Spekulationen: Ein zweiter Lufthansa-Billigflieger wäre Unsinn

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Spekulationen: Ein zweiter Lufthansa-Billigflieger wäre Unsinn

von Rüdiger Kiani-Kreß

Angeblich plant Lufthansa einen zweiten Discount-Ableger neben Germanwings. Doch der ergibt nur Sinn, wenn er Kunden und Belegschaft nicht weiter verärgert.

Auf der Jahrestagung des Weltluftfahrtverbandes Anfang Juni in Katar zeigte sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr bester Laune. Sowohl beim Konzert von US-Soulstar Kelly Rowland wie beim Auftritt der Disco-Pop-Königin Kylie Minogue tanzte Europas mächtigster Airliner in der ersten Reihe. Und nach der Sause charmierte der leutselige Manager Minogue noch kurz auf einem kleinen Empfang im feinen Ritz Carlton Hotel. Dann fand sein Abend ein rasches Ende. Noch vor ein Uhr nachts saß Spohr wieder in einem Flugzeug nach Frankfurt. 

Denn dort erwartete den 46-Jährigen ein riesiges Aufgabenbündel. Noch in dieser Woche will er der Belegschaft vorstellen, wie er die Zukunft der Lufthansa sichern will. Die Öffentlichkeit soll dann Anfang Juli die Details erfahren.

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Schlechte Form

Der Druck ist groß. Von der guten Form, die Spohrs Vorgänger Christoph Franz der Lufthansa bei seinem Abschied Ende April attestierte, ist derzeit wenig zu spüren. Vorige Woche kassierte Spohr die Gewinnziele für die nächsten zwei Geschäftsjahre – und schickte den Aktienkurs auf eine fast 20-prozentige Talfahrt.

Der Schock war offenbar nur der Anfang. So berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ heute, Lufthansa plane einen zweiten Billigflieger neben seiner Discounttochter Germanwings. Künftig solle die besonders sparsame Tochter Eurowings einen weiteren Geizflieger starten - mit deutlich niedrigeren Kosten als der heutige Konzern-Discounter Germanwings.

Noch wiegelt die Lufthansa offiziell ab und verweist darauf, alle Möglichkeiten zu prüfen. Doch bei den Radikaleren im Konzern stößt der Plan auf einige Sympathie. „In der jetzigen Form nur mit Germanwings kriegen wir Easyjet und Ryanair jedenfalls nicht vom Hals“, so ein Insider.

Was die Lufthansa beim Service verbessern will

  • Bodenservice

    Problem: Check-in-Schalter wirken billig, nach der Ankunft oder beim Umsteigen ist die Betreuung dürftig.

    Abhilfe: Schönere Schalter, mehr Personal

  • Vor dem Flug

    Problem: Nicht überall können Vielflieger und Gäste der First und Businessclass eine bevorzugte Sicherheitskontrolle nutzen.

    Abhilfe: Bald fast überall Fast Lane

  • Warteräume

    Problem: Die Lounges der Businessclass sind oft überfüllt und bieten zu wenig Abwechslung bei der Verpflegung.

    Abhilfe: Mehr Auswahl bei den Speisen

  • Sitze

    Problem: Die Sessel der neuen Businessclass bieten wenig Fußraum, die Fensterplätze keinen freien Zugang zum Gang.

    Abhilfe: Nichts geplant

  • Bordservice

    Problem: Es dauert lange, bis das Essen serviert wird, und der Service ist oft unpersönlich.

    Abhilfe: Die Flugbegleiter werden besser geschult und von Routinejobs entlastet

Da könnte eine noch günstigere Tochter deutlich mehr bringen. Dabei müsste der Lufthansa im Vergleich zu Germanwings dreierlei gelingen: Niedrigere Löhne, weniger Service und die neue Linie so in den Konzern einzupassen, dass die anderen Marken nicht leiden. „Gute Ideen, aber damit würden wir viele mühsame Erfolge der vergangenen Monate zu Nichte machen“, so der Insider.

Neue Probleme durch Billig-Linie

So sind die Piloten nach dem Streik um die Kürzung der Pensionen derzeit wieder etwas kompromissbereiter. Nicht zuletzt deshalb, weil ihr Aufstand in der Öffentlichkeit auf wenig Verständnis stieß. Auch die Flugbegleiter sind nach dem gescheiterten Versuch, die Kabine mit Leiharbeitern zu besetzen, gerade wieder milder gestimmt. „Wenn wird da jetzt wieder mit einer Leichtlohngruppe kommen, wäre das quasi eine Aufforderung zum Streik“, so der Insider.

Auch die Kunden würden es wohl kaum schätzen, wenn die Lufthansa einen Teil ihrer Flüge an eine Ultrabillig-Tochter abgäbe. „Jetzt hat das Gros der Vielflieger gerade erkannt, dass Germanwings keine Folterkammer ist“, ätzt ein Insider. „Und prompt wollen wir die erneut verärgern, indem wir Ryanair unterbieten.“

Andere bieten Service und Schnäppchen

Kaum einfacher liefe wahrscheinlich die Eingliederung in den Konzern, wenn eine Geizlinie mit Kranich-Emblem quer zu den anderen sieben Lufthansa-Flugmarken durch Europa fliegt. Das dürfte am Konzernimage kratzen. Von der belgischen Brussels bis zur Air Dolomiti aus Norditalien setzen alle auf Qualität und bieten trotzdem reihenweise Schnäppchen. „Da passt eine Ultra-Geizling kaum hinein, schon gar nicht in Zeiten, wo selbst Ryanair auf mehr Service setzt“, so ein Insider. „Zumal ein Neuling nur Erfolg haben könnte, wenn er völlig unabhängig von der Konzernzentrale agieren darf – und dafür sind wir ja nicht bekannt.“

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Da wäre es deutlich einfacher, Germanwings in Richtung Low Cost zu verändern. Denn Experten wie John Strickland, ein in London tätiger Unternehmensberater für die Flugbranche, bescheinigen „Germanwings einige Stellen, die bremsen.”

Der Name ist außerhalb Deutschlands kaum bekannt. Im Vergleich zu Easyjet und Ryanair ist Germanwings deutlich kleiner, hat aber höhere Fixkosten: Die Linie betreibt zu viele kleine Regionaljets mit vergleichsweise hohen Kosten. Zudem musste sich der Lufthansa-Ableger auch viele kostentreibende Extras der Mutter auf das Auge drücken lassen.

Unter anderem musste Germanwings großzügige Zugangsregelung zu den Lounges mitmachen und am aufwändigen Vielfliegerprogramm Miles & More teilnehmen, nachdem ihm die Lufthansa im vorigen Jahr das Fluggeschäft außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München ans Bein band.

„Es ist ja nicht so, als ob wir von Low Cost so gar keine Ahnung hätten“, so der Insider. „Wir sollten es vielleicht mal in Ruhe umsetzen statt ständig neue Unruhe zu veranstalten.“

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