Sir Martin Sorrell: "Digitale Medien haben Sexy-Phase hinter sich"

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InterviewSir Martin Sorrell: "Digitale Medien haben Sexy-Phase hinter sich"

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Martin Sorrell, Chef des von ihm gegründeten Werbekonzerns WPP.

von Yvonne Esterházy und Peter Steinkirchner

Der Vorstandschef des (noch) größten Werbekonzerns der Welt, WPP, jagt den Konkurrenten Omnicom und Publicis vor deren Fusion wichtige Kunden ab und treibt die Werbeausgaben bei Google und Facebook in die Höhe.

Sir Martin, rauchen Sie?

Nein, warum wollen Sie das wissen?

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Weil Ihre Gruppe gerade das millionenschwere Werbemandat des britischen Zigarettenkonzerns Imperial Tobacco an BBDO verloren hat. Künftig werden Davidoff, Gauloises und West von Düsseldorf aus betreut. Was ist da schiefgelaufen?

Solche Details kommentiere ich prinzipiell nicht, fragen Sie doch den Kunden.

Wir wundern uns darüber, dass ausgerechnet Omnicom bei ITG zum Zug kommt, obwohl sich Omnicom-Manager in der Vergangenheit oft vehement gegen Tabakwerbung ausgesprochen haben?

Stellen Sie diese Frage doch besser Omnicom und BBDO.

Ist der Etatverlust ein Zeichen dafür, was auf Sie und WPP bald zukommt, wenn der Zusammenschluss Ihrer beiden größten Konkurrenten Omnicom und Publicis wie erwartet über die Bühne geht?

Ach was, das Gegenteil ist der Fall. Für uns eröffnen sich sogar neue, kolossale Möglichkeiten.

Virale Werbung "First Kiss" steigert Verkäufe von Modefirma um 13.600 Prozent

Ein Kuss-Video lässt die Absatzzahlen des Modeunternehmens Wren explodieren. Angeblich sind die Verkäufe nach der Veröffentlichung von "First Kiss" um fast das 140-fache gestiegen.

huGO-BildID: 33164895 ARCHIV - ILLUSTRATION - Auf einem Laptop ist in Berlin das Internet-Videoportal YouTube zusehen, aufgenommen am 20.07.2012. Musikpreise wie die MTV Awards oder der Grammy bekommen Konkurrenz: Die Videoplattform YouTube will Anfang November eine eigene Verleihung auf die Beine stellen. Showgrößen wie Lady Gaga haben bereits zugesagt. Foto: Britta Pedersen/dpa (zu dpa "YouTube verleiht eigenen Musikpreis - Nutzer sollen mitentscheiden" vom 01.10.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Das müssen Sie bitte beweisen.

Gern, nur ein paar Beispiele: Wir haben Omnicom im vergangenen Sommer den globalen Etat des Rasierzubehöranbieters Gillette abgenommen, mit 800 Millionen Dollar unser größter Zugewinn und einer der größten Etatwechsel in der Werbegeschichte überhaupt. Publicis knöpften wir das 750-Millionen-Dollar-Mandat für Nestlé ab, Omnicom schnappten wir auch Sony weg. Netto haben wir 2013 deutlich mehr, nämlich Geschäfte im Wert von 6,1 Milliarden Pfund dazugewonnen, ein Plus von 57 Prozent. Auch 2014 gibt es viele neue Kunden zu holen: Konzerne wie Vodafone, Telefónica, Sprint oder Microsoft haben Ausschreibungen für ihre Werbebudgets gestartet – da geht es um richtig viel Geld.

Fließt das denn wirklich so üppig? Sie selbst haben bereits den verschärften Preiskampf in der Branche kritisiert.

Seit dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers und der darauf folgenden Krise beobachten wir, dass die Werbekunden sehr darauf bedacht sind, die Kosten zu drücken. Dieser Trend setzt sich bis heute fort. Wir halten das jedoch für falsch, die Kunden sind zu vorsichtig.

Warum ist das so?

Unternehmen müssen weltweit mit großen Ungewissheiten umgehen. Man muss sich nur einmal anschauen, was allein in den vergangenen Monaten passiert ist: Sie wachen morgens auf und sehen im Fernsehen, was gerade in der Ukraine und Russland geschieht. Es gab Proteste in Istanbul, in Caracas und in Buenos Aires. Oder nehmen Sie Großbritannien: Hier wird es bald ein Referendum um die Frage geben, ob Schottland unabhängig wird. Und eines zur Frage nach der künftigen Zugehörigkeit zur EU. Was macht man da, wenn man ein Unternehmen führt?

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