Sparprogramm Turbine 2013: Air Berlin - Flug ins Ungewisse

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Sparprogramm Turbine 2013: Air Berlin - Flug ins Ungewisse

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die ersten Details des neuen Sparprogramm von Air Berlin sind bekannt. Der neue Konzernchef Wolfgang Prock-Schauer muss die trudelnde Linie komplett erneuern und sie entweder an den arabischen Großaktionär Etihad ketten – oder weit von ihm lösen.

Wolfgang Prock-Schauer hat es eilig. Kaum eine Woche im Amt hat der 56-jährige gebürtige Österreicher, der am Montag voriger Woche Knall auf Fall den bisherigen Cheflenker Hartmut Mehdorn ablöste, Einzelheiten des noch von Mehdorn angekündigten Sparprogramms „Turbine“ präsentiert.

Es ist mit radikalste Programm, dass sich derzeit eine Fluglinie verordnet. Die Kosten sollen bis 2014 um 400 Millionen Euro oder fast zehn Prozent vom Umsatz sinken. Dafür sollen 900 der gut 4300 Mitarbeiter gehen und die Flotte von heute 158 auf 136 aktive Flugzeuge schrumpfen.

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Für die Linie ist das eine Art letzter Aufruf. Sie braucht sofort einen Komplettumbau. Doch dabei muss sie nicht nur mehr sparen, sondern auch ihre Strategie und besonders das Verhältnis zum Großaktionär Etihad aus Abu Dhabi überdenken, der knapp 30 Prozent an Air Berlin hält.

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Kennziffern: Umsatz, Ebit, Mitarbeiter, Passagiere, Flotte (zum Vergrößern bitte anklicken).

Mag Verwaltungsratschef Hans-Joachim Körber Mehdorns Amtszeit auch positiv werten: In den beiden Geschäftsjahren unter dem Ex-Bahn-Chef schmolz das Eigenkapital weiter, und trotz aller Sparprogramme decken die Ticketverkäufe weniger denn je die Kosten. Der für 2012 versprochene Gewinn rührt aus dem Verkauf des Vielfliegerprogramms an Etihad für großzügige 184,4 Millionen Euro. „Wäre Air Berlin ein Flugzeug, würde sie trudeln“, vergleicht ein Konzernkenner die Lage mit einem gefährlichen Strömungsabriss.

Zu billige Tickets und unklare Strukturen

Porträt von Prock-Schauer Da klaane Wolferl

Wolfgang Prock-Schauer braucht als neuer Chef von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie Air Berlin seine Erfahrung als Sanierer, diplomatisches Geschick und vor allem mehr Glück als in seinen alten Jobs.

Der neue Air Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer Quelle: dapd

Denn an den Gründen für die Misere hat Mehdorn wenig geändert. Obwohl die Linie mit der Übernahme der Billigflieger DBA und Gexx oder der Feriengesellschaft LTU zum Milliardenkonzern gewuchert ist, arbeitet sie noch zu sehr mit unklaren mittelständischen Strukturen. Wegen der veralteten Preissteuerung verkauft sie mehr billige Tickets als nötig. Und die Geschäftsfelder Flüge für Reiseveranstalter, europäische Städteverbindungen und Langstrecke arbeiten eher neben- als miteinander.

Zu schlechter Letzt fordert Etihad mehr Zubringer zu seinen Langstreckenflügen, obwohl Air Berlin beim Beitritt zur Luftfahrtallianz Oneworld mehr Kooperation mit British Airways versprochen hat. "Das zu ändern ist fast ein Himmelfahrtskommando", sagt ein Manager, der den Berliner Chefposten dankend abgelehnt hat.

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