Spekulation um Bahn-Vorstandsposten : Wird Ronald Pofalla einmal Bahnchef?

Spekulation um Bahn-Vorstandsposten : Wird Ronald Pofalla einmal Bahnchef?

von Christian Schlesiger

Bahnchef Rüdiger Grube baut den Konzern um - und will Ronald Pofalla zu seinem Nachfolger machen. Das berichtet der "Spiegel". Das Szenario ist realistisch - in ferner Zukunft.

Als Hartmut Mehdorn Ende 2008 als Chef der Deutschen Bahn unter Beschuss geriet, weil der Konzern jahrelang die Emails von Mitarbeitern mitgelesen hatte und damit eine Vertrauenskrise auslöste, nahm Rüdiger Grube jede Nachricht und jeden neuen Vorwurf mit größter Aufmerksamkeit wahr. Grube achtete auf die Zwischentöne und fragte auch in engeren Branchenkreisen nach, ob sich Mehdorn noch lange würde halten können. Grube wartete auf seine Chance.

Denn nach Mehdorn, so viel wusste Grube zu dem Zeitpunkt, wäre er selbst am Zug. Der damalige Strategievorstand bei Daimler sollte nämlich Nachfolger von Mehdorn werden. Das sah eine geheime Absprache zwischen ihm, Mehdorn und der Kanzlerin Angela Merkel vor. Und es sollte so kommen. Als Mehdorn im März 2009 seinen Rücktritt erklärte, wurde Grube neuer Bahnchef.

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Die wichtigsten Baustellen der Bahn 2015

  • S-Bahn Berlin

    Von Mitte Januar bis Anfang Mai wird auf der Nord-Süd-Verbindung der Oberbau, die Leit- und Sicherungstechnik und der Tunnel unter die Lupe genommen. In dieser Zeit ist die Strecke zwischen Gesundbrunnen und Yorkstraße gesperrt. Von Ende August bis Ende November wird außerdem eine Brückenkonstruktion am erst 2006 eröffneten Berliner Hauptbahnhof saniert. Fernzüge halten dann im unteren Teil des Kreuzungsbahnhofs.

  • Hannover-Göttingen

    Mitte Mai sollen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwölf Weichen erneuert werden. Während der Bauzeit wird die Strecke gesperrt. Der Fernverkehr wird von Hannover über die alte Strecke nach Göttingen umgeleitet. Das dauert 30 Minuten länger.

  • Köln-Frankfurt

    Von Mitte April bis Mitte Mai werden auf der ICE-Strecke 44 Kilometer Schienenstrang ausgewechselt. Dazu wird die Strecke durch den Westerwald an vier Wochenenden gesperrt. Die Züge werden dann am Rhein entlang fahren. Die Fahrzeit verlängert sich um 60 Minuten.

  • Köln-Aachen

    Die Strecke bekommt von Ende Juni bis Mitte August auf 22 Kilometern neue Gleise. Fernzüge fahren einen Umweg über Venlo und brauchen dafür 45 Minuten länger. Auf der Route Köln-Siegen werden im gleichen Zeitraum 35 Kilometer Gleise renoviert. Davon sind in der Bauzeit 77 Nahverkehrszüge betroffen, die durch Busse ersetzt werden.

  • Mannheim-Stuttgart

    Von Mitte September bis Ende Oktober werden auf der Schnelltrasse Gleise und Weichen ausgetauscht. Dafür wird die Strecke zwischen Kraichtal und Stuttgart-Zuffenhausen zeitweise gesperrt. Die Umleitung über die alte Strecke kostet 40 Minuten Fahrzeit.

  • Nürnberg-Ansbach

    Von Anfang März bis April wird ein zehn Kilometer langer Streckenabschnitt saniert. Zeitweise ist eine Sperrung nötig. Die Fernzüge der Linie Nürnberg-Karlsruhe werden über Treuchtlingen umgeleitet. Das dauert 40 Minuten länger als sonst.

  • München-Ingolstadt

    Auf dieser Route wird voraussichtlich noch bis August 2015 die Schienentechnik erneuert, damit Züge künftig dort mit Tempo 200 fahren können. Dabei muss ein alter Damm saniert, Gleise erneuert und neue Signalkabel verlegt werden. Ein Teil der Fernzüge muss über Augsburg umgeleitet werden. Das führt zu einer 30 Minuten längeren Fahrzeit.

Die Absprache zwischen den Dreien kennt bis heute kaum jemand. Grube war in den Neunzigerjahren Mehdorns Büroleiter bei Airbus. Die beiden standen jahrelang in engstem Kontakt. Mehdorn schätzte die fleißige Art von Grube - und brachte ihn bei Merkel als seinen Kronprinz ins Spiel. Die Kanzlerin ließ sich auf das Spielchen ein.

Nun könnte sich dieses System wiederholen. Grube ist Bahnchef, Merkel noch immer Kanzlerin und Ronald Pofalla könnte Grube irgendwann einmal nachfolgen. Das berichtet der Spiegel mit Verweis auf Insider. Wer die oben beschriebene Historie kennt, weiß, dass es so kommen könnte. Grube und Pofalla sind eng befreundet.

Doch bis es soweit ist, vergehen noch viele Jahre. Grubes Vertrag läuft bis 2018 und es gibt keine Anzeichen, dass der 63-Jährige früher aufhören will. Tatsächlich mehren sich die Signale, dass er den vor wenigen Wochen angekündigten Konzernumbau schnell festzurrt, damit seine Position mehr denn je gefestigt ist.

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Bahn-Chef Grube auf dem Weg zum Umbau Quelle: dpa Picture-Alliance

Klar ist, dass sich Pofalla erst einmal beweisen muss. Er ist "Generalbevollmächtigter für internationale und politische Beziehungen" und soll wohl früher als 2017, wie es zunächst vorgesehen war, in den Vorstand aufrücken. Unklar ist, ob er schon in diesem Jahr ins oberste Management vorrückt, denn Grube will den Vorstand eigentlich von acht auf sechs verkleinern. Pofalla könnte vielleicht den Posten von Personalvorstand Ulrich Weber übernehmen, falls dieser sein Amt freiwillig zur Verfügung stellen würde. Dessen Vertrag läuft bis 2017.

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Ob Pofalla dann wirklich einmal Grube-Nachfolger wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst einmal gibt es starke Konkurrenz. Infrastruktur-Vorstand Volker Kefer soll möglicherweise ein Super-Ressort mit Güter, Nah- und Fernverkehr erhalten. Der 59-Jährige hat sich etwa bei den schwierigen Schlichtungsgesprächen bei Stuttgart 21 einen Namen gemacht. Auch er wäre ein würdiger Grube-Nachfolger.

Und dann wäre da noch Bundeskanzlerin Merkel. Sie und Pofalla können gut miteinander. Aber die nächste Bundestagswahl 2017 hat sie noch nicht gewonnen. Ein SPD-Kanzler würde Pofalla ganz sicher nicht zum Bahnchef machen.

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