Sky gegen Telekom: Endspurt um die Bundesliga-TV-Rechte

Sky gegen Telekom: Endspurt um die Bundesliga-TV-Rechte

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Um die Übertragungsrechte der Bundesliga für die nächsten Jahre wird momentan noch gerungen - Fußballfans können sich jedoch schon darauf einstellen, dass sie für ihr Hobby zukünftig tief in die Tasche greifen müssen.

von Peter Steinkirchner und Jürgen Berke

Der Kampf um die Bundesligaspiele im Fernsehen geht in die heiße Phase. Heute endet die Bieterfrist für Sky und Rivalen. Wer am Ball bleiben will, könnte den Anbieter wechseln und mehr bezahlen müssen.

Samstagnachmittag, 15.30 Uhr. Draußen regnet’s, die Familie ist verräumt, die Kumpels sitzen auf dem Sofa, Bier fließt. Alles wirkt wie gewohnt. Dennoch ist etwas Entscheidendes anders als früher.

Borussia Dortmund gegen Schalke 04 läuft zwar wie bisher beim Bezahlsender Sky. Zeitgleich spielt aber auf „Liga Total“, dem Internet-Sender der Deutschen Telekom, Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach. Und bereits am Vorabend flimmerte das Nord-Derby HSV gegen Werder Bremen über die Mattscheibe, ebenfalls nicht bei Sky, sondern bei Kabel Deutschland. Wer alle Spiele sehen will, muss dreimal zahlen: für ein Abo bei Sky, bei „Liga Total“ und bei Kabel Deutschland.

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Kostenspieliges Hobby

Wenn Deutschlands Fußballanhänger solche Albträume plagen, dann liegt das an dem Bietergefecht um die Übertragungsrechte der Bundesliga für die Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17. Am Montag um 15.30 Uhr endet die Frist für die erste Bieterrunde. Bis dahin müssen die Angebote für eben diese Spielzeiten bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingegangen sein.

Kommt es ganz dicke, wird danach kaum noch etwas so sein wie zurzeit. Der Livekick in der Glotze kostet dann im Extremfall locker 100 Euro im Monat statt heute mindestens 33,90 Euro im Monat bei Sky. Anstelle der ARD-Sportschau samstags ab halb sieben könnte es ab 19 Uhr eine Sportsendung im Internet auf YouTube geben. Und wenn die Kinder im Trikot ihres Lieblingsvereins längst im Bett liegen, zeigt Sat.1 gegen 22 Uhr als erster kostenlos empfangbarer Fernsehsender Bilder des Spieltages, gespickt mit Werbung und Extra-Reklame-Clips – am liebsten haarscharf vor dem Torschuss.

Nie zuvor zog die Deutsche Fußball-Liga so viele Register, um ihre Ware möglichst vielen unterschiedlichen TV-Sendern, Telefongesellschaften, Kabelanbietern, Internet-Riesen und Spartenkanälen zum Kauf anzubieten – und die Einnahmen nach oben zu jagen. Denn je mehr Schnipsel und Filetfetzen einzeln durch Äther und Kabel schwirren, so das Kalkül, desto mehr Geld können die insgesamt 36 Proficlubs der ersten und zweiten Bundesliga an der Übertragung ihr Glanz- oder Minderleistung auf dem Rasen verdienen.

Wie die Deutsche Fußball-Liga die Spiele zu Geld machen will

  • Deutsche Fußball-Liga

    Besitzt die Übertragungsrechte an den Spielen der ersten und zweiten Fußballbundesliga.

    Empfangbar über: Broadcast (Kabel, Satellit, Antenne), Netscape I (IP-TV) und Netscape II (Web-TV und Mobile-TV).

  • Liveübertragungen

    9 einzelne Pakete mit 200, 70 oder 36 Spielen, darunter z.B. alle Freitagsabend- oder 200 Samstags- und Sonntagsspiele im Bezahlfernsehen.

    Dafür interessieren sich die Telekom, KF15, Kabel Deutschland, Unitymedia und Sky.

  • Aufzeichnungen und Zusammenfassungen

    Nur der Korb mit dem höchsten Gesamtangebot kommt zum Zug.

  • Korb 1: Klassische TV-Sportsendungen

    Besteht aus 5 einzelnen Paketen:

    Sportsendung Samstag von 18:30 bis 20:15 Uhr frei empfangbar

    Sportsendung Samstag ab 21:45 Uhr empfangbar

    Sonntag 6 bis 15 Uhr frei empfangbar

    Sonntag 21:15 bis 23 Uhr frei empfangbar

    Clips im Web- und Mobile-TV samstags ab 18:15 Uhr gegen Bezahlung

    Dafür interessieren sich die ARD, das ZDF, Sat1 sowie Axel Springer.

  • Korb 2: Neue Medien

    Besteht aus 5 einzelnen Paketen:

    Sportsendung Samstag als Stream im Web- und Mobile-TV ab 19 bis 20:15 Uhr frei empfangbar

    Sportsendung Samstag ab 21:45 Uhr im TV frei empfangbar

    Drei einzeln angebotene Zeitfenster am Sonntag im TV frei empfangbar

    Dafür interessieren sich Yahoo, Sport1 und Google.

Zehn Prozent mehr

Im Gegenzug muss ein Sender, der möglichst viel Fußball zeigen will, nun die Summe der anderen Bieter deutlich übertreffen. Beinahe 90 Minuten, die Länge eines Fußballspiels, brauchte Anfang Februar der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, um im lichten Saal Tokyo des Japan Centers in Frankfurt die Vermarktung der mehr als 600 Matches pro Saison im Fernsehen zu erklären.

Mindestens zehn Prozent mehr Einnahmen als bisher erhoffen sich die Proficlubs als Profiteure des Pokers, die in den Spielrunden 2009/10 bis 2012/13 mehr als 1,6 Milliarden Euro von den Sendern einsackten. Keine andere Sportliga in Deutschland kassiert mehr als die Elitekicker. Die Voraussetzungen dafür schuf nicht zuletzt das Bundeskartellamt durch eine fundamentale Änderung seiner Meinung im vergangenen Jahr.

Um die erhofften Einnahmen zu erzielen, schnürte Seifert die Matches zu 19 einzelnen Paketen, die Interessenten jedoch auch im Bündel kaufen können. Um diese bewerben sich 15 Bieter, von denen jeder 20.000 Euro Schutzgebühr bezahlen musste und die der Liga-Chef nun mit allen Mitteln geheim hält. Mit großer Sicherheit sind die ARD und der Bezahlsender Sky, die Telekom und Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland mit von der Millionenpartie, Letztere womöglich im Tandem mit dem Münchner Medienunternehmer Dieter Hahn und seiner Firma KF15.

Bieten werden wohl auch Privatsender wie Sat.1 und der Sportspartensender Sport1. Spekuliert wird in der Branche zudem über neue Bieter wie den Internet-Riesen Google, den deutschen Medienkonzern Axel Springer („Bild“) oder den US-Sportsender ESPN. Liga-Manager Seifert hatte schon vor einiger Zeit der WirtschaftsWoche gesagt: „Sicherlich ist es vorstellbar, dass sich große internationale Internet- oder Medienunternehmen für unsere Rechte interessieren.“ Ausgestiegen dagegen ist bereits der lange als Interessent gehandelte Telekom-Konkurrent Vodafone.

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