der Expansion in Deutschland kann Airbnb nun nicht nur auf die Schützenhilfe der Springer-Blätter und die Links der Springer-Portale setzen, sondern auch auf deren politischen Einfluss. Der Einstieg bei Airbnb fand Ende 2011 statt. Das Startup war da schon mit bis zu 1,5 Milliarden Dollar bewertet. Künftig will Springer früher in solche Unternehmen einsteigen.

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Schwaches zweites Quartal "Springer wird zur Vertriebsmaschine"

Springer-Vorstandschef Döpfner schmiedet aus dem "Bild"-Konzern eine digitale Vertriebsmaschine, in der Journalismus nur noch ein Zahnrädchen von vielen ist. Leser sollen mehr bezahlen - und ihre Daten preisgeben.

Springer-Chef Mathias Döpfner baut den Verlag konsequent um, Redaktionen werden kostensparend zusammengelegt Quelle: Reuters

Der Weg zur personalisierten Tageszeitung

Besonders scharf ist Springer auf Ideen, über welche Plattformen Inhalte vermarktet werden, wie das deren Darstellung beeinflusst und wer daran wie verdient. Die wichtigsten Geräte zur Mediennutzung werden Smartphones und Tablets sein, kontrolliert vor allem von Apple mit iPhone und iPad sowie Google mit Android. Schon wegen des Formats der Smartphone-Displays müssen die Inhalte speziell aufbereitet werden.

Bei Springer ist man deshalb unter anderem fasziniert von Prismatic, einem Startup aus San Francisco. Dessen Gründer haben einen Service entwickelt, der auf die Interessen von Lesern abgestimmte Inhalte über eine App auf deren Smartphone anzeigt. Filter sollen mithilfe intelligenter Textanalyse Inhalte regelrecht verstehen und so besser auf einzelne Leser abstimmen. Was diese interessiert, wird über ihr Facebook- und Twitter-Profil ermittelt sowie darüber, ob sie die ausgelieferten Inhalte nutzen.

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Am Ende könnte nicht nur eine Art personalisierte Tageszeitung stehen. Gleichzeitig öffnet sich eine Schatzkiste voller Daten, die sich an werbetreibende Unternehmen verkaufen ließen. Vorantreiben will Springer vergleichbare Entwicklungen auch durch den Startup-Brutkasten Axel Springer Plug and Play, den der Konzern mit dem Silicon-Valley-Finanzierer Saaed Amidi aus der Taufe gehoben hat. Acht deutsche Startups basteln jetzt drei Monate lang in Berlin an ihren Geschäftsideen und präsentieren sich anschließend Investoren. Springer sicherte sich je fünf Prozent der Anteile der Unternehmen.

Konkurrenz der Springer-Marken

Ob das reicht, Springer attraktiver für Startups zu machen? Denn als Investor sei Springer "ein zweischneidiges Schwert", sagt ein Gründer, in dessen Unternehmen der Konzern eingestiegen ist. Zwar habe Springer Reichweite und ein dichtes Vertriebsnetz zu bieten. Das Management stehe auch hinter dem Digitalisierungskurs. Doch seien die Strukturen bürokratisch. Entscheidungen zögen sich bei kleineren Deals oft Monate hin. Einige der Gründer waren daher froh, als Kai Diekmann an die Spree zurückkehrte. Denn da der Zorn des "Bild"-Chefs konzernweit gefürchtet sei, könne er Initiativen vorantreiben, wie es nicht mal Döpfner vermag. Zum Beispiel die Kluft zwischen den Springer-Marken überwinden, die sich gegenseitig Konkurrenz machen wie die intern sogenannte rote ("Bild") und die blaue Gruppe ("Welt") – was auch die Startups spürten.

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